Thema: Die Buchführung Gottes
Prediger: Lars Krüger
Datum: 20.07.2025
Ich habe euch mal ein Foto mitgebracht. Ich brauche jetzt keiner Angst zu haben, eine ornithologisch geprägte Predigt über die Uferschnepfe zu bekommen. Aber mir ist im Zusammenhang mit diesem Bild etwas aufgefallen, und darüber möchte ich zusammen mit euch nachdenken.
Wenn ihr auf die Beine des Vogels achtet, dann könnt ihr dort einige Ringe sehen. Die Farbkombination dieser Ringe ist so individuell, so einzigartig, dass man vieles über den Vogel, über sein Leben und seine Reisen erfahren kann. Ein Kollege von mir hat mit diesem Bild den Vogel gemeldet, und nach kurzer Zeit bekamen wir eine Liste mit allen bisherigen Meldedaten dieses Vogels zugesandt.
Was mir sofort ins Auge gefallen ist: Da steht immer das Wörtchen „lebend“. Das scheint jetzt nicht wirklich Besonderes zu sein, denn wenn man die Sichtungen eines Vogels zusammenfasst, werden das in der Regel Lebenssichtungen sein. Aber irgendwann wird diese Liste einmal enden, und dann steht da vielleicht „verschollen“, „seit“ oder „Totfund“ oder was auch immer. Das weiß eigentlich jedes Kind. Jedes Leben auf dieser Erde, auch das irdische Leben von uns Christen, wird früher oder später einmal enden.
Und ich musste beim Blick in diese Liste ganz schnell daran denken, dass es bei Gott ja auch eine Liste gibt – und das fand ich total klasse. Bei uns Christen ist es eigentlich genau umgekehrt: Unsere Lebensliste bei Gott fängt damit an, dass wir tot sind in Sünden und Vergehungen. Und dann kommt der Augenblick, wo wir uns bekehrt haben, und dann fängt unser Leben an. Und diese Liste bei Gott wird niemals enden.
Die biblische Grundlage: Tot in Sünden – lebendig gemacht in Christus
Im Zusammenhang mit dieser Liste musste ich an einen Satz denken, der interessanterweise an zwei Stellen im Neuen Testament mit fast demselben Wortlaut vorkommt. Die erste Bibelstelle ist aus Epheser 2. Da lese ich den ersten Vers: „Auch euch hat er auferweckt, die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden.“ Weiter Vers 4: „Gott aber, der reich ist an Barmherzigkeit, hat um seiner vielen Liebe willen, womit er uns geliebt hat, auch uns, die wir in den Vergehungen tot waren, mit dem Christus lebendig gemacht. Durch Gnade seid ihr errettet.“
Und die zweite sehr ähnliche Stelle steht in Kolosser Kapitel 2, Vers 13: „Und auch euch, die ihr tot wart in den Vergehungen und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, hat er mit lebendig gemacht, indem er uns alle Vergehungen vergeben hat.“
Ich möchte mit euch über zwei Punkte nachdenken. Der erste Punkt ist: Tot in Vergehungen und Sünden. Und der zweite ist: Mit dem Christus lebendig gemacht.
Wie der Tod in die Schöpfung kam
Eigentlich kennt jeder Christ und auch viele Nichtchristen die Begebenheit, wie der Tod in die Schöpfung gekommen ist. Gott hatte Adam und Eva im Garten Eden nur ein einziges Gebot gegeben, nämlich nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen zu essen. „Denn an dem Tag, da du davon isst, musst du sterben.“ Kurze Zeit später hat die Schlange Eva ganz vertraulich zugetextet: „Ihr werdet nicht sterben. Ihr werdet sein wie Gott.“
Letztendlich haben Adam und Eva von der verbotenen Frucht gegessen, und exakt von diesem Augenblick an wird in der Schöpfung gestorben. Zuerst starb die vertraute Beziehung, die Adam und Eva zu Gott hatten. Ihnen wurde plötzlich ihre Nacktheit bewusst, und obwohl das vorher nie irgendwie ein Thema war, schämten und versteckten sie sich nun vor Gott, als er sie abends besuchen kam. Die erste ernste Folge dieser ersten Sünde war daraufhin die Vertreibung aus dem Garten Eden.
Als zweites, gleich danach, mussten Tiere sterben, weil Gott Adam und Eva Leibröcke aus Fell machte, damit sie ihre Nacktheit und ihre Scham verstecken konnten. Ich bin überzeugt davon, dass Gott nicht einfach hingegangen ist und ein paar Felle geschaffen hat, sondern er hat vor den Augen von Adam und Eva die Tiere geschlachtet, deren Fell für die Leibröcke gebraucht wurde. Ich glaube, sie sollten sehen, was die Konsequenz der Sünde ist: nämlich „ihr werdet sterben“.
Als drittes starb ihr jüngerer Sohn durch die Hand seines älteren Bruders, weil Kain brennend eifersüchtig auf Abel war. Und seitdem wird gestorben, Tag für Tag, Stunde für Stunde. Der Tod bleibt niemandem erspart und er ist und bleibt der letzte große Feind aller Lebenden.
Römer 5,12 bringt es auf den Punkt: „Darum, wie durch einen Menschen, nämlich Adam, die Sünde in die Welt gekommen ist und durch die Sünde der Tod, und so der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, weil sie alle gesündigt haben.“ Mein Vater sagte mir kürzlich bei einem Gespräch, dass der Tod der sichtbare Beweis dafür ist, dass der Teufel ein Lügner ist. Was hat die Schlange gesagt? „Ihr werdet nicht sterben, ihr werdet sein wie Gott.“ Und wenn wir einen Sarg sehen, der zur Beerdigung gefahren wird, dann können wir sehen: Es ist eine Lüge, die der Teufel damals Adam und Eva erzählt hat.
Alle haben gesündigt – ohne Ausnahme
Vielleicht sitzt jetzt gerade hier jemand im Raum oder im Livestream und denkt sich: „Mensch, jetzt mach mal halblang. Alle haben gesündigt – ich doch nicht! Ich hab noch niemanden umgebracht. Ich bin nie fremdgegangen. Ich hab immer treu und ehrlich meine Steuern bezahlt, niemanden belogen und betrogen“ und so weiter. Ja, wenn das wirklich so wäre, dann hätten wir in dir jemanden, zu dem wir wirklich aufschauen könnten.
Aber die Bibel hat da ihre ganz eigene und leider auch ganz objektive Sicht der Dinge. Im Buch des Predigers heißt es nämlich in Kapitel 7, Vers 20: „Denn kein Mensch auf Erden ist so gerecht, dass er nur Gutes täte und niemals sündigte.“ Und Johannes schreibt in seinem ersten Brief in Kapitel 1, Vers 8: „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns.“
Wenn wir mit offenen Augen durch die Welt gehen, dann springt uns die Sünde und ihre Folgen förmlich an. Kirchenmitarbeiter müssen sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen eingestehen, Manager werden bei Betrug und Unterschlagung erwischt, Sportler werden des Dopings überführt. Das sind mal drei ganz willkürliche Beispiele. Aber wie ist das bei uns, bei den „Normalen“?
Die schon fast völlig aufgelöste Sexualmoral in der Gesellschaft – alles ist erlaubt und normal, nur eins nicht: nämlich mit der Bibel in der Hand von Sünde zu reden. Oder unsere Smartphones, diese Zeitfresser mit Suchtpotenzial. Wir vertun unsere Zeit mit nutzlosen Filmen, Spielen und so weiter. Und den pornografischen Anteil eigener Smartphone-Nutzung kennt wohl jeder Betroffene am besten selber. Und das Traurige ist, dass auch viele Betroffene unter uns Christen sind.
Das Runtermachen von irgendeinem Opfer, was man sich ausgesucht hat, in Chatgruppen. Oder das enthemmte, zum Teil hassgeladene Geschwätz in den Kommentarspalten der Nachrichtenseiten im Internet. Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen, und ich bin mir sicher, jeder von uns hier könnte sich an der einen oder anderen Stelle wiederfinden.
Die Bibel ist im Blick auf uns natürliche Menschen ganz nüchtern in ihrem Urteil: „Alle sind abgewichen, sie sind allesamt verdorben, da ist keiner der Gutes tut, auch nicht einer.“ Das steht im Psalm 14,3 und in Römer 3,12. Mag sein, dass sich viele von denen, die sich inständig bemühen, auch ohne Gott moralisch anständig zu leben, an diesem Urteil der Bibel stoßen. Aber es ändert nichts an der Tatsache, dass Gottes Urteil unanfechtbar ist.
Gute Taten reichen nicht
Manchmal fühlt sich das sogar fast ein bisschen ungerecht an. Vielleicht kennt der eine oder andere von euch den Instagram-Account Pflegesmile. Da gibt es einen alten Pfleger namens Rashid, der alle Hebel in Bewegung setzt, um alten Frauen ohne Angehörige auf der Zielgeraden ihres Lebens nochmal das Leben so richtig schön und lebenswert und freudebringend zu gestalten. Oma Lotti und Oma Edith sind zwei liebenswerte alte Frauen, die zu Instagram-Stars geworden sind.
Aber alle diese Mühen bringen niemanden in den Himmel, auch nicht diese guten Taten, die wir Menschen wirklich mit Hochachtung ansehen. Das, was uns rettet, sind keine guten Taten, sondern alleine die Gnade Gottes. Und diese Gnade muss von jedem von uns persönlich bei Gott erbeten werden – daran führt kein Weg vorbei.
Alles an sogenannten guten Taten, die wir aus eigener Kraft und Anstrengung vollbringen, ist genauso verdorben, wie wir selber auch sind. Aus dem Herzen eines natürlichen Menschen können ohne Gottes Wirken keine für Gott wertvollen Ideen entstehen. Der Herr Jesus sagt in Matthäus 15,19, dass aus dem Herzen böse Gedanken, Mord, Ehebruch und Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugnisse und Lästerungen kommen. Alles menschliche Streben also, auch das Streben nach Frieden ohne Gottes Hilfe, ist zum Scheitern verurteilt.
Die Abgründe des menschlichen Herzens
Ein holländischer Bruder mit Namen Bert Sträuber hat in einer Kolumne das so beschrieben: „Jemand träumte, dass die Menschheit alle Atomwaffen abgeschafft hätte. Doch war damit das Elend nicht aus der Welt. Die Gewalt ging mit Kanonen, Panzern und Feuerwaffen wie gewohnt weiter. Dann wurden auch diese Waffen abgeschafft. Doch dies brachte kein Ende. Wir machten weiter mit Messern, Schwertern und Dolchen. Daraufhin wurden auch diese Waffen abgeschafft.
Es half nichts. Wir benutzten die Fäuste und brachten uns gegenseitig mit unseren eigenen Händen um. Dann wurde auch das strengstens verboten. Die Streitereien blieben. Worte wie scharfe Pfeile schlugen tiefe Wunden in die Herzen der Menschen. Dann wurde auch das verboten. Es war still. Die von Hass durchzogenen Gesichter schwiegen. Wenn Blicke töten könnten…“
Vielleicht denkt jetzt mancher hier: „Lars, das ist zu hart. So sind wir nicht.“ Und doch glaube ich, dass dieser Text die Abgründe des menschlichen Herzens treffend beschreibt. Wir brauchen doch nur in die Welt zu schauen, nur die Kriege, die uns täglich in Atem halten, auf die vielen vergeblichen Versuche, Frieden zu schaffen. All das muss auch irgendwie leider scheitern.
Wir wollen ja alle gerne in Frieden und Sicherheit leben und bemühen uns redlich. Jeden Tag. Aber dann kommen plötzlich irgendwelche widrigen Umstände und werfen alles über den Haufen. Das Volk Israel ist so ein Paradebeispiel: Kurz vor dem Bundesschluss am Sinai, nachdem Mose ihnen die Bundesbedingungen Gottes vorgestellt hatte – und die zehn Gebote gehörten damals auch schon dazu – sagten sie im Brustton der Überzeugung zu Mose: „Alle Worte, die der Herr geredet hat, wollen wir tun.“
Mose stieg daraufhin auf den Berg, ging zu Gott und blieb 40 Tage und 40 Nächte dort. Und als er nicht sofort zurückkam, sind die Israeliten aufgestanden, sind zu Aaron gegangen und haben gesagt: „Mach uns einen Gott, den wir anbeten können.“ Und sie brachen so damit sehr schnell und absolut das erste Gebot: „Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.“
Ich glaube, dass wir Menschen einfach so sind. Wir wollen uns anstrengen, Gutes zu tun, Frieden zu schaffen und auch Frieden zu halten, ehrlich zu sein. Aber es muss nach unseren Spielregeln gehen, unsere eigenen Regeln. Wir wollen selbst das Ruder in der Hand halten. Wir wollen die Richtung vorgeben. Und wenn etwas nicht nach unserer Nase läuft – dann machen wir uns nichts vor. Gott, unser Vater, kennt jeden von uns Menschen besser, als wir uns selber kennen.
Mit dem Christus lebendig gemacht
Kommen wir zum zweiten Punkt, dem erfreulicheren: Mit dem Christus lebendig gemacht. Gott, der ewige und heilige und allmächtige, wusste von Anfang an, wie hoffnungslos unsere Lage war, denn die Bibel sagt ganz klar, dass der Sünde Lohn der Tod ist. Und aus dieser Nummer kommen wir bis heute nicht heraus.
Wir haben die Sünde Adams geerbt und obendrein tun wir täglich Dinge, die wir nach Gottes Gedanken nicht tun sollten, und lassen wahrscheinlich genauso oft Dinge, die wir eigentlich nach Gottes Willen hätten tun sollen. Ihr merkt, dass ich hier gerade mit diesem Satz eine sehr freundliche Umschreibung für die Sünde gebraucht habe.
Durch diese Sünden – und mögen sie in unseren Augen noch so klein und unbedeutend sein – machen wir uns schuldig vor Gott, täglich, ein Leben lang. Lässliche Sünden gibt es nicht. Unsere Schuld vor ihm war so groß, dass wir diese Schuld auch nie im Ansatz nur hätten bezahlen oder abzahlen können.
Psalm 49, Verse 8 und 9, da heißt es: „Niemals kann ein Mann seinen Bruder loskaufen. Nicht kann er Gott sein Lösegeld geben, denn zu kostbar ist das Kaufgeld für ihre Seele. Er muss davon abstehen auf ewig.“ In diesem Zusammenhang ein kleiner Spoiler auf die nächste Predigt zu Matthäus 18: Im zweiten Teil geht es um ein Gleichnis, das unser Herr Jesus erzählt hat. Da geht es um einen Menschen, der beim König 10.000 Talente Schulden hatte.
Nur mal eine kleine Rechenaufgabe: Ein Talent war damals 6.000 Denare wert, und ein Denar war der Tageslohn eines Arbeiters. 10.000 Talente, 10.000 mal 6.000… Der Herr Jesus zeigt uns, wie unfassbar groß und erdrückend unsere Schuld vor Gott war.
Gott wurde aktiv
Gott wusste also von Anfang an, wie verloren wir Menschen waren und warum – und darum wurde er aktiv. In Römer 8,3 heißt es: „Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott.“ Das hat mal ein Bruder gesagt, dass diese beiden Worte „tat Gott“ das ganze Evangelium zusammengefasst in zwei Worten ist. Die ganze frohe Botschaft.
Noch eines bewegt mich an dieser Bibelstelle: Als Gott die Schöpfung beendet hatte und er sein Urteil darüber gefällt hat, hat er gesagt: „Und siehe, es war alles sehr gut.“ Das Gesetz, die zehn Gebote und alles, was damit zusammenhängt, ist auch sehr gut. Aber weil wir Menschen in unserer so tiefsitzenden menschlichen Verdorbenheit unfähig sind, auch nur eins dieser Gebote Gottes zu halten – diese tiefsitzende menschliche Verdorbenheit beschreibt das Wörtchen „Fleisch“.
„Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war“ – dieses Wort „Fleisch“, das ist nicht das, was wir hier so anfassen, sondern das ist unsere menschliche Natur, völlig in Sünde verdorben. Wir sind also nicht fähig, auch nur eins dieser Gebote Gottes zu halten, und darum kann uns auch das Gesetz Gottes, egal wie sehr wir uns auch abstrampeln, Gottes Gebote einzuhalten, nicht zu besseren Menschen machen.
Das muss man sich mal vorstellen: Gott schafft etwas, was eigentlich sehr gut ist, und es ist kraftlos, weil wir durch die Sünde so unglaublich verdorben worden sind.
Jesus – Mensch wie wir, doch ohne Sünde
Deswegen kam der Herr Jesus als Mensch aus Fleisch und Blut auf diese Erde. Der zweite Teil von Römer 8,3 sagt, dass er „in Gestalt des Fleisches der Sünde“ kam. Das heißt nichts anderes, als dass der Herr Jesus Mensch geworden ist wie wir auch. Er war nicht der abgehobene Typ, er war nicht der Halbgott – er war genauso Mensch wie wir auch. Er war dabei auch Gott, aber er war wirklich Mensch.
Er ist „in Gestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde“ gekommen. Der einzige Mensch auf dieser Erde, der je sündlos war, der je sündlos auf dieser Erde gelebt hat, kam allein aus einem Grund auf diese Erde: nämlich um als unser gerechter Stellvertreter für unsere Schuld und Sünde ins Gericht Gottes zu gehen.
Er selbst hat es in Markus 10,45 so ausgedrückt: „Denn der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele.“ Da haben wir das Lösegeld wieder. Das, was wir nie gekonnt haben – er konnte Gott ein vollwertiges Lösegeld geben für die Menschen, die sich ihrer Verlorenheit klar bewusst sind und Gott darum um Gnade und Vergebung bitten.
Ich weiß nicht, wie es euch so geht, aber mich beschleicht oftmals so ein Gedanke, wenn wir im Gottesdienst über die Leiden des Herrn Jesus reden oder wenn wir das lesen, dass wir das einfach so runterlesen und denken: „Ja, das hat der Herr Jesus mal so gemacht“, als ob er das so einfach, so cool, dadurch gegangen wäre. Das liegt sicherlich daran, dass wir die Leidensgeschichte schon so oft gehört und uns leider auch so sehr daran gewöhnt haben.
Aber der Herr Jesus war Mensch, genau wie wir. Das heißt, er kannte Angst, er kannte Anfechtung, und er hat grauenhafte Schmerzen kennengelernt. Und eins hat er uns, denen er sich mit seinem Blut erkauft hat, exklusiv voraus: Er hat das Gericht Gottes ertragen und als Mensch das Verlassensein von Gott erlebt. Und keiner seiner Erlösten, keiner von uns hier, die wir zum Herrn Jesus gehören, wird das je wieder erleben müssen. Es wird für uns nie wieder die Situation kommen, dass wir von Gott verlassen sind. Gott ist immer da.
Der Schuldschein ans Kreuz genagelt
Auf Golgatha, als die Hammerschläge der Soldaten verklungen waren und als um die Mittagszeit wegen der plötzlich eintretenden Finsternis auch alles menschliche Gerede verstummt war, da hallten noch einmal Hammerschläge durch die Ewigkeit. Kein Mensch hat sie je gehört. Aber die doch tiefgreifende Wirkung hatten und die dem Teufel signalisiert haben, dass er von jetzt an der ewige Verlierer ist.
Kolosser 2,14 sagt es so: „Er, Gott, hat den Schuldschein gegen uns gelöscht, den in Satzungen bestehenden, der gegen uns war, und hat ihn aus unserer Mitte fortgeschafft, indem er ihn ans Kreuz nagelte.“ Da hängen unsere Schuldscheine.
Unser Herr Jesus ist nach drei furchtbaren Stunden am Kreuz gestorben – genau in dem Augenblick, exakt in dem Augenblick, als das gerechte Gericht Gottes über unsere Sünde und unsere Sünden abgeschlossen war. Er hatte über sein irdisches Leben gesagt: „Niemand nimmt es von mir, sondern ich lasse es von mir selbst. Ich habe Vollmacht, es zu lassen, und Vollmacht, es wiederzunehmen.“
Das leere Grab – juristisch wasserdicht belegt
Am dritten Tag nach der Kreuzigung, früh am Morgen, gab es ein gewaltiges Erdbeben in Jerusalem. Ein Engel kam, öffnete das Grab – aber das Grab war leer. So berichtet es Matthäus in Kapitel 28.
Wahrscheinlich werden viele, die mit Gott nichts am Hut haben, spöttisch grinsen, wenn sie von dem leeren Grab hören, und sagen: „Ja, ja, glaubt das man.“ Aber lasst euch nicht bange machen. Die Auferstehung des Herrn Jesus, das leere Grab, ist juristisch wasserdicht belegt. Denn Paulus weiß neben den Aposteln noch von über 500 Brüdern, die den auferstandenen Herrn alle gemeinsam live gesehen haben. Das sind deutlich mehr als zwei oder drei Zeugen. Und weil Jesus lebt und nicht im Grab geblieben ist, werden wir auch mit ihm leben – mit ihm gemeinsam ewig leben.
Die Buchführung Gottes am großen weißen Thron
Jetzt bleibt eigentlich nur noch die Frage: Was hat das alles mit Gottes Buchführung zu tun? Hat Gott überhaupt eine Buchführung welcher Art auch immer? Er ist doch allwissend, allgegenwärtig. Warum dann dies?
Es gibt in Offenbarung 20 in den Versen 11 bis 15 einen aufschlussreichen Abschnitt, der uns heute in der Gnadenzeit noch einmal ermahnt, unser Verhältnis zu Gott zu überdenken. Haben hier im Raum und auch draußen im Livestream alle wirklich Frieden mit Gott? Diesen Frieden, der seine Kraft aus dem Kreuz von Golgatha bekommen hat. Frieden, der auf vergebener Schuld beruht. Diesen Frieden, den Gott jedem Menschen ohne Ansehen der Person anbietet – allerdings nur unter einer Bedingung:
„Wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennst und mit deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, dann wirst du gerettet werden. Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit und mit dem Mund wird bekannt zum Heil.“
In Offenbarung 20 in den erwähnten Versen 11 bis 15 wird es auf einmal richtig unangenehm für die Beteiligten dort. Denn sie müssen nun ihrem Schöpfer nicht mehr als ihrem Erlöser entgegentreten, sondern als ihrem Richter. Niemand wird diesem Gericht entgehen, denn der Tod, der Hades und das Meer müssen in diesem Augenblick alle Toten herausgeben, und die Toten müssen vor einem großen weißen Thron erscheinen.
Der Begriff „Tote“ steht hier für Menschen, die gestorben sind, als sie noch tot waren in Sünden und Vergehungen – also die Menschen, die in ihrem Leben, egal ob bewusst oder aus Gleichgültigkeit, die Gnade Gottes, das Angebot völliger Vergebung, abgelehnt haben. Die gemeint haben, sie bräuchten das nicht. Die gemeint haben, sie könnten mit Gott schon einen Deal machen. Sie stehen da vor dem großen weißen Thron.
Das Buch des Lebens
Und hier an diesem großen weißen Thron treffen wir auf die Buchführung Gottes. Es heißt, dass Bücher aufgeschlagen werden und die Toten nach dem, was in diesen Büchern steht, nach ihren Werken gerichtet werden.
Ich hoffe, ihr verzeiht mir, wenn ich jetzt mal so ein bisschen meine Fantasie laufen lasse. Aber ich stelle mir vor, dass diese Bücher ähnlich sind wie die Liste für den Vogel mit den Sichtungen. Immer wenn er gesehen worden ist, gemeldet worden ist, ein Eintrag. Das Dumme an der Buchführung, an diesen Büchern ist: Da fehlt hinten die Spalte mit dem Wörtchen „lebend“. Die Sichtungen aus dem Leben eines jeden dieser Toten sind akribisch aufgeschrieben.
Anstelle dieser Spalte, wo das Wörtchen „lebend“ steht, gibt es aber noch ein weiteres, ein einziges Buch nur dort am großen weißen Thron: das Buch des Lebens. Vielleicht gibt es nur zwei Spalten in diesem Buch: eine für die Namen der Erlösten, und über der zweiten Spalte steht „mit dem Christus lebendig gemacht“. Und dann ist das Datum vermerkt, an dem der oder die Betreffende das Leben unter die Herrschaft des Herrn Jesus gestellt hat – sprich, das Bekehrungsdatum.
Dabei ist es wichtig, sicher zu wissen, dass der eigene Name im Buch des Lebens verzeichnet ist. Dieses Wissen ist viel mehr wert als jede noch so große Lebensversicherung. Denn dieses Wissen garantiert uns ewiges Leben zusammen mit Gott, unserem Vater, unserem Herrn und Erlöser Jesus Christus und einer unüberschaubaren Zahl von Menschen, die ihr Leben dem Herrn Jesus anvertraut haben, indem sie ihn um Vergebung ihrer Schuld und Sünde gebeten haben.
Weiß eigentlich jeder hier, ob sein Name im Buch des Lebens steht?
Das endgültige Urteil
Wenn am großen weißen Thron ein Name nicht im Buch des Lebens gefunden wird, dann nützen alle guten Werke in der Lebensliste nichts. Dann zieht der Richter einen Strich unter die betreffende Lebensliste und legt das Ergebnis fest: Tot in Vergehungen und Sünden. Und das bedeutet ewige Trennung von Gott, ewige Existenz mit unvergebener Schuld. Das ist Hölle.
Alle aber, deren Name im Buch des Lebens eingetragen ist, ihnen gilt ein wunderbarer Satz, den Paulus im zweiten Korinther 5,21 gesagt hat: „Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir Gottes Gerechtigkeit würden in ihm.“
Das ist ein Satz, der mich immer wieder nachdenklich macht und mir manchmal die Tränen in die Augen treibt. Jesus, der Schuldlose, starb an meiner Stelle für meine Schuld, für meine Ungerechtigkeit, für meine Schlechtigkeit, meine tiefe Verdorbenheit – für alles, was ich bis heute verbockt habe, und auch für das, was mir in Zukunft noch passieren wird. All das hat mein Herr mit seinem Blut bezahlt.
Und deshalb sieht mich Gott jetzt, mein himmlischer Vater, als so gerecht an, wie er selber gerecht ist. Unbegreiflich.
Ein letzter Vers noch – ein kurzer Satz aus 2. Korinther 9,15: „Gott sei Dank für seine unaussprechliche Gabe.“

