Thema: Gott bewahrt
Prediger: Simon Weitekämper
Datum: 26.10.2025
Einleitung: Eine Geschichte über Bewahrung
Der junge Shasta wächst bei einem Fischer in einem fremden Land auf und hält diesen Fischer für seinen Vater. Aber irgendwie fühlt er sich nie so wirklich zu Hause. Eines Tages erfährt er tatsächlich, dass dieser Fischer gar nicht sein leiblicher Vater ist, sondern dass er aus einem Land weit entfernt im Norden stammt. Als Shasta ein Baby war, wurde er in einem Boot an Land gespült, und dieser Fischer nahm ihn bei sich auf. Shasta weiß nicht, wie er in dieses Boot gekommen ist oder was seine eigentliche Herkunft ist. Und eines Tages macht er sich auf den Weg Richtung Narnia.
Das ist der Anfang des zweiten Buches von C.S. Lewis aus der Narnia-Reihe, und das ist eines von vielen Beispielen in Filmen oder Büchern über Kinder, die nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen. Auch in der Bibel finden wir sehr viele Geschichten über Pflegekinder sozusagen. Wenn ihr die Bibel mit diesem Aspekt lest, dann wird euch da einiges auffallen. Natürlich hat sich C.S. Lewis in dieser Geschichte auch von einer biblischen Geschichte inspirieren lassen. Und das Original wollen wir uns jetzt einmal anschauen.
Die Geschichte von Mose: 2. Mose 2,1-10
Wir finden diese Geschichte in 2. Mose 2,1-10: „Und ein Mann aus dem Haus Levi ging hin und nahm eine Tochter Levis zur Frau. Und die Frau wurde schwanger und gebar einen Sohn. Und als sie sah, dass er schön war, verbarg sie ihn drei Monate lang. Als sie ihn aber nicht länger verbergen konnte, nahm sie ein Kästchen aus Schilfrohr und bestrich es mit Asphalt und Pech und legte das Kind hinein, und sie legte es an das Schilf am Ufer des Nils. Aber seine Schwester stellte sich in einiger Entfernung auf, um zu erfahren, wie es ihm ergehen würde. Da kam die Tochter des Pharao herab, um im Nil zu baden. Und ihre Jungfrauen gingen an das Ufer des Nils. Und als sie das Kästchen mitten im Schilf sah, sandte sie ihre Magd hin und ließ es holen. Und als sie es öffnete, sah sie das Kind, und siehe, es war ein weinendes Knäblein. Da erbarmte sie sich über es und sprach: Es ist eines der hebräischen Kinder. Da sprach seine Schwester zu der Tochter des Pharao: Soll ich hingehen und eine hebräische Amme rufen, damit sie dir das Kindlein stillt? Und die Tochter des Pharao sprach zu ihr: Geh hin. Da ging die Jungfrau hin und rief die Mutter des Kindes. Da sprach die Tochter des Pharao zu ihr: Nimm das Kindlein mit und stille es mir, ich will dir deinen Lohn geben. Da nahm die Frau das Kind zu sich und stillte es. Und als das Kind groß geworden war, da brachte sie es der Tochter des Pharao, und es wurde ihr Sohn. Und sie gab ihm den Namen Mose, denn sie sprach: Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen.“
Ich möchte in den nächsten Minuten über drei Punkte sprechen. Wir schauen uns zuerst an, wie Gott Mose bewahrt. Dann werden wir in ähnlicher Weise sehen, wie Gott auch Jesus bewahrt. Und zum Schluss schauen wir uns an, wie Gott uns bewahrt.
Wie Gott Mose bewahrt
Moses Mutter und seine Schwester beweisen hier sehr großen Mut, indem sie den kleinen Jungen auf dem Nil aussetzen. Aber wenn man sich nur diesen Text anschaut, dann fragt man sich: Warum eigentlich? Warum legen sie dieses Baby in ein Kästchen mitten auf dem Nil? Wir können im ersten Kapitel von 2. Mose nachlesen, warum sie das getan haben. Es war so, dass das Volk der Hebräer in Ägypten lebte und immer weiter wuchs. Irgendwann bekamen die Ägypter Angst, dass die Hebräer sich gegen sie auflehnen könnten oder zu den Feinden überlaufen könnten. Also gab der Pharao einen schrecklichen Befehl: Alle männlichen Nachkommen der Hebräer sollten getötet und in den Nil geworfen werden. In dieser Zeit wird Mose geboren.
Man könnte sagen, dass Mose von akuter Kindeswohlgefährdung betroffen ist. Heutzutage ist es so, dass die meisten Kinder in Obhut genommen werden, also aus ihren leiblichen Familien herausgenommen werden, weil die Gefährdung von der eigenen Familie ausgeht – sei es durch Vernachlässigung, durch Gewalt oder durch Missbrauch. Bei Mose geht die Gefährdung von dem politischen System aus. Doch seine Mutter Jochebed tut alles, um Mose zu bewahren. Sie präpariert dieses Kästchen und bestreicht es mit Asphalt und Pech. Das waren natürliche Dichtstoffe, die verhinderten, dass Wasser in dieses Kästchen kommt, und die dafür sorgten, dass es gut auf dem Nil schwimmen kann.
Als kleinen Exkurs: Wir finden hier eine erste Parallele zu einer anderen großartigen Rettungsgeschichte in der Bibel. Auch über die Arche von Noah wird gesagt, dass sie mit Pech überzogen wurde. Mose ist also in seiner kleinen Arche, die von seiner Mutter vorbereitet wurde. Und sie trifft noch eine weitere Sicherheitsvorkehrung: Moses Schwester Miriam stellt sich in einiger Entfernung auf, um zu sehen, wie es dem Kind geht.
Was passiert dann? Dann kommt ausgerechnet die Tochter des grausamen Herrschers und findet Mose. Hier beweist Miriam unglaublich großen Mut. Sie geht nämlich zu der Tochter des Königs hin und vermittelt ihr eine Amme. Und wisst ihr, wen sie holt? Sie holt Moses eigene Mutter. Also Moses Mutter muss ihren Sohn dem Fluss übergeben, nur um ihn einige Momente später, ganz legal, wieder in die Arme schließen zu können – zumindest für kurze Zeit.
Man könnte sagen, Mose wird hier von der akuten Gefahr des Ertrinkens gerettet und landet zunächst in einer Kurzzeitpflegefamilie. Diese ist verrückterweise auch noch seine leibliche Familie. Und es wird noch verrückter: Die Prinzessin bezahlt sie sogar noch dafür. Sie bekommt quasi Pflegegeld dafür, dass sie ihr eigenes Kind versorgt. Das ist total verrückt.
Als Mose groß geworden war, wahrscheinlich so zwischen zwei und vier Jahren – damals wurden die Kinder ein bisschen länger gestillt als heute – da bringt Moses Mutter ihn zurück zur Tochter des Pharao. Diese nimmt ihn an als ihren Sohn und gibt ihm den Namen Mose. Das bedeutet „der Herausgezogene“. Es kann auch bedeuten „der, der auszieht“ – wenn man weitergeht und den Auszug aus Ägypten bedenkt, spielt der Name auch eine wichtige Rolle.
Gottes unsichtbare Führung
Wir haben hier die verschiedenen Charaktere in der Geschichte: Mose, seine Mutter, seine Schwester, die Tochter des Pharao. Aber ist euch aufgefallen, dass eigentlich die wichtigste Person fehlt? Gott kommt in dieser Geschichte gar nicht vor, wird in dem Text überhaupt nicht erwähnt. Und doch sehen wir, dass diese Geschichte durchdrungen ist von Gottes Führung.
Wenn wir ins Neue Testament schauen, in den Hebräerbrief, dann finden wir da etwas Kontext. Wir sehen nämlich, dass zu Beginn der Glaube von Moses Eltern steht. Im Hebräerbrief in Kapitel 11, Vers 23 heißt es: „Durch Glauben wurde Mose nach seiner Geburt von seinen Eltern drei Monate lang verborgen gehalten, weil sie sahen, dass er ein schönes Kind war, und sie fürchteten das Gebot des Königs nicht.“
Der Grund, warum Moses Eltern ihn versteckt hielten, war also der Glaube an einen Gott, der bewahrt. Sie ließen sich nicht einschüchtern von der Anordnung des Pharao, und ihr Glaube wird nicht enttäuscht. Sie werden sehen, dass Gott Mose wirklich bewahrt. Sie tun alles Menschenmögliche, um ihn zu schützen. Sie bereiten den Korb sorgfältig vor, wählen einen klugen Platz aus, wo sie ihn ins Wasser legen können. Alles Weitere lag in Gottes Hand.
Mose hätte ja genauso gut untergehen können oder von einem Krokodil gefressen werden können. Doch Gott führte es so, dass ausgerechnet die Tochter des Königs Mose findet. Auch sie hätte ja das Gebot ihres Vaters skrupellos umsetzen können. Aber Gott schenkt ihr ein weiches Herz, und sie nimmt diesen Jungen auf.
Der Schreiber der Sprüche sagt: „Gleich Wasserbächen ist das Herz des Königs in der Hand des Herrn, und er leitet es, wohin immer er will.“ Und so leitet er auch das Herz der Königstochter hier. Und dann ist da noch dieser geniale Plan von Moses Mutter und seiner Schwester. Ich weiß nicht, ob es wirklich so geplant war, aber ich vermute es. Und das funktioniert. Mose darf für eine gewisse Zeit wieder in die Familie zurückgehen.
Hier sehen wir ganz eindeutig, dass Gott führt. Der Prophet Jesaja sagt über Gott: „Ich verkündige von Anfang an das Ende und von der Vorzeit her, was noch nicht geschehen ist. Ich sage: Mein Ratschluss soll zustande kommen, und alles, was mir gefällt, werde ich vollbringen.“ Gott sah bereits, was aus Mose werden würde. Gott verfolgte mit der Bewahrung Moses ein noch größeres Ziel. Mose sollte nämlich derjenige sein, der Gottes Volk aus der Sklaverei führt. Mose sollte der größte Retter der Geschichte Israels werden und dafür sorgen, dass sein Volk aus der Sklaverei in die Freiheit auszieht. Gottes Ziel mit der Bewahrung Moses war also die Rettung seines Volkes.
Gottes Bewahrung in unserer Geschichte
Auch wir sehen in unserer Lebensgeschichte, in unserer Familiengeschichte, dass Gott bewahrt. Als wir die Entscheidung getroffen haben, Pflegekinder aufnehmen zu wollen, fingen wir an, dafür zu beten, dass Gott unser zukünftiges Kind bewahrt. Und wir haben alles getan, um Kinder aufnehmen zu können. Wir meldeten uns beim Jugendamt, wir machten einen Vorbereitungskurs, wir kauften sogar ein Haus. Zwei Jahre später erfuhren wir, dass unsere Tochter ziemlich genau zu dem Zeitpunkt aus der Familie herausgenommen wurde, als wir dafür anfingen zu beten, weil es für sie nicht mehr sicher war.
Wie Gott Jesus bewahrt
In Matthäus 2 lesen wir: „Und er blieb dort bis zum Tod des Herodes, damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten geredet hat, der spricht: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ Doch Joseph hat Angst und weiß nicht, wohin er gehen soll, bis er in einem weiteren Traum die Anweisung erhält, nach Galiläa zu gehen. Dort angekommen, ließ er sich in einer Stadt namens Nazareth nieder, damit erfüllt würde, was durch die Propheten gesagt ist, dass er – also Jesus – ein Nazarener genannt wird.
Wir sehen also: Gott agiert auch hier auf wunderbare Weise, um Jesus zu bewahren. Er spricht dreimal zu Joseph im Traum und sorgt dafür, dass ihm nichts zustößt. Und wir sehen auch, dass diese Bewahrung schon lange geplant war. Sowohl seine Zeit in Ägypten als auch das Aufwachsen in Nazareth waren schon prophetisch vorhergesagt.
Die entscheidende Frage ist: Welches Ziel verfolgt Gott mit dieser Bewahrung? Jesus sollte eine viel größere Rettungstat vollbringen als die, die Mose vollbracht hat. Und diese Rettung hat mit dir und mir zu tun.
Wie Gott uns bewahrt
Vielleicht fühlst du dich auch bedroht – wenn auch nicht so krass wie bei Mose und Jesus. Aber vielleicht bist du manchmal genauso hilflos wie dieser kleine Mose in seinem Korb auf dem Nil. Du treibst auf einem Fluss voller Herausforderungen und Probleme. Um dich herum lauern Menschen, die dir nach deinem Wohl trachten und dir das Leben schwer machen wollen. Oder du fühlst dich bedroht von den Kriegen oder dem, was in der Weltpolitik passiert. Das alles können reale Bedrohungen um dich herum sein.
Aber ich glaube, dass die größte Bedrohung für uns nicht von außen, sondern von innen kommt. Unser eigenes Ego, der Hass und die Wut in unserem Herzen – kurz gesagt: Unsere eigene Sünde bedroht uns am meisten. Von dieser Bedrohung sind wir alle betroffen. Und das Schlimmste ist, dass Sünde vor allem Beziehungen bedroht. Vor allem zerstört sie die Beziehung zu Gott. Wir haben als sündige Menschen keine Kontaktmöglichkeit zu Gott, weil er so absolut heilig und perfekt ist, dass er uns Menschen gar nicht in seiner Nähe dulden kann.
Doch Jesus befreit uns von dieser Bedrohung der Sünde. Jesus starb am Kreuz als Strafe für deine und meine Sünden. So wie ein Verbrecher vor Gericht verurteilt wird, müsste auch Gott mich eigentlich verurteilen. Aber Gott bewahrt dich vor diesem Gericht, vor dieser Bedrohung – vor ihm selbst gewissermaßen. Indem er seinen geliebten Sohn auf die Erde schickt, ihn bewahrt und ihn stellvertretend für dich sterben lässt.
Jesus führt dich direkt in die Arme deines liebenden Vaters und stellt die Beziehung zu Gott wieder her, indem er dich zu einem Kind Gottes macht. Der Evangelist Johannes sagt in seinem Evangelium im ersten Kapitel: „Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben.“ Gott macht dich zu seinem Kind. Er adoptiert dich als sein Kind. Wenn du an Jesus als deinen Retter glaubst, gibt er dir das Recht, das Anrecht, wie es hier heißt, ein Kind Gottes zu werden.
Das Anrecht als Kind Gottes
In einer Pflegefamilie bleiben normalerweise einige Rechte immer bei den Eltern oder einem gesetzlichen Vormund. Das kann zum Beispiel das Namensrecht sein, das Aufenthaltsbestimmungsrecht oder das Religionsrecht. In dem Moment, in dem du beginnst, an Jesus zu glauben, gehen alle diese Rechte auf Gott über.
Nehmen wir zum Beispiel mal das Namensrecht: Wie nennt Gott dich? Er nennt dich „mein Kind“, „mein Sohn“, „meine Tochter“. Nehmen wir das Aufenthaltsrecht: Dein Platz ist nicht hier auf der Erde, sondern deine eigentliche Heimat ist bei Gott im Himmel. Oder das Religionsrecht: Du musst dich nicht anstrengen, um Gott zu beeindrucken. Du musst nicht irgendwelche religiösen Regeln einhalten, um bei Gott gut dazustehen, sondern er nimmt dich ohne eigenes Zutun bedingungslos an.
In Gottes liebenden Vaterarmen bist du sicher. Das heißt nicht, dass dir Probleme oder Krankheiten oder die Bedrohungen um dich herum nichts anhaben können. Aber Gott ist stärker als alle Herausforderungen dieser Welt. Und er hat die größte Bedrohung, die es gibt, beiseitegeschafft. Er steht dort als dein Vater und sagt dir: Es ist nicht mehr wichtig. Was du vielleicht verbockt hast – dir ist alles vergeben. Er adoptiert dich, er gibt dir das Recht, sein Kind zu sein. Und du darfst wissen: Er wird für immer auf dich aufpassen.
Shasta und Aslan
Shasta aus der Narnia-Geschichte erfuhr erst sehr viel später, wie er mit dem Boot zu seinem Pflegevater kam – bis er Aslan trifft, den großen Löwen, der in den Narnia-Büchern für Jesus steht. Er erfährt, wie Aslan ihn auf seiner Reise bewahrte. Und vor allem, dass es Aslan selbst war, der das Boot, in dem er als Baby lag, sicher ans Ufer schob.
Und so bewahrt Gott auch dich. Ich möchte dich dazu auffordern, die Augen dafür zu öffnen. Denn Gottes Bewahrung ist allgegenwärtig. Ich glaube, oft bekommen wir gar nicht mit, wovor er uns überall bewahrt. Gott bewahrt auch unsere Kinder und unsere Pflegekinder.
Wenn du heute hier sitzt und denkst: „Ich könnte niemals ein Pflegekind aufnehmen oder es wieder gehen lassen“ – die Herausforderung ist mir einfach viel zu groß – dann hast du vollkommen recht. Niemand kann das. Ich glaube, niemand, der hier vorne stand, kann das. Aber es geht nicht darum, was du kannst und was du nicht kannst. Es kommt auf Gott an.
Denn Gott bewahrt, Gott rettet, er führt und er stärkt dich. Er ist dein liebender Vater, der aus Liebe zu dir alles gegeben hat, nämlich seinen eigenen Sohn. Durch den Tod von Jesus hat er dich von der größten Bedrohung befreit. Er hat dich adoptiert, damit du für immer zu ihm gehören kannst.

