Thema: Der Weg der Gerechtigkeit
Prediger: Declan McMahon
Datum: 22. Juni 2025
Graue Haare als Krone der Ehre
Als ich ein kleiner Junge war, hat unser Vater unser Reihenhaus gestrichen in England. Da muss man immer aufpassen, dass man nicht aus Versehen beim Nachbarn über die Linie geht. Und da hat er erst weiß gemacht und danach grün oben drauf, weil das die Lieblingsfarbe von unserer Mutter ist. Aber als er das Weiß fertig hatte, hatte er auf einmal am Hinterkopf so einen weißen, hellgrauen Fleck im Haar. Und ich habe lange gedacht, dass das ein Farbklecks ist. Aber dieser Farbklecks wurde immer größer und größer, bis mein Vater komplett graue Haare hatte. Das ging viel schneller, als ich gedacht hätte. Das war nach ein paar Jahren schon erledigt.
Graue Haare sind eine Krone der Ehre. Auf dem Weg der Gerechtigkeit wird sie gefunden. Wer eine Bibel dabei hat, kann Sprüche 16 aufschlagen. Da sind wir gerade in Vers 31. Graue Haare sind eine Krone der Ehre. Und auf dem Weg der Gerechtigkeit wird sie gefunden.
Was ist eine Krone? Eine Krone ist ein Symbol für Ehre und für Schönheit. Das ist ein Statussymbol. Hier ein Bild für wahre Schönheit auch im Alter. Wo findet man diese Krone? Hier heißt es auf dem Weg der Gerechtigkeit. Das heißt, es gibt einen Weg zu dieser Krone der Ehre, die kommt nicht ganz von alleine, wie die grauen Haare von meinem Vater. Sondern um ein alter Mensch zu werden, der diese Krone der Ehre empfängt, gibt es einen Weg, den wir gehen, einen Pfad.
Und wenn du jung bist, dann ist hier schon direkt die Frage, ist es dein Ziel, ein solcher alter Mensch zu werden, ein gerechter alter Mensch? Weil alt wirst du ja sozusagen einfach mit der Zeit. Aber was ist mit dem Rest? Dafür ist dieser Text da. Er beschreibt den Weg zu dieser Krone.
Sieben Eigenschaften auf dem Weg der Gerechtigkeit
Das heißt in Vers 32: Ein geduldiger Mensch ist besser als ein starker, und wer sich selbst beherrscht, als einer, der Städte einnimmt. Der Mensch wirft das Los, Vers 33, aber es fällt, wie der Herr will. Dann Kapitel 17, ab Vers 1: Besser ein trockener Bissen mit Frieden als ein Haus voller Geschlachtetem mit Streit. Ein kluger Knecht wird herrschen über einen schandbaren Sohn und wird mit den Brüdern das Erbe teilen. Wie der Tiegel das Silber und der Ofen das Gold, so prüft der Herr die Herzen. Ein Böser achtet auf böse Mäuler und ein Falscher hört gern auf schändliche Zungen. Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer, und wer sich über eines anderen Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben. Der Alten Krone sind Kindeskinder und der Kinder Ehre sind ihre Väter.
Also hier ist die Krone und die Ehre am Anfang von unserem Text und am Ende, das ist der Rahmen für unseren Text. Da drin ist der Weg beschrieben, der Weg der Gerechtigkeit. Wie wird man ein weiser alter Mensch auf dem Weg der Gerechtigkeit? Indem man auf diesem Weg geht, ein Leben lang.
Wie sieht dieser Weg aus? Der ist hier so beschrieben: In Vers 32 geht es um Selbstbeherrschung. Dann Vers 33: Demut, indem man einsieht, Gott ist souverän, ich nicht. Sein Wille soll geschehen und wird geschehen, nicht meiner. Das Dritte auf diesem Weg ist in Kapitel 17, Vers 1: Frieden. Und zwar besonders zu Hause, zu Hause fängt alles an. Dann viertens in Vers 2: Fleiß. Ein kluger Knecht ist ein fleißiger Knecht. Und der hat mehr Ehre als ein Faulenzer, selbst wenn dieser Faulenzer kein Knecht ist, sondern sogar der Sohn. Fünftens Aufrichtigkeit: Der sein Herz prüfen lässt von Gott, der ist aufrichtig in Vers 3. Sechstens Verschwiegenheit: In Vers 4 geht es darum, nicht zu lästern und auch nicht zuzuhören, wenn jemand lästert. Und siebtens Barmherzigkeit: In Vers 5 ist das Beispiel für Barmherzigkeit, dass man sich um die Armen kümmert.
Also auf diesem Weg der Gerechtigkeit gibt es sieben Dinge, sieben Eigenschaften, sieben Beispiele in diesen Versen für den Pfad, auf dem wir hier gehen. Und das ist bewusst die Zahl 7, die steht für Vollkommenheit, dass es Gottes vollkommener Weg zur Gerechtigkeit ist. Der vollkommene Weg der Gerechtigkeit, der zu dieser Krone im Alter führt.
Was ist biblische Gerechtigkeit?
Der Weg der Gerechtigkeit, das ist unser Thema heute. Gerechtigkeit ist nicht Fairness, also bitte denkt nicht an zwei Fußballmannschaften, die fair aufgeteilt sind, jeder hat fünf Spieler und ein Torwart. Sondern Gerechtigkeit in der Bibel ist, wenn ich tue, was ich meinem Nächsten schuldig bin. Der Gerechte, der ist der Superstar im Buch Sprüche und eigentlich auch in der ganzen Bibel. Er ist der, der seinem Nächsten Gutes tut. Der das macht, was man ihm tun soll, was er gerne hätte, das so ist er zu den anderen. Er liebt seinen Nächsten wie sich selbst.
Selbstbeherrschung – Die Grundlage der Gerechtigkeit
Und diese sieben Sachen auf diesem Weg der Gerechtigkeit, die gehen wir jetzt zusammen durch. Guck mal in Vers 32, da geht es um Selbstbeherrschung. Ein Geduldiger ist besser als ein Starker, und wer sich selbst beherrscht, besser als einer, der Städte einnimmt. Also der Gedanke ist: Städte einzunehmen, das erfordert sehr viel Kraft. Und das ist ein starker Mensch, der das schaffen kann, eine Stadt in der damaligen Welt zu erobern. Da musste man halt auch richtig kämpfen. Da ging es darum mit Pfeil und Bogen und mit Unzurossen und mit Kriegsgeräten, die Mauer zu erstürmen und so weiter. Wer macht das? Starke Menschen. Aber wer ist wirklich stark, wer ist besser als das? Der, der geduldig ist, der, der sich selbst beherrscht.
Die Grundlage der Gerechtigkeit ist Selbstkontrolle. Da fängt alles an. Weil wenn ich impulsiv tue, was mir gut tut, dann wird das auf deine Kosten sein. Aber wenn ich besonnen bin und mich selbst beherrsche, dann bin ich frei, um das zu tun – nicht was mir als erstes einfällt oder mir am dringendsten wichtig wäre, sondern das, was für dich auch gut ist.
Wir Menschen sind ja von Gott zum Herrschen erschaffen. Der Mensch soll herrschen über die Fische des Meeres und die Tiere des Feldes und die Vögel des Himmels. Das ist der Schöpfungsauftrag. Du hast etwas von Gott anvertraut bekommen und sollst darüber herrschen, Verantwortung dafür übernehmen. Das ist vielleicht deine Familie oder dein Bereich in dieser Welt, der dir anvertraut ist. Das kann sein dein Bereich auf der Arbeit. All das, was Gott dir anvertraut hat, wo nicht jemand anders für zuständig ist, sondern du. Da sollst du herrschen und regieren. Und herrschen, leiten, beginnt mit Selbstleitung, mit Selbstbeherrschung. Und wahre Stärke kommt von innen.
Eine Stadt, hat mal einer gesagt, kann man an einem Tag erobern. Aber sich selbst bekämpft man ein Leben lang. Selbstbeherrschung ist gerecht, weil ich meinem Nächsten schuldig bin, ihn nicht impulsiv anzuschreien oder zuzuschlagen oder sonst irgendetwas zu tun, was mir in dem Moment vermeintlich jetzt gut tun würde, sondern auch was ihm gut tut.
Demut – Gott ist souverän
Aber mein Herr wird mich retten, nicht meine Selbstbeherrschung. Die ist hier der Anfang von diesem Weg, aber die hat auch schwere Grenzen. Und die Grenze ist immer Gott. Gott ist der Einzige, der über alle Grenzen hinweg wandeln kann, wie er möchte. Und um ihn geht es im nächsten Vers. Und da lernen wir, was Demut im Wesen ausmacht. Der Mensch wirft das Los, aber es fällt, wie der Herr will. Gott ist souverän, nicht ich.
Ich kann nicht machen, dass ich eine Sechs würfle, ohne zu mogeln. Wenn ich einen gezinkten Würfel hätte, dann geht das. Ich bin es, der würfelt, der den Würfel rollt oder schmeißt. Und Gott bestimmt, ob ich jetzt eine Sechs kriege und losgehen darf bei „Mensch ärgere dich nicht“ oder nicht. Gott steckt letztlich hinter allem, auch hinter diesem Würfel. Er hat alles unter Kontrolle. Er herrscht über alle Dinge, nicht ich. Und das ist, was Demut im Kern ausmacht, dass ich meinen Platz verstehe – und der ist nicht auf dem Thron, sondern vor dem Thron auf den Knien.
Wenn ich würfle, dann ist das ein Beispiel dafür, dass Gott die Zahl bestimmt. Gibt es den Zufall? Für uns schon, für Gott nicht. Gott steht über alle Dinge, auch über den. Heißt das, ich soll jetzt immer alles auslosen und würfeln? Im Neuen Testament macht keiner mehr etwas mit Auslosen und Würfeln, seitdem, also seit Pfingsten, seitdem wir den Heiligen Geist haben, der unser Denken prägt und uns in Entscheidungen hilft.
Also Demut erkennt Gott an und das ist gut für alle anderen, mit denen ich zu tun habe. Demut ist gerecht, weil sie Gott groß macht und mich klein. Und das Gegenteil von Demut, Hochmut, macht mich groß. Und wenn ich groß bin, dann bist du klein. Und deswegen ist das schlecht für alle, weil ich nicht Gott bin und groß sein kann, aber du bist ja auch nicht kleiner als ich. Das heißt, der Gerechte ist demütig. Demut ist gut für unsere Beziehungen, Hochmut ist ganz schlecht für unsere Beziehungen.
Frieden – Besonders zu Hause
Und um Beziehungen geht es bei der dritten Sache: Frieden. In Kapitel 17, Vers 1 heißt es: Besser ein trockener Bissen mit Frieden als ein Haus voller Geschlachtetem mit Streit. Also es wäre besser, so das Brot von vorgestern zu haben, ohne Belag, aber dafür eine gute Stimmung am Esstisch, als wenn man jetzt irgendwie extra gegrillt hat und den Dutch Oven angeschmissen hat und alles Mögliche, aber niemand mag sich an diesem Esstisch, weil sie im Clinch liegen.
Zu Hause merkt man, wer Vers 32, die Selbstbeherrschung, und Vers 33, die Demut, hat und wer nicht. Es gibt kein Enttkommen, zu Hause ist man halt echt. Wie oft ist es so – ich nehme mal ein Beispiel zu diesem Thema Essen: Du stehst am Herd und schuftest für deine Familie und machst das tolle Essen, aber du hast dabei so schlechte Laune, dass es am Esstisch eisiges Schweigen gibt beim leckersten Essen. Das ist wie schnell und wie plastisch das kippen kann. Ich meine, du weißt ja selber, für wen und warum du so schönes Essen machst, damit wir eine schöne Zeit haben an deinem Tisch.
Frieden meint hier umfassendes Wohlergehen in all deinen Beziehungen, soweit es an dir liegt. Es liegt ja nicht immer an dir, aber das, was an dir liegt, das ist hier mit Frieden gemeint. Das ist Schalom, dass du echte, liebevolle und fröhliche Beziehungen hast. Und es gibt Menschen, die haben keine einzige solche Beziehung. Die haben keinen Frieden in ihrem ganzen Leben, auch besonders nicht zu Hause, und es ist was anderes möglich. Es ist möglich, echten Frieden in deinen Beziehungen zu haben, so vieles an dir liegt, nicht jeder wird mitmachen.
Frieden ist gerecht, weil er meinem Nächsten den Segen Gottes ermöglicht. Weil ich mein Teil beitrage, dass andere dann aufblühen und gedeihen können in ihren Beziehungen. Die Beziehungen sind das, wo Gott uns reingepflanzt hat, um zu wachsen und Frucht zu bringen. Ohne Beziehung gibt es gar nichts, kein Mensch ist eine Insel, jeder braucht das. Und jeder, der mit dir zusammen in so einem Netz von Beziehungen ist, ist von dir abhängig. Dass du auch sein Wachstum und sein Gedeihen mit ermöglicht, indem du Frieden lebst in deinen Beziehungen. Also sei friedlich, dann wirst du glücklich. Und die Menschen um dich herum auch, denn nur gute Beziehungen können glücklich machen, soweit Beziehungen glücklich machen.
Fleiß – Arbeit macht glücklich
Aber der Mensch braucht noch etwas, um glücklich zu sein, und das ist Arbeit. Und die geht es in Vers 2. Ein kluger Knecht wird herrschen über einen schandbaren Sohn und wird mit den Brüdern das Erbe teilen. Also ein kluger Knecht ist fleißig, der bringt seinem Besitzer hier so viel, dass der irgendwann denkt: Ich glaube, ich will den belohnen für seine ganze harte Arbeit, für seinen Fleiß und sein Talent, dann adoptiere ich den als Sohn oder sowas. Dann wird er der Erbe. Und der Faulenzer-Sohn, das ist der schandbare Sohn hier, der, für den sich die Eltern schämen müssen in der Öffentlichkeit, weil er immer noch nichts hat, immer noch nichts macht und immer noch aus ihrer Tasche lebt. Der ist eine reine Last, aber dieser Knecht, obwohl er nur ein Knecht ist, der bringt so viel, dass sie ihn belohnen wollen.
Fleiß ist gerecht, weil ich dadurch meinem Nächsten etwas gebe, statt immer alles zu nehmen. Weißt du, wenn du faul bist und irgendetwas hast, dann bedeutet das automatisch, das hast du genommen von anderen, die es erarbeitet haben. Und deswegen ist das nicht gerecht, das ist nicht, was du deinem Nächsten schuldig bist, sondern dass du mitbeiträgst. Geben ist seliger als Nehmen. Und wer nur nimmt, wird nicht glücklich in Gottes Schöpfung. Das hat er mit Absicht so gebaut, damit wir nicht auf diesem Dornpfad gehen, sondern auf dem Weg der Gerechtigkeit.
Also sei fleißig, Arbeit macht glücklich, soweit Arbeit glücklich machen kann. Wenn du leiden willst, sei faul. Du wirst schnell spüren, wie der Sinn aus deinem Leben verschwindet, wenn du nicht aktiv bist.
Aufrichtigkeit – Lass dein Herz prüfen
Vielleicht sind das Themen für dich bisher – also Selbstbeherrschung, Demut, Frieden, Fleiß – wo du denkst: Jetzt muss ich ja irgendwie auch anfangen, mich selbst zu analysieren hier, wie bin ich, bin ich jetzt faul oder bin ich demütig oder nicht, wie weit bin ich da. Und darum geht es im nächsten Vers, das ist das Fünfte, da geht es um Aufrichtigkeit. Aufrichtigkeit vor mir und vor Gott und auch vor anderen.
Wie der Tiegel das Silber und der Ofen das Gold, so prüft der Herr die Herzen. Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Und deswegen hat man damals Gold und Silber geschmolzen, um zu sehen, was es ist. Weil wenn es danach immer noch golden ist, dann ist es Gold. Wenn es voller Dreck ist oder irgendwie was anderes rausfließt aus diesem geschmolzenen Gold, dann weiß man, das war nur Lack oben drauf oder so. Und ich habe kein echtes Gold. Es geht darum zu wissen, was man hat, was wirklich da ist.
Gott schmilzt unsere Herzen und dann kommt was raus. Und das, was rauskommt, das bist du. Das ist, was du wirklich bist. Das, was im Stress, in der Krise, wenn es nicht mehr geht, wenn du unter Druck bist – das ist, was wirklich da ist. Und Gottes Liebe zu dir ist, dass er das hervorholt. Weil er sagt: Guck mal, das ist, wer du bist. Und diesen Menschen habe ich lieb. Nicht die Version, die du mir dauernd versuchst vorzuspielen. Und die vielleicht die anderen von dir gesehen haben und das glauben. Nein, Gott weiß, wie du wirklich bist. Und den liebt er.
Und manchmal zeigt er es dir, damit du das lernen kannst. Und damit auch andere um dich herum lernen können, wie du wirklich bist. Gott wusste es die ganze Zeit. Manchmal offenbart er es dir und anderen. Und das ist sehr befreiend, weil das bedeutet: Gott kann und muss ich nichts vormachen. Er weiß, wie ich bin. Und er liebt mich trotzdem. Er weiß noch besser als ich, wie doof ich bin. Und liebt mich trotzdem.
Das heißt, bete zu Gott, dass er dein Herz offenbart. Und dann ändert er es auch. Sei echt, ehrlich zu dir selbst und Gott gegenüber. Wenn du selber ein großes Problem oder ein Thema hast, dann geh zu jemandem. Und sag: Ich brauche einen Freund, einen Wegbegleiter, einen Seelsorger vielleicht, der mir hilft. Ich möchte diese Dinge ans Licht bringen und geheilt werden.
Du schuldest deinem Nächsten ein Stück weit etwas von dieser Aufrichtigkeit. Wenn du dir selber was vormachst, unkritisch, unreflektiert oder wirklich direkt verblendet bist, dann leidest nicht nur du darunter, sondern die Menschen in diesem Beziehungsnetz um dich herum, die Menschen, die etwas von dir erwarten dürfen an Aufrichtigkeit. Der Gerechte kann Fehler eingestehen und Schwächen. Er wird daran leiden, aber er wird nicht zerstört werden, weil seine Burg ist nicht er selbst, sondern Gott, der ihn gemacht hat und ihn liebt.
Verschwiegenheit – Nicht lästern
Also Gerechtigkeit ist, wenn ich meinem Nächsten tue, was ich ihm schuldig bin, oder was ich mir von ihm wünsche, was eigentlich dasselbe ist. Beim Sechsten ist das besonders brisant. Vers 4, da geht es um Verschwiegenheit. Ein Böser achtet auf böse Mäuler und ein Falscher hört gern auf schändliche Zungen. Also Lästern ist böse und dabei sein, wenn jemand lästert, ist es auch.
Aufstehen und gehen ist das Einzige, was du machen kannst in dieser Situation, oder eben ermahnen und sagen: Das geht nicht, was wir jetzt hier machen. Aber was du erleben wirst in dieser Situation ist, dass das Böse, das in dir lebt, wird denken: Ist eigentlich ganz schön hier. Es ist auch gut, dass es nicht um mich geht, sondern um die. Das ist etwas, wo wir gerne dabei sind. Aber der Gerechte lästert nicht, weil er den Ruf seines Nächsten nicht schaden will, sondern das tun will, was er sich wünschen würde in der Lage.
Selbst wenn er voll den Fehler oder eine Sünde begangen hat, niemand wünscht sich, dass seine Sünden verbreitet werden. Also in diesem Vers geht es darum, immer die Wahrheit zu sagen und nichts darüber hinaus und sich auch die Freunde gut auszusuchen, mit denen man Zeit verbringt. Freunde gut aussuchen und Worte gut aussuchen. Das ist Teil dieses Weges zur Krone der Gerechtigkeit.
Barmherzigkeit – Den Armen helfen
Und das Siebte, das Letzte, vielleicht so der Höhepunkt in so einer Auflistung, ist Barmherzigkeit. Barmherzigkeit ist, wenn ich Menschen helfe, die sich selber nicht helfen können. Egal warum sie sich selber nicht helfen können, die sind halt in dieser Lage, und ich weiß, mir könnte es morgen genauso ergehen.
Und hier geht es um die Armen, Vers 5. Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer. Und wer sich über eines anderen Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben. Also hier geht es darum: Der Mensch hier, der geht vorbei an jemanden, der ist arm, und vielleicht ahnt er sogar, der ist selber schuld, und freut sich. Haha, der hat endlich gekriegt, was er verdient. Das ist in so einer Gesellschaft, wo sich jeder kennt, nicht wie bei uns heute, dann weiß man, wer der Bettler ist und warum er Bettler ist und dass er vielleicht selber schuld war. Das wäre hier der Worst Case sozusagen. Und dann heißt es hier: Wer sich über sein Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben.
Was das bedeutet ist: Schadenfreude ist Sünde und fordert Gott zum Gericht heraus und ist gefährlich für einen selbst. Der Gerechte liebt seinen Nächsten wie sich selbst, weil sein Nächster im Ebenbild Gottes erschaffen ist, von Gott erschaffen und von Gott geliebt. Und deswegen hilft er gerne.
Wenn du nach vorne zoomst zu deinen grauen Haaren oder noch weiter bis zu deinem Totenbett, worauf willst du zurückblicken? Auf einen Haufen Leichen, über die du gegangen bist, um deine Ziele zu erreichen, oder auf hunderte, vielleicht tausende Menschen, denen du geholfen hast mit dem, was Gott dir geschenkt hat und anvertraut hat? Jeder weiß, welcher von beiden Szenarien glücklich sein wird auf seinem Totenbett. Also sei barmherzig. Behandle andere so, wie du es gerne auch hättest, wenn du in genau ihren Schuhen stecken würdest. Besonders Menschen, die geringer sind als du, in welcher Kategorie auch immer. Behandle solche Menschen als Gottes Lieblingsgeschöpfe, denn sie sind es irgendwie auch. Nicht, dass du nicht auch sein Lieblingsgeschöpf bist. Gott hat ja nur Lieblinge, so wie es aussieht.
Ein weiser alter Mensch werden
Selbst wenn du meinst, die hätten ihr Unglück selbst zu verantworten. Wenn du diese sieben Dinge ein Leben lang machst, dann wirst du ein weiser alter Mensch werden. Hast du solche Themen vor Augen, auch schon von Jugend auf? Ist das der Mensch, den du werden willst? Ich meine, das sind ja nur sieben Beispiele, aber ich finde, dass es ein wunderschöner, attraktiver Mensch ist, der hier beschrieben wird. Sollen deine Kinder so werden? Diese Verse, das sind sieben Familienandachten, die du halten könntest, über je einen Vers.
Hat dich manches von diesen sieben Beispielen für gelebte Gerechtigkeit überführt? Und du spürst da, das fühlt sich schon wie die Last des Gesetzes an. Und ich weiß nicht, wie ich das schaffen soll, und schon wieder machen die mir so viel Druck hier. Und mein eigenes Herz auch.
Das Evangelium – Jesus ist der Gerechte
Wenn du das so spürst, dass dir Selbstbeherrschung, Demut, Frieden, Fleiß, Aufrichtigkeit, Verschwiegenheit und Barmherzigkeit fehlen, und dass Gott das zwar lehrt, dass wir das machen sollen, nämlich in Gerechtigkeit leben, aber dass wir es nicht können, dann habe ich gute Nachrichten für dich. Die gute Nachricht ist das Evangelium.
Der Gerechte ist der Superstar des Buches Sprüche, und das Evangelium ist: Du bist nicht der Gerechte. Jesus Christus ist der Gerechte, der Gerechte für dich und an deiner Stelle. Er hat im Gegensatz zu dir vollkommen auf diesem Weg der Gerechtigkeit gelebt. Und deswegen gebührt ihm die Krone der Ehre. Aber statt einer Krone der Ehre trägt er für dich eine Dornenkrone.
Er hat voller Selbstbeherrschung solche Anfeindungen von den Sündern gegen sich erduldet, heißt es in Hebräer 12, Vers 3. Unter seinem Kreuz wurde gelost, sein Gewand wurde verlost unter den Soldaten, wer es als Beutestück behalten darf. Er hat solchen Frieden gestiftet, dass ehemalige Feinde zu einem Abendmahl gehen können. Er hat die Gestalt eines Knechtes angenommen und erniedrigte sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Er prüft die Herzen auf Psalm 2, Vers 23. Er liest die Gedanken der Schriftgelehrten in diesem Haus. In seinem Mund wurde kein Betrug gefunden, heißt es in 1. Petrus 2, Vers 22. Er war erfüllt mit Barmherzigkeit, als der Aussätzige vor ihm kniete und ihn angefleht hat, ihn rein zu machen. Da heißt es ausdrücklich in Markus 1, 41: Jesus erbarmte sich über ihn und streckte die Hand aus und rührte ihn an. Und in dem Moment wurde er rein.
Jesus ist der Gerechte. Und dieser Gerechte ist für dich am Kreuz gestorben. Das ist das Evangelium, dass er am Kreuz gelitten hat, der Gerechte für uns Sünder, der Gerechte für die Ungerechten, um uns zu Gott zu führen.
Der große Tausch – Gerechtigkeit durch Glauben
Das Evangelium ist: Dieser Gerechte, Jesus, der tauscht mit dir den Platz und gibt dir dafür, dass du ihm deine Sünden gibst, gibt er dir seine Gerechtigkeit. Was das bedeutet ist: Er nimmt deine Sünde, du kriegst seine Gerechtigkeit zugerechnet. Paulus beschreibt es so in 2. Korinther 5, Vers 21: Gott hat den, der von keiner Sünde wusste, an unserer Stelle zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit Gottes werden.
Also Jesus, die Gerechtigkeit in Person, wird für dich die Sünde in Person am Kreuz und wird als Sünder gerichtet, damit du in Gottes Augen die Gerechtigkeit in Person bist. Es ist nicht so: Du hast minus unendlich Schulden auf dem Konto und Jesus löscht die Schulden und du hast null auf dem Konto. Du hast durch Glauben ein Plus von unendlich auf dem Konto. Alles, was Jesus als Gerechter verdient vor Gott, hast du durch Glauben.
Er stirbt als Sünder, du wirst als Gerechter belohnt mit ewigem Leben, wenn du das im Glauben für dich annimmst, diesen Tausch. Für jeden, der glaubt, heißt es dann in 1. Johannes 2, Vers 1 und 2: Wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten. Und er ist das Sühnopfer für unsere Sünden.
Neue Menschen durch Glauben
Du wirst, auch wenn du gläubig wirst, wirst du weiterhin in Sünde leben. Du wirst immer wieder, werden dir von Selbstbeherrschung bis Barmherzigkeit all diese Dinge immer wieder fehlen. Du wirst dich verfehlen. Nur weil du gläubig bist, heißt es nicht, dass du nicht mehr sündigen wirst, aber es heißt, du bist neu. Und ein neuer Mensch geht neu mit seinen Sünden um. Der Gerechte, der Neugerechte, der bringt seine Sünde vor Gott und glaubt, dass Jesus diese Sünde vergibt, wegwischt, sühnt, wie es hier heißt. Also überdeckt wie mit einer Decke, als wärst du nackt und er wirft eine Decke über dich, um deine Blöße zu bedecken.
Durch den Glauben an diesen Gerechten werden wir selber gerecht. Durch den Glauben werden wir neue Menschen, die auf einmal diese Gerechtigkeit, die dich jetzt so erdrückt hat als Last, frei leben können. In Epheser 4, Vers 23 und 24 heißt es: Ihr werdet erneuert im Geist eurer Gesinnung, also neue Menschen. Und habt den neuen Menschen angezogen, der Gott entsprechend geschaffen ist in wahrhafter Gerechtigkeit und Heiligkeit.
Durch Glauben ist es möglich, echte Gerechtigkeit zu erleben. Echte Selbstbeherrschung, echte Demut, echter Frieden, echter Fleiß, echte Aufrichtigkeit, echte Verschwiegenheit und echte Barmherzigkeit von Gott. Durch Glauben als Frucht aus dir heraus und nicht als Last und als Frondienst, den du für Gott machen müsstest, um irgendwie wieder gerecht zu werden. Er schenkt dir diese Dinge.
Wenn Jesus Herr deines Lebens ist, dann hast du sozusagen einen grauen Fleck der Gerechtigkeit, der immer weiter wachsen wird. Bis du ganz gerecht bist, wenn er kommt und die Verwandlung vollendet, die er in dir begonnen hat, als er dir zum ersten Mal begegnet ist.

