Thema: Gemeinde entdecken – Sünde in der Gemeinde
Prediger: Declan McMahon
Datum: 13.07.2025
Vom Konflikt zur stärksten Partnerschaft
Ich war mal in einem Konflikt verwickelt mit einem Mann, der heißt Simon. Er war neu in der Gemeinde, wo ich damals war. Und er ist relativ schnell Jugendleiter geworden. Das war für mich schlimm, weil ich stolz war. Ich war der oberwichtige Jugendmitarbeiter in diesem Team. Und ich bin instinktiv nicht mit ihm klargekommen. Ich habe ihm nicht vertraut. Ich dachte auch, es geht um das Thema: Er ist theologisch liberal und ich bin bibeltreu.
Aber wie auch immer kam es dazu, dass dieser Konflikt immer schlimmer wurde. Er war sozusagen zur schwächsten Stelle dieser Jugendarbeit geworden. Aber dann hat er sich gelöst. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher, wie – aber wir haben uns zusammengesetzt. Wir haben sehr offen geredet. Einfach gesagt, wie wir denken, und gemerkt: Wir sind einfach nur ganz unterschiedlich. Wir haben dasselbe Anliegen. Wir sind einfach total verschiedene Typen.
Und durch diese Aussprachen wurde das, was am schwächsten war in unserer Jugendmitarbeit, zur stärksten Sache. Dieser gelöste Konflikt wurde zu unserer stärksten Stelle. Das war für mich bis heute eine der stärksten Dienstpartnerschaften, die ich je erlebt habe. Wir konnten uns blind vertrauen und auch die Fähigkeiten des anderen. Er konnte alles, was ich nicht konnte. Ich konnte alles, was ihm nicht lag. Und das wurde besser als vor dem Konflikt. Es gibt Dinge, die schiefgehen können, die aber wieder besser werden können als vorher.
Gemeinde entdecken: Eine Reihe über das Gemeindeleben
Wir sind ja in einer Reihe als Gemeinde: „Gemeinde entdecken“. Wir hatten durch die Taufe den Einstieg in die Gemeinde. Dann ging es hauptsächlich darum, dass wir in der Gemeinde durch das Wort und durch Beziehungen wachsen – in der Beziehung zu Gott und in der Beziehung zueinander. Heute geht es ein bisschen mehr um Realismus. Es geht um Sünde, um Probleme, um Streit in unseren Beziehungen in der Gemeinde. Nächsten Sonntag ist dann der Abschluss der Reihe, da geht es um Liebe in der Gemeinde.
Jesus lehrt über Gemeinschaft in Matthäus 18
In Matthäus 18 hält Jesus eine Rede. Diese Rede handelt vom Thema Gemeinschaft, über das gemeinsame Leben der Kirche, die Jesus gründen wird. Er versammelt dazu seine Jünger um sich, die zwölf Männer, die ihm nachgefolgt sind und von ihm gelernt haben. Und er sagt ihnen: Ihr werdet eine Gemeinde sein, und in dieser Gemeinde wird es Konflikte geben und Sünde. Und so sollt ihr dann damit umgehen.
Wie leben Menschen zusammen, die Jesus gemeinsam nachfolgen und ihm gehören? Da wird es auch Probleme geben, natürlich. Per Definition besteht eine Kirche aus Menschen – und Menschen machen Fehler, und zwar ganz schön viele, ganz schön oft.
Unbibilisches Konfliktverhalten und seine Folgen
Wir brauchen als Gemeinde dieses Kapitel besonders. Das liegt daran, dass viele von uns aus einer Prägung kommen bei Konflikten, bei Konfliktverhalten, die unbibilische Züge hat. Da geht es oft darum, den Konflikt überhaupt vermeiden zu wollen, weil Konflikte schlecht sind – also Harmoniesucht. Das heißt, man ignoriert einen Konflikt so lange, wie es irgendwie geht.
Deshalb sagt man nicht, was einen stört, direkt in einer Aussprache, sondern indirekt. Durch Schweigen oder durch Andeutungen. Manchmal gibt es auch so eine passive Art, aggressiv zu sein. Ein Angriff ist nicht so von vorne und mit Gewalt, sondern irgendwie indirekt oder unausgesprochen.
Viele, die so mit Konflikten umgehen, leiden auch besonders an Konflikten. Für die ist das sehr persönlich. Wenn einer sagt: „Ich will Versöhnung jetzt. Ich habe einen Konflikt oder ein Problem, ich möchte das angehen“ – dann steht er da ganz schön alleine da oft. Weil es keine jahrelange Tradition von Versöhnung gibt oder Vorbilder oder Erfahrungen.
Wenn über diese Dinge geredet wird, dann geht es selten um die Sache, um das Herz, um Motive – sondern es bleibt oft an der Oberfläche. Das führt stattdessen zum Bruch und zum Rückzug, zur Spaltung, zum Schmerz. Die Konsequenz von so einer Konfliktkultur ist: Es gibt trotzdem Konflikte. Das ist ja das Ironische und Bittere. Es muss sie geben, das heißt, es gibt sie trotzdem.
Und dann gibt es manchmal eine plötzliche Entladung, weil man versucht, sich zusammenzureißen – aber niemand kann sich für immer zusammenreißen, sondern immer nur für eine Zeit. Wozu das führt, ist auch eine Angst. Also immer, wenn es eskaliert, führt es dazu, dass die nächsten Angst haben, dass es nochmal eskaliert. Was ich selber am schmerzhaftesten finde, ist für die junge Generation: Das führt zu einem Glaubwürdigkeitsverlust in ihren Augen.
Der evangeliumszentrierte Weg: Demut, Sünde ernst nehmen, Liebe
Aber Jesus gibt uns in Matthäus 18 einen besseren Weg. Es gibt eine evangeliumszentrierte Art, mit Konflikten umzugehen. Gott sei Dank. Es gibt ein biblisches Konfliktverhalten, und da geht es im Wesentlichen um drei Dinge: Demut, Sünde ernst nehmen und Liebe. Da beginnt Jesus mit dem Thema Demut.
Er sagt: „Zu jener Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist wohl der Größte im Reich der Himmel?“ Also von uns, von uns zwölf – wer ist jetzt der Größte? Und Jesus rief ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sprach: „Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel kommen. Wer nun sich selbst erniedrigt wie dieses Kind, der ist der Größte im Reich der Himmel. Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf.“
Kindliche Demut: Heilsentscheidend und wahre Größe
Es geht hier in den ersten fünf Versen um Stolz und Demut. Immer, wenn es einen Konflikt gibt, ist Stolz da. Immer, wenn es Versöhnung geben soll, ist Demut nötig. Hier beschreibt Jesus das als kindliche Demut. Das Erste, was Menschen brauchen für das Leben als Menschen mit Konflikt, ist Demut. Er nennt sie kindlich. Sie hat drei Eigenschaften.
Das Erste, was kindliche Demut ausmacht, ist: Sie ist heilsentscheidend. „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel kommen.“ Da könnt ihr euch abschminken, der Größte in diesem Reich zu sein. Ihr seid gar nicht dabei, wenn ihr nicht seid wie diese Kinder.
Demut ist nämlich die Grundvoraussetzung für den Glauben. Ohne Demut gibt es keinen Glauben, und ohne Glauben gibt es keine Rettung. Um glauben zu können, also um gerettet zu werden, musst du glauben können. Das heißt, du musst irgendwo auch glauben, dass du gerettet werden musst.
Was wir glauben als Christentum ist, dass wir ein Nichts sind. Dass du Rettung brauchst. Dass Gott alles für dich gemacht hat und du nichts dazu beigetragen hast. Dass er dich auch nicht mal gefragt hat, ob du dich beteiligen willst am Buffet deiner eigenen Erlösung. Er hat dich nicht gefragt, ob du die Dornenkrone zum Beispiel übernehmen möchtest. Oder ob du vielleicht das Kreuz ein paar Meter den Berg hochschleppst. So ein bisschen, vielleicht symbolisch, als Zeichen, dass du auch willst. Sondern das hat er alles seinem Sohn aufgetragen. Der hat das alles ganz ohne uns gemacht. Bevor einer von uns überhaupt existiert hat, hat er das für uns gemacht. Ohne uns und über uns hinweg und als Geschenk an uns.
Wer zu stolz ist, an so eine Gnade zu glauben, der versucht noch, sich selber zu retten. Sein Gesicht zu wahren. Also Demut macht gläubig und Glaube macht demütig.
Zweitens ist Demut wahre Größe. Er sagt: „Wer sich nun selbst erniedrigt wie dieses Kind, der ist der Größte im Reich der Himmel.“ Und das liegt am König. Der König des Himmelreiches hat sich erniedrigt in Demut bis zum Sklaventod. Das heißt, das ist ein Königreich der Demut. In seinem Reich ist kein Platz für meinen Stolz und meine Arroganz und meine Selbstwichtigkeit.
Demut nimmt die Niedrigen ernst
Drittens: Diese kindliche Demut nimmt die Niedrigen ernst. In der Antike war der Gradmesser für Demut der Umgang mit Kindern. Weil Kinder in der Antike ganz unten waren in der Rangliste. Das hast du vielleicht auch selber noch ähnlich erlebt. Bei mir in der Kindheit war das so, dass du als Kind gespürt hast: Du bist ein Nichts. Und die großen Jungs, die im zweistelligen Alter, die sind was. Und so ist es in der Antike auch gewesen.
Heute wären das bei uns nicht Kinder, sondern eher Leute wie Flüchtlinge. Oder Menschen, die aus Schichten kommen, die unter dir sind. Das ist auch relativ gesehen. Das sind auch je nach Kontext verschiedene Leute. Es gibt in jedem Kontext eine Hackordnung. Der Praktikant, der Schülerpraktikant auf der Arbeit, ist ganz unten in der Rangliste. Oder der Azubi vielleicht. Der Neue im Gottesdienst oder im Jugendkreis kann zu einem Fallstrick werden für unseren Stolz. Außenseiter in deiner Klasse, psychisch Kranke, überhaupt Kranke. Alte Menschen, Obdachlose, Kellner, Paketboten. Das sind die Gradmesser: Siehst du die überhaupt? Und wenn ja, begrüßt du sie? Sind das für dich Menschen auf Augenhöhe?
„Umkehren und werden wie die Kinder“, sagt Jesus. Das heißt, er rückt Demut in die Nähe von Buße, von Umkehren. Also, wir simulieren mal kurz: Ein Konflikt beginnt. Wie schnell bist du da dabei, demütig zu werden und umzukehren? Erkennst du, dass der Konflikt der Moment ist, in dem sich zeigen wird, was wirklich in deinem Herzen drin ist? Ob da rettender, kindlicher Glaube an Jesus ist und Glaube an das, was er für den anderen getan hat. Egal ob der Christ ist oder nicht – Jesus war bereit, für ihn ans Kreuz zu gehen. Glaubst du das über jeden Menschen? Denkst du, wenn ein Konflikt beginnt: So, jetzt ist die Zeit, besonders auf der Hut zu sein vor meinem Stolz?
Die Warnung vor Verführung zur Sünde
Dann geht es weiter mit dem Thema Verführung zur Sünde. Er sagt: „Wer aber einem dieser Kleinen, die an mich glauben, Anstoß zur Sünde gibt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein um seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde. Wehe der Welt wegen der Anstöße zur Sünde! Denn es ist zwar notwendig, dass Anstöße zur Sünde kommen; doch wehe dem Menschen, durch den der Anstoß zur Sünde kommt!“
Die Kleinen, die an ihn glauben, das sind nicht nur Kinder, sondern alle Christen. Vor allem aber auch die, die du als klein empfindest. Die du instinktiv als nicht auf derselben Stufe siehst wie dich. Es geht hier um Verführung eines Mitchristen zur Sünde. Es ist Sünde, seinen Mitchristen zur Sünde zu verführen. Ob es guter Rat ist oder ob es ein Beispiel ist oder direkter, das ist alles Sünde. Es ist besser, mit dem Mühlstein am Hals in ein Meer geworfen zu werden, als seinen Bruder zur Sünde zu verführen.
„Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dich zur Sünde verführt, so haue sie ab und wirf sie von dir! Es ist besser für dich, dass du lahm oder verstümmelt in das Leben eingehst, als dass du beide Hände oder beide Füße hast und in das ewige Feuer geworfen wirst. Und wenn dein Auge dich zur Sünde verführt, so reiß es aus und wirf es von dir! Es ist besser für dich, dass du einäugig in das Leben eingehst, als dass du beide Augen hast und in das höllische Feuer geworfen wirst.“
Das ist natürlich metaphorisch. Die Hand und der Fuß sind nicht das eigentliche Problem, auch bei Pornografie nicht. Das Problem ist das Herz. Aber ein Mühlstein ist doch sehr, sehr schwer, und die Tiefe des Meeres ist sehr, sehr tief. Und in eine Hölle wirst du ewig lang gequält werden. Das heißt, es geht hier um sehr extreme Bilder, Warnbilder. Die Botschaft ist: Das hat krasse Konsequenzen.
Das Gleichnis vom verlorenen Schaf
Dann sagt er: „Seht zu, dass ihr keinen dieser Kleinen verachtet! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel schauen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe hat, und es verirrt sich eines von ihnen, lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen und geht hin und sucht das verirrte? Und wenn es geschieht, dass er es findet, wahrlich, ich sage euch: Er freut sich mehr über dieses als über die neunundneunzig, die sich nicht verirrt haben. So ist es auch nicht der Wille eures Vaters im Himmel, dass eines dieser Kleinen verloren geht.“
Wenn ich sündige und Gott nicht höre, aber gläubig bin, dann kann ich vom Weg abkommen. Doch ich gehe nicht verloren für immer, weil der Hirte nicht aufhört, mich zu suchen. Er sucht so lange, bis er das Schaf gefunden hat. Verirrte Schafe wiederzufinden ist so wichtig, dass er die 99 stehen lässt und sich auf die Suche macht. Weil er mehr Freude hat, wenn das eine Schaf zurückkommt.
Drei Schritte bei Sünde: Der Weg zur Wiederherstellung
Und jetzt kommt der Text, der sehr oft zitiert wird: „Wenn aber dein Bruder gegen dich sündigt, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. Hört er aber nicht, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruht. Hört er aber auf die nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und ein Zöllner.“
Es gibt verschiedene Versionen von diesem Text in verschiedenen Handschriften. In manchen steht: „Wenn dein Bruder gegen dich sündigt“, also gegen dich. In anderen steht nur: „Wenn dein Bruder sündigt“, das heißt im Allgemeinen. Beide Bedeutungen sind möglich. Es gibt kein Unterschied in meinen Augen, und Sünde ist generell schlimm. Es ist der Gemeinde ihr Anliegen, wie wir in diesem Kapitel sehen.
Sündigt – das bezieht sich auf Vers 7. „Wehe der Welt wegen der Anstöße zur Sünde.“ Wörtlich: Wegen der Stolpersteine, die andere zur Sünde führen. Sünde verbreitet sich wie ein Virus. Es ist ansteckend. Deshalb schadet einem sündigenden Christen nicht nur sich selbst, sondern auch den anderen. Deshalb ist es wichtig, ihn aufzusuchen und zu ermahnen. Schritt eins: Weise ihn zurecht unter vier Augen. Nur du und er. Das funktioniert meistens.
Schritt zwei: Hört er aber nicht, so nimm noch einen oder zwei mit dir. Vielleicht jemand, den die Person respektiert. Vielleicht jemand, der klüger ist als du oder als er und euch helfen kann. In jedem Fall jemand, der bezeugen kann, dass das schon versucht wurde.
Schritt drei: Hört er aber auf die auch nicht, so sage es der Gemeinde. Die Gemeinde ist im Neuen Testament nicht die Leitungskreisrunde, sondern die Leitungskreisrunde kann hier helfen. Aber die Gemeinde sind die Mitglieder. Die, die sich verbindlich zu den verbindlichen Christen zählen. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und ein Zöllner. Das ist Ausschluss aus der Gemeinde.
Was Gemeindedisziplin bedeutet
Das ist, was man Gemeindedisziplin nennt. Viele finden das schwer vorstellbar. Es klingt so hart. Es widerspricht so einem Freiheitsgedanken und jedem sein Ding. Aber diese Passage will uns daran erinnern: Man schließt niemanden deswegen aus, weil man nicht verzeihen kann. Weil man beleidigt ist, weil man gekränkt ist oder so was. Das wäre falsch. Der eigentliche Grund für Gemeindeausschluss ist Sünde, die ein Bruder nicht bekennen will. Sünde, die man nicht lassen will. Keine Umkehr, kein Hören auf Gottes Wort.
Im Neuen Testament sehen wir die Gemeinde, die so was tut. In 1. Korinther 5 und in 2. Korinther 2 haben wir genau diese Geschichte aus Sicht einer Gemeinde, die genau das macht. Sie schließen einen Mann aus. Er kehrt um. Sie nehmen ihn wieder auf. So funktioniert das. Das Ziel ist Umkehr und Hören. Und das hat mehr mit Seelsorge zu tun als mit Mitgliederversammlungen oder so was.
Wer einen anderen Christen zur Sünde verführt, hatte Jesus ja gesagt, der tut sich selber keinen Gefallen. Der fordert Gott zum Gericht heraus. Warum ist das so wichtig? Warum kann eine Gemeinde nicht einfach sagen: Wir wesen halt die Leute, die das nicht machen. Wir lassen einfach jeden so leben, wie er will. Wir hoffen aufs Beste. Das wird schon irgendwie.
Also ich nehme mal ein Beispiel: Wenn ein Christ in einer Gemeinde eine Affäre mit seiner Sekretärin hat. Und das kommt raus. Und er nicht sofort sagt: „Okay, ich höre sofort damit auf. Ich habe keine Ausreden, ich habe kein Selbstmitleid. Ich höre jetzt direkt damit auf.“ Dann wird er ausgeschlossen werden. Weil unter anderem sonst der Nächste denken wird oder vom Teufel ins Ohr geflüstert bekommt: „Weißt du, deine Kollegin ist ja eigentlich auch ganz nett. Schreib doch mal ein bisschen mit ihr. Schreiben ist ja keine Sünde.“
Weil das Dulden von Sünde dasselbe ist wie Verführen zu Sünde. Das, was geduldet wird, findet immer Nachahmer. Deshalb geht es bei Gemeindedisziplin darum, ob wir die Sünde hassen. Und es geht bei Gemeindedisziplin darum, ob wir den Sünder lieben. Weil es hauptsächlich um ihn geht, ihn zu retten.
Diese drei Schritte sind das, was Jesus bildlich gesprochen davor als Suchen eines verlorenen Schafes beschreibt. Also wer dabei ist, von Freunden oder von der Gemeinde ermahnt zu werden, ist ein Schaf, dessen Hirte ihn liebt und der gesucht wird. Das gesucht wird und hoffentlich gefunden wird. Gemeindedisziplin ist dazu da, verlorene Schafe zu finden.
Jesus ist in der Mitte: Eine Verheißung und eine Warnung
Wir spüren alle, wie schwer dieses Thema ist. Und Jesus weiß das auch. Deshalb sagt er in diesem Zusammenhang: „Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, das wird im Himmel gebunden sein. Und was ihr auf Erden lösen werdet, das wird im Himmel gelöst sein.“ Er sagt nicht „wen ihr bindet“, sondern „was ihr bindet“. Nicht wer ausgeschlossen ist, kommt in die Hölle. Sondern was als Sünde benannt wird, gilt für Gott als Sünde.
Also wo er sagt „was immer“, dann heißt das: Die Gemeinde entscheidet anhand von Gottes Wort, dass etwas eine Sünde ist, die zum Ausschluss führen muss. Etwas, das so nicht mehr geht. Aber Gott richtet den Menschen. Nur er und nur er allein. Eine Gemeinde kann sich auch irren. Und Gott wird dann nicht sagen: „Ob, sie wurde ausgeschlossen, dann kann ich ihn auch nicht retten.“ Sondern der rettet jeden, den er rettet, jeden, der auf ihn vertraut. Und eine Gemeinde kann sich hier auch irren. Aber Jesus steht dazu. Er sagt, dass was ihr auf Erden macht, da bin ich im Himmel dabei.
Und er sagt sogar: „Ich bin noch mehr als im Himmel nur dabei. Weiter sage ich euch: Wenn zwei von euch auf Erden übereinkommen über irgendeine Sache, für die sie bitten wollen, so soll sie ihnen zuteil werden von meinem Vater im Himmel. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.“
Diese Dinge sind schwer. Die sind so schwer, dass Jesus nicht sagt: „Das wird schon alles wieder gut.“ Weil vielleicht kennst du das auch aus deinem Leben, wenn Menschen versuchen, dich zu trösten oder zu ermutigen, wenn sie auf einmal aufhören zu sagen: „Das wird schon alles wieder gut.“ Da gibt es manchmal so einen Moment. Aber was hörst du stattdessen? „Ich bin da.“ Mehr nicht. Und das ist, was er hier macht. Er sagt nicht: „Das wird easy und das wird schön.“ Er sagt: „Ich bin aber da, wenn ihr das macht. Ihr werdet mich erleben, während ihr das macht.“
Die zwei oder drei – das soll uns an die zwei oder drei bei Schritt zwei erinnern. Wenn du mit Herzrasen dieses Gespräch machst, um deinen Bruder zu finden, der verloren ist, wird Jesus dabei sein. Deshalb ist das eine Verheißung. Wenn eine Gemeinde dafür betet, wird Gott helfen. Wenn eine Gemeinde jemanden ausschließt, ist Jesus in ihrer Mitte und hilft. Und es ist auch eine Warnung vor Missbrauch. Wenn eine Gemeinde sich hier irrt, dann ist Jesus auch da und kriegt das mit und steht für den Menschen ein, dem Unrecht getan wird.
Der Fokus: Den Sünder gewinnen
Also, um das abzurunden: Worauf ist der Fokus in diesem Kapitel, Matthäus 18, beim Thema Sünde in der Gemeinde und Konflikte? Der Fokus ist nicht auf das Unrecht, das der mir angetan hat. Oder auf meine emotionale Reaktion darauf. Und wie es mir sozusagen geht. Der Fokus ist auch nicht auf die verletzten Gefühle oder auf den Ärger oder auf den Skandal für alle anderen, sondern auf den Sünder, dass man ihn gewinnt. Dass man das Schaf findet und vom Irrweg rettet, während der Hirte sein Schaf sucht.
Jesus sagt: „Dann sei er für dich ein Zöllner und ein Heide“, also ein Nichtmitglied. Aber zum Schluss ist vielleicht das Wichtigste hier, was Jesus hier damit eigentlich sagt. Weißt du, was sein Spitzname war? Freund der Sünder und Zöllner. Er wurde dafür verlästert von den Pharisäern, dass er mit den Zöllnern und Sündern gegessen hat.
Darf ich jemanden einladen auf meinen Geburtstag, der ausgeschlossen ist? Ja. Gibt es da Essen? Ich denke mal schon. Freund der Sünder und Zöllner. Das heißt, selbst ein Ausschluss ist keine harte absolute Grenze zum Menschen. Zu Sünde ja, aber nicht zum Menschen.
Es ist ein wichtiges Thema, und es gehört zum Thema Gemeinde dazu. Und nächste Woche geht es darum, wie wir einander lieben. Wie wir dann auch sehen werden: Liebe trotz Sünde ist noch schöner, als wenn wir so tun, als gäbe es keine Sünde oder als dürfte es sie nicht geben.

