Thema: Die selbstverschuldete Krise
Prediger: Alexander Dück
Datum: 2025-09-28
Einleitung: Vereint in Christus – und doch herausgefordert
In Jesus Christus gibt es weder Mann noch Frau, weder Kind noch Greis, weder Arbeitgeber noch Arbeitnehmer. Unabhängig von deiner Nationalität beschreibt Gottes Wort die Menschen, die sich Christen nennen, als eine Einheit, wo Gleichheit herrscht. Der einzige Unterschied liegt in dem sogenannten Haupt, in Christus selbst, der uns vorsteht. Von ihm wollen wir lernen, von ihm wollen wir verstehen, wie er sich das gedacht hat mit diesem Leben hier auf dieser Erde – denn er hat uns nicht nach der Taufe direkt entrückt.
Es gibt anscheinend hier noch etwas zu tun. Und für die Art des Lebens hier auf der Erde hat Gott tatsächlich eine Vorstellung. Er möchte nicht, dass du einfach nur nach deiner eigenen Idee, nach deinem eigenen Gutdünken lebst. Er sagt: Die Leute, die mir nachfolgen – wie das Wort schon sagt – die gehen mir hinterher, die sollen schauen, wie ich das mache.
Wir sind im Vergleich zu Gott ziemlich gehandicapte Menschen. Da straucheln wir schon mal und wissen nicht so recht, wie das eine oder andere läuft. Für diese Momente, die uns herausfordern, wo wir merken, dass unser Verhalten uns von Gott distanziert, gibt es Gedanken Gottes. An diesen können wir verstehen, was dann passieren soll, damit das Miteinander wieder gut funktioniert zwischen Gott und seinen Leuten.
Unser Herr Jesus hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass ihm nachzufolgen kein Selbstläufer ist. Das ist kein ruhiger Abendspaziergang, das ist kein Urlaub ohne Ende – und manchmal stehen wir uns auch noch selbst im Weg.
Alltägliche Beispiele selbstverschuldeter Krisen
Da sitzt der eine frustriert vor seinen Kontoauszügen, die Kreditkartenschulden wachsen ins Unermessliche, und er seufzt und fragt sich: Warum lässt du das zu? Warum hilfst du mir nicht aus dieser Krise? Wenn wir genauer hinschauen, entdecken wir: Jeden Tag kommt der Paketbote vorbei, man ist schon per Du. Das Hobby braucht immer neue Upgrades, und der nächste Urlaub – um sozial mitzuhalten – muss auch noch finanziert werden.
Oder der andere, der kommt nach dem Feierabend nach Hause, und der erste Griff geht in den Kühlschrank – nach dem dritten Bier schon. Er denkt sich: Eigentlich sollte ich weniger trinken. Aber morgen wird er wieder dazu greifen, um seinen Frust zu ertränken. Jemand anders scrollt durch Instagram und Facebook und schaut sich neidvoll das Leben der anderen an. Mit einem Seufzer wird weiter gescrollt, und gleichzeitig hadert man mit dem eigenen Leben, mit den Entscheidungen, die man selbst getroffen hat.
Auf der Suche nach der Fehlerquelle fragt der Chef eines Abends, wer gestern die Kasse gemacht hat – und die Versuchung zu Lüge und Täuschung ist da. Menschen fühlen sich verleitet, in kleinen und großen Dingen nicht ehrlich zu sein, um Vorteile zu erlangen oder einfach um Ärger zu vermeiden. Und mit deiner Partnerin läuft es vielleicht auch nicht so gut. Du schielst zu der Frau des Nächsten – die Krise ist da.
Du könntest, wenn du in dein Leben schaust, wahrscheinlich viele verschiedene Bilder beschreiben, wann du schon mal in deinem Leben eine Krise hattest, die dich herausgefordert hat. Ist sie von Gott gesandt?
In den letzten beiden Predigten zu diesem Thema habe ich über Krisen und Prüfungen gesprochen, die von außen auf uns zukamen. Es ging darum zu lernen, mit Gott durch die Krise zu gehen und zu verstehen, warum Prüfungen sogar ein Gewinn sind. Heute wenden wir uns dem unbequemeren Thema zu: den Krisen, die wir selbst verursachen.
Jakobus spricht in seinem Brief mit erschreckender Klarheit über dieses Thema. Mit der heutigen Predigt will ich dich auffordern, Verantwortung in deinem Leben zu übernehmen für dein Handeln. Ich will dich motivieren, Jesus Christus noch besser kennenzulernen. Wir haben hier so ein dickes Buch, da steht so viel über Gottes Gedanken drin, über sein Wesen, über seine Art, über uns zu denken – und auch seine Erwartung an seine Leute.
Ich will dich herausfordern, ihn besser kennenzulernen – und um das Bild zu benutzen, das wir in der Bibel öfter finden: Jesus Christus wie ein Kleidungsstück anzuziehen, dass du ganz von ihm umhüllt bist und aus seiner Kraft zusammen mit anderen Christen ihm nachfolgst.
Wir lesen aus Jakobus 1, die Verse 13, 14 und 15: „Niemand sage, wenn er versucht wird, ich werde von Gott versucht. Denn Gott kann nicht versucht werden vom Bösen, er selbst aber versucht auch niemanden zum Bösen. Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird. Danach, wenn die Begierde empfangen hat, bringt sie die Sünde hervor. Die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod.“
Punkt 1: Die Wurzel der selbstverschuldeten Krise liegt in deiner Begierde
Jakobus beginnt mit einer Warnung: Niemand sage, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Hier ließe sich vielleicht auch noch treffender sagen: Niemand rede sich ein, niemand bilde sich ein, wenn er versucht wird, dass er von Gott versucht werde. Damit sehen wir schon dieses Problem: die Selbsttäuschung.
Wenn im Leben etwas nicht klappt, dann haben wir eine große Herausforderung zu sagen: Das war ich. In der Herausforderung, Jesus nachzufolgen, wird uns das ständig passieren. Da wird es passieren, dass du dich entscheidest, auf eine Art und Weise zu leben, wo Gott sagt: Habe ich mir eigentlich anders vorgestellt. Und du sagst: Hey, das warst du selbst, hättest es ja verhindern können. Jakobus macht klar: Denk dran, wenn du zur Sünde verleitet wirst, kannst du die Schuld nicht bei Gott suchen.
Vers 13 wendet sich gegen Christen, die in der Gefahr stehen, die Versuchung zu leicht zu nehmen – ist nicht so schlimm. Wir sehen hier: Die Folge davon ist der Tod, also es scheint ziemlich schlimm zu sein. Hier geht es nicht um die Prüfung des Glaubens, sondern um die Herausforderung, die Versuchung zur Sünde. Eine Versuchung zu sündhaftem Handeln kommt niemals von Gott.
Dietrich Bonhoeffer schrieb 1938 in einer wunderbaren Bibelarbeit zum Thema Versuchung: „Wer die Schuld für die Versuchung einem anderen zuschreibt als sich selbst, der rechtfertigt damit schon seinen Fall.“
Vielleicht würdest du nicht sagen, dass es Gott ist. Vielleicht sagst du etwas Frömmeres: Der Teufel war es. Der hat mich versucht. Ihn trifft die Schuld. Wer auch immer – wichtig ist, dass ich nicht schuld bin. Womöglich haben wir in solchen Fällen ein Problem, Verantwortung zu übernehmen für diese Entscheidungen, die in eine Krise führen, weil das unser Selbstbild zerstört.
Woher kommt die Versuchung dann? Vers 14 sagt: Ein jeder aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Begierde fortgezogen und gelockt wird. Begierde beschreibt ein intensives Verlangen. Das ist nicht einfach nur „hätte ich auch gern“ oder „wäre doch mal schön“. Das ist schon die Stufe weiter, über das normale gesunde Bedürfnis hinaus.
Die Begierde selbst ist noch nicht das, was dich von Gott trennen wird. Da können wir noch siegen. Das Problem ist nicht die Existenz dieser Wünsche, sondern wenn diese Wünsche zu deinem Gott werden – wenn sie anfangen zu bestimmen, wie du handelst.
Alle Menschen sind selbstherrliche Wesen. Wie Karl Wien so schön sagte: Unser Herz ist eigentlich eine Götzenfabrik. Wenn in diesem Inneren die Erlaubnis gegeben wird zu handeln und zu entscheiden, so führt das dazu, dass du anfängst, nach dem zu streben, was deine Begierden befriedigt. Und wenn wir auf das hören, was uns von innen her treibt, führt das zu Egoismus, Streit und Eifersucht, unverantwortlichem Verhalten, sexuellen Ausschweifungen und Ähnlichem. Wer sich selbst verwirklichen will, wird letztendlich von seinen Begierden bestimmt.
Von Gott werden wir gelehrt, dass Eigenmächtigkeit uns nicht die Freiheit bringt, die wir uns wünschen, sondern uns in eine neue Knechtschaft führt. Von Jesus Christus bestimmt zu sein – das ist es, was gilt: nach seinen Maßstäben geleitet zu werden, von Gott in die Lage versetzt zu werden, seinem Willen zu folgen und nicht unserem. Das ist der neue Weg. Ich habe einen neuen Chef, und er bestimmt – das ist das Neue für Menschen, die Jesus nachfolgen wollen.
Jesus-Bekenner verwirklichen nicht sich selbst. Ihr Ziel ist es, nach den Maßstäben ihres Herrn zu leben. Aber das, was wir von Natur aus vererbt bekommen haben, das ist es, was uns herausfordert. Die Natur des Menschen ist vom Ursprung her voller böser Neigung, die sich in Lust, Ehrgeiz, Macht, Geldgier und so weiter äußert.
Punkt 2: Der Kreislauf von der Begierde zum Tod
Jakobus schreibt weiter: „Danach, wenn die Begierde empfangen hat, gebiert sie die Sünde.“ Jakobus verwendet hier ein erschreckend präzises Bild: Wenn ich dieser Gier, dieser Lust in mir Raum gebe, dann geschieht eine Befruchtung – das Bild einer Schwangerschaft. Ich werde eins mit dieser Begierde. Unsere Neigung zur Selbstbezogenheit, die wir von Natur aus haben, führt dazu, dass diese eigenen Wünsche über Gottes Willen gestellt werden. Das ist die Problematik dabei.
Dein Wille ist nicht das Problem – bringe ihn in Einklang mit Gottes Willen. Unser Herz ist eine Götzenfabrik, die ständig neue Objekte der Anbetung produziert. Wenn du dein eigenes Leben anschaust, wirst du diese Objekte der Anbetung feststellen. Das sind die Dinge, die du fabrizierst, die über dein Leben bestimmen. Schaue in dein Inneres, blättere in deiner Erinnerung: Wer oder was schreit in dir nach Zeit, nach Geld, nach Kraft? Wozu neigst du in Stresssituationen? Dort beginnt häufig der Kreislauf des Todes.
Viele Christen beten um Befreiung aus Umständen, die sie selbst geschaffen haben. Wir bitten Gott um ein Wunder, obwohl das Problem in unserem eigenen Verhalten liegt, das wir in der Hand haben und steuern können. Erst ist die Begierde da, dann schaffen Gelegenheiten die Versuchung. Erst hast du nur Lust, da passiert noch nichts. Dann gibt es eine Gelegenheit, diese Lust auszuleben. Ein deutsches Sprichwort beschreibt genau das: Gelegenheit macht Diebe. Erst war da nur die Lust nach mehr haben, und plötzlich liegt ein Portemonnaie da.
Der Feind Gottes geht umher wie ein hungriger Löwe und bietet uns Gelegenheiten, wo wir diese Begehrlichkeit umsetzen können. Und um beim Bild der Schwangerschaft zu bleiben: Dann wächst das Kind der Sünde, und die Entbindung ist der Tod – Gottesferne. Das ist der Moment, wo du feststellst: Irgendwie läuft es zwischen mir und Gott gar nicht mehr so gut. Irgendwie habe ich keinen Bock mehr auf das ganze christliche Zeug. Irgendwie will ich grad nicht zur Kirche. Schon wieder Hauskreis, schon wieder Bibel lesen. Das sind die Momente, wo du merkst: Aus all diesen Dingen kommt nicht Kraft, sondern du hast keine Lust darauf. Du lehnst es ab. Es ist eher eine Art Ritual, das dich ärgert oder nervt.
Begierde – Gelegenheit – Sünde – Tod. Das ist die Krise und die Gottesferne. Für Gott sind diese Krisen keine Überraschung, aber er möchte, dass wir in solchen Fällen Klarheit darüber haben, was dann zu tun ist, um da wieder rauszukommen. Es geht nicht um den drohenden Zeigefinger.
Punkt 3: Gottes Charakter – Gott versucht niemanden zum Bösen
Es heißt: Gott kann nicht versucht werden zum Bösen, und er selbst versucht auch niemanden dahin. Diese Aussage ist fundamental wichtig für dein Gottesverständnis. Gott ist Güte. Gott ist in seinem Wesen so vollkommen, dass das Böse gar keinen Zugang zu ihm hat. Als Christus auf dieser Erde war, hatte er die Versuchung, aber ohne Sünde, heißt es da. Weder als Versuchter noch als Quelle der Versuchung kann Gott hingestellt werden.
Gott ist nicht nur gut, er ist die Quelle aller Güte. Was für ein Gottesbild du auch immer hast – es muss übereinstimmen mit diesem Satz: Gott ist die Quelle aller Güte. Alles, was du dir Gutes vorstellen kannst, die Quelle davon ist Gott selbst.
Das bedeutet, dass wir in der selbstverschuldeten Krise Gott die Schuld nicht geben können. Martin Lloyd-Jones sagte dazu: „Gott liebt uns zu sehr, um uns in Versuchung zu führen, aber er respektiert unsere Wahlfreiheit zu sehr, um uns vor den Konsequenzen unserer Entscheidungen zu bewahren.“
Alle guten Gaben und alle vollkommene Gabe kommen von oben herab, vom Vater des Lichts – und hier liegt gleichzeitig die Hoffnung. Denn alle guten Gaben kommen von Gott, und er sieht und liebt und weiß, wie wir sind. Und wenn wir realisieren, dass er uns in Jesus Christus schon das Höchste und Wertvollste gegeben hat, was er je besessen hat, so wird er uns mit ihm auch alles weitere geben, was wir benötigen, um glücklich zu sein. In ihm, in Jesus, haben wir die Geburt aus Gott.
Punkt 4: Der Weg aus der selbstverschuldeten Krise
Wie so oft ist die richtige Antwort auf eine Frage: Jesus. Christus ist die Antwort auf die selbstverschuldete Krise. Ich möchte euch einen Ausschnitt aus einem ziemlich alten Brief vorlesen. Er wurde an Juden geschrieben, die sich nicht sicher waren, ob sie Jesus nachfolgen sollten oder ob sie weiterhin auf irgendeinen Messias warten sollten. Es wird das Bild eines Priesters gebraucht, welcher für das Volk eintritt und dafür sorgt, dass sie Gott gegenüber schuldenfrei sind. Und Jesus wird als der größte Priester bezeichnet.
Da heißt es über ihn: „Denn wir haben nicht einen hohen Priester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem in gleicher Weise versucht worden ist wie wir, doch ohne Sünde. Lasst uns nun mit Freimütigkeit hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden, wenn wir es nötig haben.“
Hier gibt es einen Lichtstrahl, einen Fokus auf diese Person Jesus Christus. Solange du ohne Jesus unterwegs bist, hast du diesen Fokus nicht. Aber Sünde überrascht diesen Jesus nicht. Sünde überrascht vielleicht dich und mich. Du wirst vielleicht mal schockiert sein zu sehen, zu welchen Taten du in der Lage bist. Aber unser Schöpfer ist niemals überrascht von deinem und meinem Stolpern. Das ist sehr befreiend.
Er schaut dich an, und als er seinen Sohn in den Tod schickte, tat er das, weil er schon wusste, dass du ihn später nochmal verraten wirst. Er ist nicht überrascht darüber – was nicht heißt, dass er das gut findet, aber überraschen tut es ihn nicht.
Wir alle verursachen Krisen durch unsere Sünde, aber Christus bietet eine Wiederherstellung an: Vergebung und Freiheit. Am Ende zählt nicht, wie tief wir gefallen sind oder wie oft, sondern am Ende zählt nur: Zu wem hast du dich hingewandt, nachdem du gefallen bist, nachdem dir ein Fehler passiert ist, nachdem du eine Krise produziert und provoziert hast?
Von Jesus Christus lesen wir, dass er gekommen ist, uns aus diesen selbstverschuldeten Krisen herauszuführen. Wenn du dich gegen Gott wendest, obwohl du dich entschieden hast, ihm nachzufolgen – wenn Dinge in deinem Leben passieren, die nicht im Einklang sind mit der Lehre oder mit dem, was du von Jesus kennengelernt hast – so ist es wichtig zu wissen: Diese Krisen sind nicht das Ende. Es muss nicht das Ende sein, es kann ein Neuanfang sein.
Das ist die gute Nachricht: „Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“
Der Ausweg: A-U-S
Anhand von drei Buchstaben will ich euch den Ausweg aufzeigen: A-U-S.
A – Anerkennung der Verantwortung: Der erste Schritt ist die ehrliche Anerkennung deiner Verantwortung. Keine Ausreden, keine Schuldzuweisung. Wie John Stott sagte: Buße beginnt mit dem Zugeben der Sünde als Sünde.
U – Umkehr zu Christus: In Römer 13 gibt es einen Schlüssel dazu: „Zieht vielmehr den Herrn Jesus Christus an und treibt nicht Vorsorge für das Fleisch zur Befriedigung eurer Begierden.“ Also anziehen, überziehen, überstülpen, ganz umhüllt sein. Wenn du Christus als Accessoire trägst – ein kleines Kreuzchen am Hals oder sonst ein Symbol – dann ist es zu wenig. Er will nicht ein Anhängsel in deinem Leben sein. Er möchte dich umhüllen, ganz um dich herum sein. Er will dich ganz. Was in deinem Leben hat den totalen Fokus von dir? Worauf richtet sich dein Lichtstrahl? Umkehr zu Christus bedeutet: Wenn du feststellst, dass dein Lichtstrahl verrutscht ist und du plötzlich nicht den Star anstrahlst, sondern irgendeinen gelangweilten Zuschauer – dann richte deinen Fokus neu aus.
S – Suche nach Hilfe: Und hier kommt eine starke Aussage an die Gemeinschaft. Paulus schreibt im Brief an die Galater, Kapitel 6, Verse 1 und 2: „Brüder, wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt wird, so bringt ihr, die geistlich seid, einen solchen im Geist der Sanftmut wieder zurecht. Und dabei gib auf dich selbst Acht, dass nicht auch du versucht wirst. Einer trage des anderen Lasten, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“
Hier können wir einander helfen. Deswegen ist ein Getaufter nicht allein in der Menschheitsgeschichte unterwegs, sondern Teil einer Gemeinschaft. Hier ist das Miteinander wichtig. Wir sind als Gemeinschaft nicht dazu berufen, Richter dieser Menschen zu sein. Unser Auftrag ist nicht Richter zu sein, sondern Rettungsmannschaft.
Die Wiederherstellung muss immer in einem Geist der Sanftmut erfolgen, mit vollem Verständnis, dass wir selber in unserer Schwäche herausgefordert sind. Wir sind in diesem Leben keinen Augenblick sicher, nicht auch selber zu straucheln und zu fallen. Darum überhebe dich nicht, wenn du andere straucheln und fallen siehst. Sei nicht stolz, sondern fürchte dich.
Wenn du siehst, dass jemand in Not ist, kannst du dich anbieten und einfach mal zuhören – ohne zu verurteilen. Oft braucht jemand in einer selbstverschuldeten Krise erst einmal jemanden, der zuhört. Dann bist du da zur praktischen Unterstützung. Was ist jetzt praktisch ganz klar dran? Was kann jetzt getan werden? Vielleicht muss ein Finanzplan aufgestellt werden. Vielleicht muss bei der Arbeitssuche unterstützt werden.
Aber auch eine gewisse Rechenschaft findet statt – in Liebe selbstverständlich. Echte Liebe konfrontiert mit der Wahrheit, aber immer mit dem Ziel der Wiederherstellung und nicht der Verurteilung. Schaut zusammen, ob Gott etwas zu diesem Thema sagt, worüber jemand gerade gestolpert ist. Und dann bittet um ein Wunder und schaut in Gottes Wort, um besser zu verstehen, wie Gott dazu denkt. Die Kraft der Veränderung kommt von Gott und nicht von unseren guten Ratschlägen.
Punkt 5: Vorbeugende Maßnahmen – Krisen vermeiden, bevor sie entstehen
Kultiviere in deinem Leben geistliche Disziplin. C.S. Lewis, der Autor von Narnia, schrieb: „Die beste Zeit, einem gierigen Gedanken zu widerstehen, ist eine Stunde bevor er aufkommt.“ Mittendrin wird es schon ganz schön schwierig. Und das Problem ist nicht nur, dass wir sündige Dinge begehren, sondern dass wir Gott zu wenig begehren. Konzentrier dich daher nicht auf dein Ego, sondern auf die Dinge, die Gott dir anbietet.
Vielleicht hast du geistliche Disziplinen – solche Dinge wie Beten, Bibellesen, zur Kirche gehen – schon mal als Bedrohung oder Belastung wahrgenommen. Als etwas, was dir deine Freizeit raubt, was deine Energie und deinen Geldbeutel schmälert. Sie werden aber auch als Gnadenmittel dargestellt. Das ist etwas, was dir dienen soll, damit du etwas davon hast. Das sind Wege, durch die Gott seine verändernde Kraft in dein Leben bringen möchte. Gebet, Bibelstudium, Gemeinschaft der Christen – sie schaffen einen Schutzwall um dein Herz.
Martin Luther erkannte schon ziemlich früh: Ein Christ gehört nicht sich selbst. Wir sind zu Gemeinschaft berufen, nicht zu Isolation. In einer gesunden christlichen Gemeinschaft können problematische Verhaltensmuster früh erkannt und korrigiert werden. Deswegen brauchen wir einander.
Es ist auch hilfreich, eine Versuchung als das zu beschreiben, was sie ist. Versuchungen können so normal erscheinen: Ich habe doch nur ein bisschen Lust gehabt. Ich wollte doch nur – ist es so falsch, das zu wollen? Ich finde, ich habe da jetzt mal ein Recht drauf. Lauter solche Gedanken. Wir müssen lernen, Versuchungen als das zu erkennen, was sie sind: Letztendlich sind sie eine Einladung zur Selbstzerstörung und eine Abwendung von dem, der dich geschaffen und gerettet hat.
Die Hoffnung in der Krise
Liebe Geschwister, ich möchte mit dieser ermutigenden Wahrheit abschließen: Selbst wenn du heute hier sitzt und erkennst, dass du in einer selbstverschuldeten Krise steckst, wenn Sünde dich gepackt hat – Gott hat dich nicht aufgegeben. Vielleicht hast du erlebt, dass Menschen sich von dir abgewandt haben. Vielleicht hast du dich in einen Ruin gestürzt. Aber registriere erst einmal, dass der, der dich geschaffen hat, so dasteht und dich erwartet.
Gottes Gnade lässt sich nicht durch dein Versagen entmutigen. Deine Identität und dein Wert hängen nicht davon ab, wie gut du eine Krise meisterst, sondern davon, was Christus für dich getan hat. Der Weg aus der selbstverschuldeten Krise führt daher immer über das Kreuz. Dort finden wir nicht nur Vergebung unserer Fehler, sondern auch Kraft für den Neuanfang.
Du und ich brauchen Ehrlichkeit, unsere Fehler zu sehen, die Demut, sie zu bekennen, und die Kraft, sie zu überwinden – nicht primär durch Willensanstrengung, sondern durch die verwandelnde Gnade Jesu Christi. Deswegen besingen wir ihn so sehr, weil wir realisiert haben: Meine Power reicht immer nur für eine ganz kurze Zeit. Dafür kannst du dich entscheiden – und dagegen kannst du dich auch entscheiden.
Drei Buchstaben zum Mitnehmen: A-U-S – Ausweg. Anerkennen: Übernimm Verantwortung für deine Entscheidung. Umkehr: Zieh Christus neu an, statt deine Begierden zu nähren. Suche Hilfe: Nutze die Gemeinschaft der Gläubigen. Denn alle guten Gaben und alle vollkommene Gabe kommen von oben herab – auch die Gabe, aus der selbstverschuldeten Krise herauszufinden und ein Leben zu führen, das Gott ehrt.
Amen.

