Thema: Die Hoffnung – Christus in euch
Prediger: Andreas Dück
Datum: 12.10.2025
Eine kindliche Vorstellung und eine tiefe Wahrheit
Ich erinnere mich noch ziemlich gut an unsere erste Küche. Ich war noch so klein. Mein Papa hatte ein Radio in der Küche in die Ecke angebracht, das die ganze Zeit lief, das man nicht ausmachen konnte. Und ich weiß noch, dieser kleine Lautsprecher, ungefähr so groß, schwarz mit so Rillen, wo dann der Sound rauskam. Und meistens hat jemand geredet. Und in meiner Vorstellung war ganz klar, dass in diesem kleinen Kasten ein kleiner Mann saß. In meiner Vorstellung war er mit einem Hut, und der sprach daraus und redete zu uns.
Diese Geschichte fiel mir ein, als ich darüber nachdachte, was eigentlich eine viel größere und krassere Wirklichkeit ist: dass Jesus in uns ist. Ich weiß nicht, ob das genauso absurd klingt wie die Vorstellung, dass in einem Radio ein kleiner Mensch sitzt, der dann daraus spricht. Und vielleicht ist es auch eine so abstrakte Geschichte, dass du denkst: Ja, was soll man mit so was anfangen?
Aber die Bibel spricht davon, dass für Menschen, die an Jesus glauben, Wirklichkeit ist, dass Jesus in ihnen ist. Vor einigen Wochen habe ich darüber gesprochen, dass wir in Jesus sind, dass unser Standort in Christus ist. Die Bibel spricht an ganz vielen Stellen darüber, dass wir in Jesus sind. Und hier spricht sie nun darüber, dass Jesus in uns ist.
Das klingt verrückt, wenn man jetzt rein innerweltlich denkt. Und manchmal scheint es auch für Christen, die wir gläubig sind, völlig irrelevant zu sein. Vor vielen Jahren habe ich als Jugendlicher ein Buch geschenkt bekommen. Es war so eine geistliche Aufbruchstimmung. Und das Buch, das war so ein Klassiker, das hieß „Christus in euch – Dynamik des Lebens“. Ich weiß noch, es hat so einen blauen Umschlag. Und ich habe gedacht: Das ist total ein wichtiges Buch, das ist so ein wichtiges Thema. Das ist so geistlich und gleichzeitig so weit weg von mir. Ich konnte mir nichts darunter vorstellen. Ich habe es nie gelesen. Es war in meinem Regal. Ich dachte, irgendwann, wenn ich so weit bin, dann lese ich das mal. Aber das war so vom Inhalt her zu theoretisch. Was bedeutet das schon, dass Jesus in uns ist? Welche Auswirkungen hat das?
Vielleicht geht es dir auch so. Und ich würde gerne mit dir, wo immer du gerade mit Jesus stehst, einen Schritt in dieser Predigt machen, der hilft, dass das für uns eine Wirksamkeit hat, die uns begleitet und die uns auch formt. Und die uns hilft, die uns heilt, dort, wo wir es brauchen. Jesus in uns ist nicht wie der Mann mit Hut im Radio, eine naive und eine unreife Vorstellung von Jesus, sondern das ist eine echte Wahrheit, eine Wirklichkeit. Und sie macht was mit uns.
Das Geheimnis wird offenbar: Christus in euch
Als Paulus den Brief an die Kolosser schreibt, dann gibt es eine Passage, in der er über seinen Auftrag spricht. Er ist ja ein Apostel, also jemand, der die Botschaft von Jesus in die ganze Welt hinaustragen soll mit den anderen Aposteln auch. Und er beschreibt das als ein Geheimnis, das Gott lange bei sich trug und die Menschen wussten es nicht, bis der Augenblick kommt und dieses Geheimnis offenbar wird. Und das Geheimnis wird offenbar, indem Paulus darüber spricht.
Kolosser 1,27 – dort sagt Paulus über die Menschen, die an Jesus geglaubt haben, über die Gemeinde: „Gott wollte ihnen offenbar machen, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses ist unter den Heiden, nämlich: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.“
Es sieht so aus, als ob Paulus alles, was er predigt, die ganze Botschaft, reinkomprimiert in diesen einen Satz. Und in diesem Satz steckt alles drin: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit. In einer verlorenen Welt und in einem verlorenen Leben, das voll Schmutz und Elend und Verdammnis geprägt ist, gibt es eine Hoffnung und zwar eine Hoffnung auf Herrlichkeit bei Gott. Und diese Hoffnung war lange ein Geheimnis. Nun wird es gelüftet: Jesus wohnt im Gläubigen. Jesus in uns, das ist auch der Garant für die Hoffnung, die wir haben, bei Gott zu sein.
Ist es normal, dass Jesus in einem wohnt?
Ist es denn normal, dass Jesus in einem wohnt? Das klingt so ein bisschen wie so ein esoterischer Gedanke, wo man sagt, Gott wohnt in jedem Menschen. Also jeder Mensch hat Gott in sich und ist auch so ein bisschen Gott. Vielleicht ist es auch so ein technokratischer Gedanke, dass man denkt, Gott wohnt in einem Menschen und steuert ihn. Hast du vielleicht das Gefühl gehabt, dass dieser Gedanke, dass Jesus in uns wohnt, gar nicht so toll ist, sondern dass das irgendwie was Fremdes ist, was wir gar nicht in uns haben wollen? Oder ein therapeutischer Gedanke, bei dem wir uns besser fühlen sollen, dass alles gut ist.
Lass uns mal dieser Vorstellung etwas nachgehen. Wie fängt das denn überhaupt an? Am besten finden wir das besprochen bei Jesus, wo er mit seinen Jüngern spricht, kurz bevor er stirbt. Dort hat er eine lange Rede mit ihnen, die Unterredung, wo er das Abendmahl mit ihnen feiert. Und dort sagt er ihnen diese Worte: „Ich lasse euch nicht als Waisen zurück. Ich komme zu euch. Noch eine kleine Weile und die Welt sieht mich nicht mehr. Ihr aber seht mich. Weil ich lebe, sollt ihr auch leben. An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch.“
Ihr werdet erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. Das kann man so rein logisch schwierig miteinander verrechnen. Jesus sagt hier: Ihr werdet mich sterben sehen, aber ich komme zurück. Ihr werdet mich in den Himmel auffahren sehen, aber ich komme zurück. Und es geht nicht nur darum, dass ich dann in euren Herzen weiterlebe, so wie wir das manchmal hören von Menschen, bei denen es keine Hoffnung gibt, dass sie sie wirklich wiedersehen, und dass sie dann sagen als Trostpflaster: In meinem Herzen lebst du weiter.
Sondern hier ist eine enge Beziehung zwischen Jesus und dem Vater, und Jesus nimmt uns mit hinein. Er weitet sie aus. Er nimmt uns hinein in diese Beziehung, die er mit dem Vater hat. Die engste Verkettung, die es gibt – und im Kontext geht es hier wohl um den Heiligen Geist. Wenn er kommt, dann ist der Tag, wo sie erkennen werden: Jesus wohnt in uns.
Wer Jesus liebt, bei dem nimmt er Wohnung
„Wer meine Gebote festhält und sie befolgt, der ist es, der mich liebt. Wer mich liebt, der wird von meinem Vater geliebt werden. Ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren.“ Da spricht Judas, nicht Iskariot, zu ihm: „Herr, wie kommt es, dass du dich uns offenbaren wirst und nicht der Welt?“ Jesus antwortet und sprach zu ihm: „Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort befolgen und mein Vater wird ihn lieben und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“
Hier erklärt Jesus nochmal genauer, was er damit meint, und sagt: Ja, ich werde mich dem offenbaren, den Menschen, die mich lieben, das heißt, die mich aufnehmen werden. Und Jesus zu lieben bedeutet nicht einfach nur tolle Gefühle bei Jesus zu haben, ein Fan von Jesus zu sein oder so, sondern bedeutet sehr praktisch zu tun, was er sagt. Das bedeutet bei Jesus Liebe. Und was damit passieren wird: Der Vater und der Sohn, also Jesus und der Vater, ziehen bei uns ein.
Wir sind letztens in eine Ferienwohnung eingezogen. Wir sind reingegangen und haben uns umgeguckt. Das wird jetzt für die nächsten Tage unsere Wohnung sein. Hier wohnen wir. Wir haben dann unsere Sachen in den Schrank gelegt und haben uns umgeguckt und im Kühlschrank eingekauft. Und ein paar Tage lang war das unsere Wohnung. Und darum geht es, dass Jesus bei mir einzieht. Gott zieht bei mir ein. Das Wort, das dort benutzt wird, wird auch anders benutzt in der Bibel. Wenn dort ein Ort beschrieben wird, dann ist das die Rede des Himmels. Das wird an anderen Stellen auch für die Wohnung Gottes, für den Himmel benutzt. Das heißt, Jesus nimmt sich einen Ort, der für ihn wie ein Zuhause ist – mein Herz.
Der Bewohner und die vermüllte Wohnung
Es ist keine fremde Macht. Es ist niemand, der da einzieht und kontrolliert. Es ist mein Vater, es ist mein Bruder, es ist mein Freund, der dort einzieht. Und er fühlt sich zu Hause, weil er es sich zu Hause gemacht hat. Das ist Jesus. Das ist mein Herz. Und ich muss sagen, wenn ich mir mein Herz anschaue, dann sieht es nicht aus wie frisch renoviert und sauber und so wie die Ferienwohnung, in die wir eingezogen sind. Sondern eher wie eine vermüllte Wohnung. Ich sehe in meinem Herzen so viel von mir selbst, so viel Angst, so viel Bitterkeit.
Also Jesus ist in eine Wohnung eingezogen, die ist zugemüllt. Ich habe vor einigen Wochen mal über die Idee eines Gedankenpalastes gesprochen, den wir haben. Unser Herz ist wie ein Riesenpalast mit sechzig Zimmern, Gängen, Etagen, Kellern. Und da ist nicht Jesus überall mit drin gewesen. Das sind die Orte, die uns Schmerzen machen und die Orte, die uns noch Angst machen. Und da braucht es Jesus in diese Lebensbereiche, in diese Herzensbereiche hinein.
Jesus macht uns nicht zu Robotern
Jesus macht uns nicht zu Robotern, dass wir einfach nur, seitdem Jesus bei uns wohnt, von ihm gesteuert werden wie so ein Männchen mit so einem Steuerding. Ich war letztens unterwegs und da haben wir gesehen, da gab es diese Autos, wo sich da ein kleines Kind reinsetzt und ein anderes Kind läuft mit Fernsteuerung und steuert dieses Auto. Das Kind tut so, als ob es fährt. Und in Wirklichkeit ist es sein großer Bruder, der ihn steuert, wohin er fährt. So ist Jesus nicht mit uns. Auch wenn wir es uns manchmal wünschen – das wäre manchmal besser für uns. Ich würde es mir wünschen, Jesus würde mich fernsteuern. Da würde ich nicht so viel Dummheiten machen. So funktioniert das nicht.
Das ist nicht so, dass die Tatsache, dass Jesus bei uns Wohnung genommen hat, bedeutet, ab jetzt sind wir quasi im Himmel in unserem Herzen. Sondern das, was Paulus macht, und das sehen wir: Dafür arbeitet er und ringt mit Kraft. Das heißt, seine ganze geistliche Anstrengung geht in welche Richtung? Sie geht dahin: Jesus kennenlernen. Es bleibt eine Beziehung, eine Beziehung zu Jesus, kein Schalter, den man an- oder ausmacht.
Mittel, um Jesus mehr darzustellen
Der Gottesdienst heute ist ein Mittel, das Gott gebraucht, um Christus in deinem Herzen etwas mehr darzustellen. Mit den Liedern, die wir gesungen haben und singen werden, mit den Gebeten, die wir gehört haben und beten werden – ein Mittel Gottes in meinem Herzen, um Jesus mehr darzustellen. Um mehr Jesus zu haben in meinem Herzen.
Die Zweierschaft, die du hast, wenn du mit jemandem die Bibel liest – das machst du hoffentlich immer wieder mal – oder dich geistlich austauschst und mit jemandem betest, das sind die Mittel, die Gott gebraucht, damit Jesus mehr dargestellt wird. Und die Lieder, die du hörst und die Gotteswirklichkeit in dein Herz hineintransportieren, sind die Mittel Gottes, um Jesus mehr Gestalt zu geben in deinem Herzen. Auch wenn du dich zurückziehst zum Beten – all diese Dinge tut Gott, damit Jesus deutlicher und sichtbarer wird in unserem Herzen. Und es geht Gott darum, dass wir ihn mehr und mehr kennenlernen. Mehr Jesus – das ist das, was Paulus hier sagen will. Das ist das, was er tut, woran er arbeitet. Bei Menschen, die Jesus schon im Herzen haben.
Größer als alles, was von außen kommt
Und es gibt Hoffnung für uns für alles, was von außerhalb auf uns einprallt. Johannes schreibt: „Kinder, ihr seid aus Gott und habt jene überwunden, weil der, welcher in euch ist, größer ist als der, welcher in der Welt ist.“
Dass Jesus in uns wohnt, arbeitet für meinen Alltag. Wenn ich morgens irgendwann mein Handy in die Hand nehme, habe ich mir zur Gewohnheit gemacht, das Erste nicht in eine WhatsApp oder Nachrichtengeschichte zu gehen, sondern zuerst einmal in eine Bibel-App zu gehen und den Vers des Tages zu lesen. Ich will nicht, dass meine ersten Gedanken mit irgendeiner Katastrophe, mit irgendeinem Raketenanschlag beginnen, sondern erst Gottes Wort. Und dann gucke ich irgendwann auch in die anderen Dinge hinein, weil ich lebe ja in dieser Welt.
Das machen wir alle, egal ob wir Handys nutzen oder nicht. Irgendwann kommen Nachrichten zu uns. Und egal ob das nun Menschen sind, die an uns herantreten, eigene Töne, Bilder, auch das, was bei uns Versuchungen auslösen kann – es ist nie größer als der, der in uns wohnt. Ob das die Dinge sind, die uns Angst machen in der digitalen Entwicklung, einige haben sehr Angst vor der KI und was jeweils kommen kann, oder Angst, wie sich die Gesellschaft entwickelt, ob sie jetzt von links nach rechts, nach unten, nach oben schwappt, oder das, was in der Politik passiert, die neuen Weltordnungsgeschichten, die wir nicht nachvollziehen können, oder das Soziale, wo wir uns verlieren in unseren Beziehungen – all diese Dinge, die von außen an uns herantreten, egal was es ist, es ist nie stärker als der, der in uns drin ist.
Das ist eine starke Nachricht für jemanden, der des Weges ist und versucht zu begreifen, dass das so ist. Kinder, ihr seid aus Gott, sagt Johannes zu den Gläubigen. Das will ich dir jetzt auch sagen: Wenn du an Jesus glaubst, ist das eine Wahrheit, die die Bibel dir sagt. Kinder, ihr seid aus Gott und habt jene überwunden – hier geht es um Menschen und um Kräfte, die eine Alternative zu Jesus sein wollen. Ihr habt jene überwunden, weil der, welcher in euch ist, größer ist als der, welcher in der Welt ist. Es gibt keinen Geist, keine Macht in der Welt, die größer ist als das, was in deinem Herzen ist, wenn du an Jesus glaubst.
Hoffnung für den inneren Kampf
Es ist auch Hoffnung für den Kampf mit den inneren Kräften, die wir haben, in unserem Herzen. „Wir erkennen daran, dass wir aus der Wahrheit sind, und damit werden wir unsere Herzen vor ihm stillen, dass wenn unser Herz uns verurteilt, Gott größer ist als unser Herz und alles weiß.“
Dass Gott alles weiß, ist, wenn er unser Feind ist, eine totale Bedrohung, weil er kann uns zermalmen. Information ist das Schlimmste, was wir unserem Feind in die Hände geben würden, weil damit hat er uns in der Hand. Ist es schlimm, dass Gott alles weiß über uns, wenn er in uns wohnt? Nicht mehr. Wenn Gott nicht mehr mein Feind ist, ist das überhaupt keine Bedrohung mehr, sondern es ist Heilung.
Und wenn unser Herz uns anklagt, dann wird auf einmal Gott zu jemandem, der zu unserem Herzen redet und das Herz beruhigt. Oft sagt man, wenn man Probleme hat mit irgendwelchen Dingen im Leben, dass man in sich selbst hineinschauen soll und die Kraft aus sich selbst herausnehmen soll. Und das gilt sogar für einen Christen auf eine gewisse Art und Weise, wenn sein Blick nach innen bedeutet, dass er nach innen auf Jesus schaut. Dann ist es jemand, der ihm Kraft geben wird für das, wofür er zu schwach ist in seinem eigenen Herzen, seinen eigenen Gedanken. Wir schauen in uns hinein und sehen Jesus. Unser Herz kommt zur Ruhe, weil Gott in unserem Herz größer ist als unser Herz selbst.
Christus in uns – die Hoffnung für den ganzen Weg
Deswegen ist Jesus in uns die Hoffnung. Nicht nur für die Herrlichkeit, die kommen wird – die auf jeden Fall auch. Irgendwann haben wir dieses Tal durchschritten, wir werden bei dem Herrn sein und werden die Herrlichkeit sehen. Und der Garant dafür, dass wir bei Gott ankommen, ist Christus in uns. Aber er ist auch die Hoffnung für unseren Weg bis dorthin. Für jede Kraft, die an uns herantritt, für jeden Gedanken, der sich in unserem Herzen regt, ist Christus in uns die Hoffnung.
Und ja, wenn unsere Augen sich schließen, wenn die Hände erschlaffen und unser Körper zusammensacken wird, dann wird Christus in uns die Auferweckung bewirken. Wir werden vor dem Angesicht unseres Vaters sein, der uns begegnen wird als unser Vater voller Liebe, als unser Freund. Die Feindschaft liegt hinter uns.

