Thema: Eltern und ihre erwachsenen Kinder
Prediger: Declan McMahon
Datum: 21.12.2025
Weihnachten und die Komplexität der Familie
Bald ist Weihnachten und ich sehe schon die ersten erwachsenen Kinder, die wieder zurück sind von ihrem FSJ oder vom Studium oder vom neuen Zuhause mit eigenen Kindern. Weihnachten ist Familienzeit und deswegen ist Weihnachten auch ein bisschen kompliziert. Familie ist nämlich kompliziert.
Besonders wenn Kinder schon erwachsen sind, ist es kompliziert. Mit erwachsen meine ich jetzt Leute, die zum Beispiel eine Ausbildung angefangen haben oder in der Oberstufe unterwegs sind oder studieren oder arbeiten und noch zu Hause wohnen. Manche sind aber auch verheiratet und wohnen nicht mehr zu Hause, haben vielleicht auch eigene Kinder und stellen sich jetzt zum Beispiel an Weihnachten Fragen wie: Wo verbringen wir Weihnachten? Wem machen wir das recht? Wie kriegen wir das alles unter einem Dach?
In meiner Familie war das so – das war ein längerer schmerzhafter Prozess, wo jeder in seinem eigenen Tempo akzeptieren musste: Das wird nichts mehr. Es wird nicht mehr wie früher, wo wir alle an einem Tisch saßen und unser Weihnachtshühnchen gegessen haben. Ich bin Pastor, mein Bruder ist Pastor, wir sind nicht da an Weihnachten. Meine Schwester wohnt weiter weg, mein Vater ist ausgezogen, als ich ungefähr am Ende der Schulzeit war. Es hat sich verändert und das ist bei jedem so. Wenn Kinder erwachsen werden, dann ändern sich Dinge, dann ändert sich die Beziehung. Aber diese Beziehung ist trotzdem extrem wichtig – die Beziehung zwischen Eltern und ihren jungen Erwachsenen.
Jeder hier ist ja entweder ein Kind oder ein Elternteil oder beides gleichzeitig oder sogar zusätzlich noch Opa und Oma. Da haben wir viele Beziehungen und Überschneidungen.
Die Schöpfungsordnung und unsere Beziehungen
Es geht bei diesem Thema eigentlich um die Schöpfung und die Schöpfungsordnung. Gott ordnet seine Schöpfung durch seinen Heiligen Geist. Das wäre sonst chaotisch und er fügt die Dinge ein. In der Schöpfungsgeschichte heißt es: „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Die Erde aber war wüst und leer und es lag Finsternis auf der Tiefe und der Geist Gottes schwebte über dem Wasser.“
Am Anfang ist alles chaotisch. Das ist ein Urmeer, ein Urozean, ein Chaosmeer. Gott ordnet das durch seinen Heiligen Geist und durch sein Wort. Der Schöpfungsbericht ist quasi die Herstellung von Ordnung aus Chaos. Vorher heißt es „wüst und leer“, nachher heißt es „sehr gut“. So macht Gott das, dass er die Welt geordnet hat. Ich rede deshalb darüber, weil unsere Beziehungen Teil dieser Schöpfung sind und Teil dieser Schöpfungsordnung.
Sünde als Bruch der Beziehung
Die Sünde in 1. Mose 3 ist ein Aufbegehren gegen diese Schöpfung, gegen die Schöpfungsordnung und auch gegen den Schöpfer. Gott hatte den Menschen ein Gebot gegeben. Sie haben es ignoriert. Dadurch haben sie ihn ignoriert. Sie haben die Beziehung zu Gott gebrochen. Sünde ist nicht: Ich breche ein Gebot. Sondern: Ich breche eine Beziehung. Ich breche ein Herz, nämlich Gottes Herz. Wenn wir sündigen, sagen wir zum Schöpfer: Du hast mir nichts zu sagen. Ich brauche dich nicht. Ich will dich nicht.
Der Sündenfall bedeutet auch einen Schaden für die Schöpfung selbst und für die Schöpfungsordnung. Sie bleibt bestehen – zum Beispiel ist ein Grundpfeiler in der Schöpfung und in der Schöpfungsordnung: Die Erde bringt gute Dinge hervor. Nach wie vor tut sie das. Sie bringt Pflanzen hervor. Das ist weiterhin lecker. Es ist weiterhin erfüllend, sie zu essen oder zu Essen zu verarbeiten. Gemeinsames Essen ist weiterhin toll für unsere Beziehungen untereinander und auch für unsere Beziehung zu Gott, weil man Gott dann dankt für das, was man zu essen hat.
Und trotzdem: Die Erde ist jetzt verflucht und bringt auch Dornen und Disteln hervor – sogar vorwiegend, hauptsächlich, wenn wir nicht dagegen ganz hart anarbeiten. So ist Gottes gute Schöpfung auch immer eine gefallene Schöpfung, so wie wir sie erleben. Und die Krone der Schöpfung, der Mensch, ist ein gefallenes Wesen.
Erlösung als neue Schöpfung
Aber Gott ist reich an Barmherzigkeit und Mitgefühl für seine Schöpfung und voll von großer Liebe. Mit dieser Liebe liebt er uns auch jetzt noch mit seiner Gnade. Aus diesem Reichtum, aus seinen Schätzen von Gnade und Güte, rettet er uns durch den Glauben an seinen Sohn, Jesus Christus, den Erlöser.
Er erlöst das, was gefallen ist. Er erlöst die gefallene Schöpfung, den gefallenen Menschen vom Fluch der Sünde, indem er am Kreuz für jeden stirbt, der an ihn glaubt und ihm vertraut. Dann ist er am dritten Tag auferstanden von den Toten und jetzt sitzt er zur Rechten Gottes und regiert über seine Schöpfung, die er im Begriff ist zu erlösen.
Wenn du ein erlöster Mensch bist, dann bist du ein lebendiger Beweis dafür, dass die Schöpfung nicht verloren ist, sondern wiederhergestellt wird. Wenn er wiederkommt, wird er die Erlösung seiner Schöpfung komplett abschließen, indem er sie bis in die kleinsten Teile wieder neu macht, erneuert und verschönert in der neuen Schöpfung.
Unsere Erlösung ist also auch eine Neuschöpfung, eine Wiederherstellung der Schöpfung in dir und der Schöpfungsordnung, in der wir leben. Paulus nennt das Erlöstsein so: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen. Siehe, Neues ist geworden.“ (2. Korinther 5,17)
Genauso wie bei der ersten Schöpfung ist diese neue Schöpfung ein Werk des Heiligen Geistes. In Epheser 5 beschreibt Paulus das Erlöstsein als Vollsein vom Heiligen Geist. In Epheser 5, Vers 18 heißt es: „Werdet voll des Geistes.“ Bei der ersten Schöpfung macht der Heilige Geist aus dem Chaosmeer eine geordnete Schöpfung. Bei der neuen Schöpfung, bei der Erlösung, macht der Heilige Geist aus dem Chaos deines alten Lebens ein neues geordnetes Leben – eine geordnete Liebe, wie Augustinus sagen würde.
Der geisterfüllte Mensch in seinen Beziehungen
Im Epheserbrief ist die Frage: Wie sieht ein geisterfüllter Mensch aus? Ein erlöster, neu geschaffener Mensch? Paulus beschreibt erst die geisterfüllte Ehefrau (Epheser 5,22), dann den geisterfüllten Ehemann (Vers 25). In Kapitel 6, Vers 1-3 beschreibt er sogar geisterfüllte Kinder, die gedeihen in der Schöpfungsordnung, indem sie ihren Eltern gehorsam sind. So leben sie ihr schöpfungsmäßiges Dasein aus und erleben Segen. Und er beschreibt geisterfüllte Eltern – genau genommen geisterfüllte Väter, die stellvertretend für beide Eltern stehen, in Kapitel 6, Vers 4. Sie erziehen ihre Kinder so, dass glückliche Menschen entstehen, nicht zornige Erwachsene.
Diesen Block will ich heute ergänzen. Unser Thema ist geisterfüllte Eltern von erwachsenen Kindern. Das ist die Leitfrage heute: Wie sehen geisterfüllte, erlöste Eltern von Erwachsenen aus? Wie zeigt sich das in ihrem Leben?
Verlassen von Vater und Mutter
Was sagt die Schöpfungsgeschichte dazu? Sie sagt in 1. Mose 2, Vers 24: „Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhängen. Und sie werden ein Fleisch sein.“
Natürlich verlässt auch die Frau Vater und Mutter. Aber der Punkt ist die Selbstständigkeit. Ein Mann verlässt Vater und Mutter und übernimmt Verantwortung für etwas Neues. Eine Frau damals verlässt Vater und Mutter und ordnet sich einem Mann unter – das war damals die Regel. Ein Mann gründet einen neuen Haushalt, selbst wenn er auf dem gleichen Hof lebt wie sein Vater. Es ist ein eigener, neuer Haushalt. Eine Frau damals wechselt den Haushalt vom Vaterhaus ins Haus des Ehemanns – nicht ins Haus des Schwiegervaters, sondern ins Haus des Ehemanns. Es kann sogar das gleiche Gebäude sein, aber es ist nicht das Haus des Schwiegervaters, in das sie dann kommt, sondern das Haus ihres Mannes.
Der Punkt ist: Etwas Neues entsteht. Die Ehe ist wichtiger als die Herkunftsfamilie. Das ist das biblische Prinzip hier. Wenn es da irgendwie Treuekonflikte gibt oder Schwierigkeiten, wie soll sich das einrenken – die Ehe hat Vorfahrt, diese neue Ehe. Kinder werden erwachsen und verlassen Vater und Mutter. Das ist in der Schöpfung verankert. Und das ist nicht nur räumlich gemeint, sondern hier passiert eine Ablösung von dem, wo man herkommt.
Das gilt nicht nur in der ersten Schöpfung, sondern eben auch in der neuen Schöpfung, in der Erlösung. Jesus selbst bestätigt diesen Satz. Er sagt ihn selbst in Matthäus 19,5 oder Markus 10,7. Paulus hat ihn in Epheser 5,31. Jesus macht aus diesem Mosezitat ein Herrenwort für die neue Schöpfung, die er in uns bewirkt.
Die Rolle der Eltern muss sich ändern
Das erste Prinzip für Eltern, die erwachsene Kinder haben: Eure Rolle muss sich ändern. Das Blöde ist ja, die ganze Kindheit lang bist du der Versorger und der Boss. Du hast Kontrolle, es gibt täglichen Input von dir zum Kind: Tu das, lass das, mach es so, nicht anders. Das ist auch richtig so, so soll es sein.
Und jetzt von einem Tag auf den anderen nichts mehr. Jetzt ist auf einmal alles vorbei. Jetzt ist der Mensch erwachsen und du musst sie lieb genug haben, um sie loszulassen. Und das ist schwer. Ja, das ist wirklich, wirklich schwer. Das ist so schwer wie alles andere, was mit Erlösung zu tun hat.
Die unerlöste Version sagt und denkt: Wenn ich mein Kind loslasse, dann verliere ich es. Und das ist auch ein Stück weit so, dass etwas zu Ende geht. Aber erlöste, neu geschaffene, geisterfüllte Menschen dürfen wissen: Loslassen gehört zu Gottes Plan. Das ist eine Sache, die Gott in uns bewirken will. Ihr könnt loslassen, weil Gott festhält. Das hat ganz tief mit der eigenen Beziehung zu Gott zu tun.
Vom Chef zum Cheerleader
Die Rolle muss sich ändern, und zwar wohin? Zum Cheerleader. Vom Chef zum Cheerleader. Loben zieht nach oben. Wenn euer erwachsenes Kind gefragt wird: Wer ist eigentlich, wer steht immer zu dir? Wer deckt dir immer den Rücken? – dann lass es sagen: Meine Eltern.
Leider ist es ganz oft so, dass „meine Eltern“ die Antwort auf eine ganz andere Frage ist: Wer ist dein größter Kritiker? Die Rolle muss sich ändern. Das ist eine schöne Rolle. Das, was du gemacht hast, was ihr zusammen großgezogen habt, das darf jetzt loslegen. Und ihr dürft auf der Seitenlinie stehen bleiben und feiern, was gelingt. Und loben – wenn du was sehen willst, nochmal, was gut war, lobe es, dann wächst es, dann wird es nochmal gemacht. Wir sind alle so plump. Wenn ich für etwas gelobt werde, mache ich es auch nochmal. Und das ist auch schön so.
Mund zu und Arme auf
Das zweite Prinzip ist: Mund zu und Arme auf. Ungefragter Rat wird meist als Kritik wahrgenommen. Ungefragter Rat ist gleich gefühlte Kritik. Es ist egal, wie lieb du es meinst, wie schön du es verpackst, wie viel du gebetet hast, dass sie es nicht in den falschen Hals kriegt. Es ist einfach nicht mehr dein Job, Ratschläge zu erteilen. Das ist jetzt die Aufgabe von anderen. Und es ist schwer.
Die unerlöste Version von Helfen ist eigentlich ein Trick. Es ist Helfen, um Nähe zu sichern für sich selbst: Wenn ich ihm zeige, wie es geht, dann bin ich ja nochmal eine Stunde bei ihm, habe Zeit mit ihm. Aber das Ziel ist, Selbstständigkeit zu fördern. Beim Rat – das ist ja auch eine Hilfe, die wir geben wollen – da ist der Wechsel von ungefragtem Rat zu: Schweigen, bis man gefragt wird.
Die unerlöste Version von Kritik ist Kritik, die so tut, als wäre sie fürsorglich. Aber echte Fürsorge ist dann einfach Ermutigung – es sei denn, sie fragen dich um Rat. Und dann würde ich sagen: Abends später, wenn du mit deinem Kumpel euer Bier trinkt, sagst du: „Heute hat mein erwachsenes Kind mich zum ersten Mal um Rat gefragt.“ Und dann stoßt ihr an. Aber das muss man sich auch verdienen, indem man nichts sagt, bis man gebeten wird. Und selbst dann ist es wahrscheinlich besser, trotzdem behutsam zu sein – sonst fragen sie nie wieder.
Zeig Respekt. Kein anderer Erwachsener möchte gesagt bekommen, was er zu tun hat. Warum soll es bei deinem erwachsenen Kind auf einmal anders sein? Die neue Rolle ist mehr so etwas wie ein Mentor oder ein Coach. Da muss ein echter Wechsel passieren von Kontrolle zur Begleitung. Kinder brauchen Kontrolle. Erwachsene brauchen Mentoren. Und Mentoren drängen sich nicht auf. Die bieten sich nicht einmal an. Sie werden aufgesucht. Wenn der Schüler bereit ist, dann wird der Mentor erscheinen.
Wenn junge Erwachsene zu Hause wohnen
Wenn junge Erwachsene zu Hause wohnen – das ist nicht schlimm. Es geht hier nicht darum, dass wir jetzt reihenweise Leute rausschmeißen. Ich habe auch lange zu Hause gelebt, das war gut. Es ist erst mal okay. Ich verstehe auch die wirtschaftliche Lage und die Kompliziertheit des Ganzen. Es ist auch gut, dass man ein gutes Zuhause hat, in dem man noch ein bisschen bleiben kann.
Aber: Fördert ihr als Eltern bei eurem erwachsenen Kind Unabhängigkeit oder Abhängigkeit? Das ist die Frage, um die es geht. Wer für andere tut, was sie selber tun könnten oder sollten, der ist keine Hilfe, der ist eine Unhilfe. Der macht abhängig, das fördert Schwäche, Abhängigkeit, Unmündigkeit und Bequemlichkeit. Aber wir wollen doch starke, mutige und selbstständige junge Männer und Frauen haben. Warum soll er selber aktiv werden, wenn du alles für ihn machst?
Der Wunsch ist ja: Ich will ihn bewahren oder sie. Wer versucht, seine Kinder immer vor Schmerz oder Mühe zu bewahren, der macht sie von sich selbst abhängig.
Grenzen, Erwartungen und Konsequenzen
Was ist der Weg, wie wird ein junger Erwachsener selbstständig? Es sind drei Dinge: Grenzen, Erwartungen und Konsequenzen. Das ist der Weg zu mehr Selbstständigkeit. Klare Grenzen führen dazu, dass die Verantwortung von den Eltern zu ihrem erwachsenen Kind herüberwächst.
Die unerlöste Version ist, dass man Regeln vermeidet in der Hoffnung, dass das die Beziehung beschützen wird. Aber der geisterfüllte weise Mensch weiß: Regeln schützen Beziehungen, wenn sie nicht total überzogen sind. Jede Beziehung hat Regeln und braucht sie auch.
Ein paar Erwartungen, die man als Eltern von Erwachsenen haben könnte: Zum Beispiel produktiv sein – dass jemand arbeiten geht. Oder wenn er irgendwie lernt, studiert und Schule macht, dass er das auch ordentlich macht. Das darf man erwarten. Habt ihr das jemals gesagt? Wenn es nicht gesagt wird, zählt es nicht. Die Standards und Regeln des Hauses einzuhalten. Der Umgang mit eurer finanziellen Unterstützung: Wir erwarten, dass du das Geld nicht für Fast-Food verschwendest. Das ist völlig fair. Oder dass jemand im Haushalt mit anpackt. Je klarer die Erwartungen, desto besser die Beziehung.
Konsequenzen könnte man so formulieren: Wenn du die finanzielle Unterstützung verschwendest, wird sie eingestellt – oder ratenweise eingestellt, immer kleiner, bis du es checkst. Wenn du dich nicht an die Regeln unseres Hauses hältst, ziehst du aus. Das fühlt sich schon fast gruselig an zu sagen. Wir haben dann Todesangst, dass unser Kind auf der Straße landet. Das passiert in den allermeisten Fällen aber nicht.
Denk an den Unterschied zwischen Strafe und Konsequenz. Strafen wollen verletzen und demütigen und sind schlecht. Konsequenzen helfen Menschen zu lernen und zu wachsen. Konsequenzen sind die natürlichen Folgen meiner eigenen Entscheidungen und Handlungen. Wer Konsequenzen durchzieht, der straft sein Kind nicht. Der fördert Selbstständigkeit und eigenes Denken.
Macht solche Konsequenzen aber zusammen aus. Als Erwachsene mit Erwachsenen. Setzt euch hin, redet über eure Erwartungen. Auch gegenseitige Erwartungen und Konsequenzen. Einigt euch auf etwas. Vielleicht wird das ein emotionales Gespräch. Aber es geht im Leben ja nicht darum, Emotionen zu vermeiden. Ein emotionales Gespräch ist vielleicht alles, was ihr braucht, um ganz viel Frieden zu bekommen.
Ein gemeinsamer Plan Richtung Selbstständigkeit
Macht gemeinsam etwas draus. Macht einen gemeinsamen Plan am besten Richtung Selbstständigkeit. Wie wollen wir als Eltern helfen und wie will ich als junger Erwachsener selber selbstständiger werden? Ein Zeitplan. Wann ziehe ich aus? Was ist sozusagen nötig dafür? Und wie erreiche ich dieses Ziel?
Der Ausstiegsplan sollte zum Beispiel nicht sein: Es fällt einfach auf magische Weise ein Partner vom Himmel und dann heiraten die und dann sind die weg. Weil wir ja gar nicht wissen, was die Zukunft bringt oder wann sie es bringt. Das Ziel ist nicht die Heirat. Das Ziel ist Selbstständigkeit. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge, die oft zusammengehen, müssen sie aber nicht.
Wenn einer sagt: „Mein Plan ist ein Vollzeitjob zu haben, der alle meine Ausgaben deckt, inklusive meine Miete. Und ich will bis zum 1. August 2027 ausgezogen sein“ – das ist ein guter Plan. Das kann man zusammen ausmachen. Der Unterschied in der Beziehung ist dann: Fokussiert eure Eltern-erwachsenes-Kind-Beziehung auf diese Ziele. Das ist, was ein Mentor macht. Er führt Menschen an ihr Ziel und unterstützt sie dabei. Das geht auch sozusagen nur so lange, wie da ein Ziel ist. Wenn es erreicht ist, ist das vorbei. Dann braucht man den Mentor nicht mehr.
Die Aufgabe ist, von Abhängigkeit zu Unabhängigkeit zu kommen. Das macht man vor allen Dingen, indem man Dinge nicht macht. Ich vermute, dass ein Mensch eher selbstständig wird, wenn du nicht für ihn kochst und putzt und wäscht. Oder Pausenbrote schmierst oder Rechnungen übernimmst oder Fahrdienste. Oder wenn jemand versucht, ein Problem zu lösen – ich glaube, es wäre viel besser, du guckst einfach zu, wie er scheitert. Und aus diesem Scheitern dann ein zweiter Anlauf wird.
Bezahlt nicht vorschnell den Sprit und das Essengehen und das Gym und die Kleidung. Normalerweise verdient man sich Dinge. Und wer das zu Hause nicht lernt, der wird es nie lernen. Es geht nicht darum, einen unglücklichen jungen Erwachsenen zu haben. Es geht darum, ihnen zu helfen in Richtung Selbstständigkeit. Ein Prinzip: Mach nicht Sachen für sie, die sie selber machen können – auch wenn du es selber viel besser machen kannst. Natürlich kannst du es viel besser. Du hast ja jahrzehntelange Erfahrung. Aber junge Leute brauchen Erfahrung. Beim ersten Mal klappt’s halt nicht so gut. Und beim zehnten Mal auch nicht. Ist doch okay.
Freiheit von Menschenfurcht
Was ich in unserem Kontext manchmal beobachte, ist auch dieses Phänomen: Was werden die anderen sagen? Wenn die das mitbekommen, wie mein erwachsener Sohn oder meine erwachsene Tochter das falsch macht. Das ist ein ganz gruseliges Gefühl. Aber es ist ein unerlöstes Gefühl. Das ist Scham vor den Menschen. Aber der Heilige Geist bietet dir, indem er dich zu einem neuen Geschöpf macht, Freiheit von solcher Menschenfurcht. Das ist Angst vor dem Urteil anderer über dein Kind, was auf dich ja zurückfällt.
Aber unsere neue Schöpfung prägt uns in die Richtung, dass unser Fokus nicht auf dem Verlust unseres Standes liegt, sondern auf dem Wohl dieses Kindes. Und das echte Wohl eines erwachsenen Kindes liegt darin, dass es Fehler macht und aus ihnen lernt. Nicht, dass man um jeden Preis einen Gesichtsverlust vermeidet. Der hat nichts davon. Du vielleicht, aber er ja nicht.
Ja, unsere erwachsenen Kinder werden manchmal zum Fremdschämen sein. Ist doch so. Sind wir ja auch – du als erwachsener Vater oder Mutter, die dürfen sich ja auch die ganze Zeit für euch schämen. Ist doch okay. Es ist fair. Aber es ist nicht fair, wenn deine Scham und deine Menschenfurcht dein erwachsenes Kind in seiner Entwicklung behindern. Es ist egal, was die anderen sagen oder denken. Wichtig ist, dass euer Kind selbstständig wird.
Seid gütig, seid lieber. Für die meisten ist es total gruselig, erwachsen zu werden. Man hat keine Ahnung, was auf einen zukommt oder wie es geht. Sagt ihnen, sie werden es schaffen, genau wie alle anderen vor ihnen.
Wenn der Weg schmerzhaft wird
C. S. Lewis hat etwas gesagt, das hier auch gilt, sowohl für die Eltern als auch für die Kinder in solchen Situationen: Veränderung geht immer mit einem Gefühl von Verlust einher. Und wir wollen immer Schmerz vermeiden. Aber das kostet immer etwas, wenn ich das vermeiden will.
Es ist eine schmerzhafte, verwirrende Erfahrung für Eltern, wenn ihre Kinder groß werden. Zum Beispiel diese reduzierte Kommunikation. Jahrzehntelang alles mitbekommen, jetzt nichts mehr. Auf einmal sind Dinge privat oder geheimnisvoll. Aber das bedeutet: Euer Kind ist auf dem richtigen Weg. Es ist komisch, wenn du für einen 20-Jährigen immer noch Ansprechperson Nummer eins bist.
Nicht jedes Kind ist aber auf dem richtigen Weg. Und das ist auch sehr, sehr schwierig. Das ist eine Veränderung, die mit einem Gefühl von Verlust einhergeht. Wenn erwachsene Kinder unsere Werte verletzen bei der Partnerwahl. Oder wie sie ihre Beziehungen leben. Oder mit Alkohol und Drogen. Oder sich nicht taufen lassen, sich nicht Gott anhängen, sondern ihn verleugnen und ohne ihn leben. Das fühlt sich an wie der Tod. Wie der Tod eines Traums, den man für diesen Menschen geträumt hat. Jeder hatte sich etwas Besseres vorgestellt als das, was dann kommt.
Die Wahrheit ist: Auch gute Eltern haben manchmal Kinder, die sehr schlechte Entscheidungen treffen. Das sagt nichts über dich aus. Der innere Kritiker kommt dann: Was haben wir falsch gemacht? Wäre das so gekommen, wenn wir mehr gebetet hätten? Oder wenn wir bessere Eltern gewesen wären? Wenn wir uns als Eltern weniger gestritten hätten? Oder ist meine Ehepartnerin vielleicht schuld? Oder mein Ehemann? Solche Gedanken sind einfach nur furchtbar. Und euer erwachsenes Kind hat nichts davon, wenn ihr euch selbst oder euch gegenseitig Vorwürfe macht.
Hoffnung durch Gebet und Gottes Erlösung
Da hilft nur noch Beten. Und Beten hilft immer. Denkt an den verlorenen Sohn. Gott hat ihn gefunden. Gott kann finden, was verloren ist. Was man als Eltern nicht verhindern konnte – das kann Gott dennoch erlösen zu seiner Zeit. Und die Entscheidungen deines Kindes müssen dich nicht brechen. Es ist zu spät für Prävention. Aber es ist nie zu spät für Erlösung.
Heute sind im Jugendkreis Leute, wo ich in der gleichen Zeit im Teenkreis war wie die. Da war ich noch Teenkreismitarbeiter mit einigen anderen zusammen. Da habe ich gebetet. Und die Eltern erst – wie die gelitten haben über die Irrwege und Abwege dieser jungen Leute. Die sitzen heute als getaufte, besonnene, fleißige Mitarbeiter im Jugendkreis. Gott hat es gemacht. Er erhört solche Gebete. Wir wissen halt nicht wann. Aber ich denke mir dann in dem Fall: Ich wünschte, ich hätte noch viel mehr gebetet. Und auch für viel mehr Leute. Wenn ich das gewusst hätte, wie unsere Gebete erhört werden.
Wenn Kinder gegen eure Werte leben
Hier ist, was ihr sagen müsst, wenn eure jungen Erwachsenen gegen eure Werte leben: „Ich glaube, du triffst eine schlechte Entscheidung, die ganz schlimme Folgen haben wird. Aber ich bin dein Vater. Und ich bin immer da für dich.“ Es reicht, wenn du das einmal sagst, klar und deutlich. Und dann redet über etwas anderes. Seid keine Ein-Thema-Eltern, wo es immer um die gleiche Leier gehen muss. Redet nicht darüber. Ihr habt es einmal klar gesagt, jetzt versucht normal zu sein. Und normal Zeit miteinander zu verbringen.
Er weiß, wie du darüber denkst. Sie will aber einfach trotzdem mit dir Zeit verbringen. Eine Entscheidung gegen deine Werte ist nicht automatisch eine Entscheidung gegen dich. Dein Kind ist mehr als sein Problem. Geh einfach mit ihm Fußball gucken oder Tischtennis spielen. Oder was auch immer es ist, was ihr macht.
In unserer Erlösung entsteht etwas, wo anstatt dass es immer um das gleiche Thema gehen muss, die Beziehung Vorfahrt bekommt vor dem Thema. Bring deinen Zorn und deinen Schmerz woanders hin. Dein Kind ist nie die richtige Person dafür, zu hören, wie schlimm du unter deinem Kind leidest. Das muss aber jemand anders hören. Der alte Mensch lebt so, dass sein Zorn beim Kind abgeladen wird. Der neue Mensch lebt so, dass sein Schmerz woanders verarbeitet wird. Das sind zwei völlig verschiedene Wege, die zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen führen in der Beziehung.
Unterstützung suchen und im Gebet übergeben
Findet Unterstützung für euch selbst. Ich staune manchmal darüber, dass Leute denken, sie könnten einfach alleine zusehen, wie ihr Kind das eigene Leben zerstört. Niemand kann das alleine. Sucht euch Hilfe. Geht zu den Freunden, die Gott euch gegeben hat. Ihr habt welche. Selbst wenn du sagst: Ich kenne hier noch keinen. Hier sind Leute, die stehen Schlange, um freiwillig dein Freund zu werden. Stoß einfach jemanden an. Unterschätze nicht, wie viel es bringt, sich Hilfe zu holen.
Und dann gebt auch eure Erwachsenen täglich ab an Gott im Gebet. Täglich zu Gott sagen: Ich gebe dir zurück, was du mir damals gegeben hast. Und dann lebt euren Glauben treu vor den Augen dieses Menschen. Das ist immer noch mega anziehend, auch wenn es sich nie so anfühlt. Es gibt nichts Anziehenderes als ein geisterfülltes neues Leben. Auch wenn Leute sagen: Nee, das sieht langweilig aus. Es ist anziehend, es ist die große Waffe Gottes in unseren Familien. Lasst euch nicht die Freude nehmen und die Hoffnung und die Kraft, die wir in Christus haben. Dein Kind hat sich abgewandt, dein Gott aber nicht. Er bleibt bei dir auch in dieser Zeit.
Schwiegereltern sein
Es ist auch nicht leicht, Schwiegereltern zu sein. Wie geht das eigentlich? Wie macht man das? Vielleicht wäre es vorneweg gut zu sagen: Du musst sie nicht mögen. Du musst nicht den Partner deines Kindes mögen. Du hast ihn ja auch nicht ausgesucht. Aber du musst dein erwachsenes Kind ehren und respektieren, indem du seinen Partner ehrst und respektierst.
Wenn deine Schwiegertochter oder dein Schwiegersohn nicht die Art von Person ist, die du dir gewünscht hast: Lass dir nichts anmerken. Lass dir einfach nichts anmerken. Selbst wenn euer Kind sich bei euch beschwert über den eigenen Ehepartner: zuhören, nichts sagen. Seid die zwei Personen in ihrem Leben, die sie unterstützen. Jede Ehe hat genug Feinde. Ihr könnt als Eltern einfach dafür sein. Ihr habt ja vielleicht ganz viel dagegen, aber das wissen die ja nicht. Das sagt man jemand anderem.
Zwingt euer Kind nicht, sich zwischen euch und seinem Ehepartner zu entscheiden. Die werden dann entweder euer Kind verlieren, oder euer Kind wird seine Ehe verlieren. Im unerlösten Zustand, da wo unser altes Leben hinterherhängt, da entsteht dann Druck auf diese neue Ehe. Aber was der Heilige Geist bewirken möchte, ist Schutz von dir für diese Ehe.
Allein die Tatsache müsste einem zu denken geben: Euer Zugang zu euren Enkelkindern hängt von eurer Beziehung zu euren Schwiegerkindern ab. Das allein müsste zeigen, wie wichtig es ist, sie lieben zu lernen. Und nicht zu meckern, besonders nicht über Kleinigkeiten. Das ist viel schlimmer als über große Dinge zu meckern. Lasst die Vergangenheit in der Vergangenheit. Der erste Eindruck war doof und der ist fünf Jahre her – ist doch egal jetzt.
Zeit mit erwachsenen Kindern
Bei der Zeit – wie macht man das? Man hat so viel Zeit verbracht mit seinen Kindern und das hat man auch ein Stück weit selbst bestimmt. Als erwachsene Kinder sollten die bestimmen. Wenn eure erwachsenen Kinder selber bestimmen, wie viel Zeit sie mit euch verbringen, statt ständig zu schreiben „wann kommt ihr endlich wieder?“ – lasst sie die Initiative ergreifen.
Die unerlöste Version davon ist eine Erwartung auf Seiten von Eltern und Schwiegereltern, eine Erwartung von Verfügbarkeit. Aber was zum neuen Leben dazugehört, ist Respekt vor der neuen Eigenständigkeit, vor der Ehe, die Vorfahrt hat, vor der neuen Familie, die wichtig ist. In unseren unerlöstesten Momenten machen wir emotionalen Druck, wenn wir uns was wünschen. Aber ein erlöster, befreiter Mensch kann einladen, ohne dass ein Druck mit rüberwächst. Nicht die Eltern sollten hier die Nähe bestimmen, sondern das Kind.
Das ist kompliziert, das ist herausfordernd, da muss man miteinander reden. Das ist nicht einfach. Es geht ja dann um Familienfeiern, Weihnachten, Geburtstage. Aber mit erwachsenen Kindern: Verhandlungssache, genau wie mit jedem anderen Erwachsenen auch – besonders wenn die verheiratet sind oder weiter weg wohnen.
Würdest du mir emotionalen Druck machen, wenn ich zu deinem Geburtstag nicht komme? Würdest du mir Vorwürfe machen, wenn ich absage? Warum nicht? Weil es respektlos wäre, einem anderen Erwachsenen zu sagen, was er zu tun hat. Und euer Kind ist jetzt erwachsen.
Die alte Version, der alte Adam, die alte Eva, die will Nähe durch Kontrolle. Aber der neue Mensch lässt los und erlebt dann im Loslassen, dass er wieder beschenkt wird – mit Vertrauen. Vertrauen ist eine viel bessere Grundlage für eine Beziehung als Kontrolle oder Hierarchie. Wenn du echte Nähe zu Erwachsenen haben willst, dann muss dieser Erwachsene dir vertrauen. Sonst ist das kalt und vorsichtig.
Eine neue Augenhöhe
Es geht ja um eine neue Augenhöhe eigentlich, wo der große Wechsel stattfindet zwischen Eltern zu Kind und Erwachsener zu Erwachsener. Das ist der Start eigentlich einer neuen besonderen Beziehung, einer neuen Freundschaft. Wo du etwas verlierst, wenn du loslässt, aber dann sind deine Hände offen für das Nächste, was dir geschenkt werden kann.
Vielleicht könnt ihr ja über Weihnachten mal behutsam darüber reden. An Weihnachten feiern wir ja den, der wurde, was wir sind, damit wir werden können, was er ist. Das heißt, es gibt Hoffnung für jeden, der bei diesem Thema sich verändern lassen möchte. Ob ihr jetzt die erwachsenen Kinder seid oder die Eltern. Wer sagt: Ich will, dass Gott an mir arbeitet – der hat begründete Hoffnung, weil Gott Mensch wurde wie wir, damit wir so werden können wie er. Neue Wesen, erfüllt von seinem Geist, von seinen Werten und mit einem Herzen, das für ihn schlägt.
Es gibt echte Erlösung von unseren eigenen alten Mustern, die ja tief drin sitzen, durch die Erneuerung unseres Denkens. Das ist, was an Weihnachten sozusagen verkündet wird: Hier ist eine Lösung. So klein, in den Armen von seinen Eltern noch. Aber dieses Baby wird zum König des Universums heranwachsen. Er sitzt zur Rechten Gottes und gießt dort seinen Heiligen Geist aus über jeden, der glaubt, um jeden, der glaubt, auch zu verwandeln und zu verändern und Jesus ähnlicher zu machen.
Es gibt keinen Grund, entmutigt zu sein. Es gibt echte Hoffnung.

