Prediger: Andreas Dück
Datum: 30.11.2025
Der Preis der Nachfolge
Wir sind heute durch die Zeit des Singens eingeleitet worden in den Preis der Nachfolge Jesu. Das bedeutet: Menschen, die mit Jesus leben, zahlen in der Regel einen hohen Preis. Auch in Gegenden, wo es nicht eine krasse Verfolgung gibt. Aber Leben mit Jesus hat immer Konsequenzen. Es hat immer eine Konsequenz für unser persönliches Leben, in unserem Umfeld, in unseren Familien, in unseren Plänen, was wir machen.
Und ob nun eine sehr starke Verfolgung, bei der das Leben gefährdet ist und auch das eigene Wohlergehen besonders stark, oder auch in unserer Zeit, wo das nicht ganz so heftig ist, sehen wir doch immer wieder, dass ein Teil der Nachfolge Jesu in der Freude gegründet ist und im Lobpreis immer wieder – nicht nur dort, wo wir feiern, sondern auch dort, wo wir leben und wenn wir leben.
Kulturen der Freude
Jetzt bin ich auch dankbar dafür, dass es in unserer Gemeinde unterschiedliche Kulturen gibt. Es ist noch nicht so bunt, wie es werden könnte. Es wird hoffentlich auch noch bunter werden. Aber Freude drückt sich ja auch kulturell sehr unterschiedlich aus, oder? Die einen Kulturen sind irgendwie mehr freudig. Sie zeigen das. Die anderen Kulturen sind zu mehr nach innen hinein freudig.
Und dann habe ich gemerkt, es ist auch noch bei den Geschlechtern unterschiedlich. Also die Männer, außer wenn mal ein Tor fällt, sind eher so die Freude nach innen häufig. Bei den Frauen kann das auch sein, dass es auch sehr expressiv aussieht. Ich erinnere mich an einige Szenen der Begeisterung. Die waren sehr erfrischend, besonders wenn Frauen in Gruppen begeistert sind. Das ist wie so ein Dammbruch. Und dann schüttet es raus und die Freude ist überall.
Zwei begeisterte Frauen
Wir sind jetzt in einer Predigtreihe durch das Lukas-Evangelium. Wir werden heute zwei begeisterten Frauen begegnen. Und die eine, die ist ziemlich jung und die andere ist schon relativ alt. Und das ist schön zu sehen, dass alt und jung begeistert sein können von Gott, wenn sie erleben, wie Gott in ihr Leben eingreift.
Und wir wollen zusammen Lukas 1 von Vers 39 bis 55 betrachten. Und wir haben diese beiden Frauen: Wir haben Maria und wir haben Elisabeth. Beide hatten wir schon kennengelernt in den Predigten davor. Elisabeth ist die ältere Frau. Sie ist schwanger mit Johannes, der später Johannes der Täufer sein wird. Und Maria hat gerade vom Engel gehört, dass auch sie, obwohl sie eine Jungfrau ist, schwanger wird, aber nicht mit jemandem, der später Prophet wird, sondern es wird der Messias selbst sein. Also man kann keinen Menschen zur Welt bringen, der höher ist als Jesus.
Maria besucht Elisabeth (Lukas 1,39-45)
Und jetzt lesen wir von ihrer Reaktion: „Maria aber machte sich auf in diesen Tagen und reiste rasch in das Bergland, in eine Stadt in Juda. Und sie kam in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth. Und es geschah, als Elisabeth den Gruß der Maria hörte, da hüpfte das Kind in ihrem Leib. Und Elisabeth wurde mit Heiligem Geist erfüllt. Und sie rief mit lauter Stimme und sprach: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Und woher wird mir das zuteil, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, sowie der Klang deines Grußes in mein Ohr drang, da hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Und glückselig ist, die geglaubt hat, denn es wird erfüllt werden, was ihr vom Herrn gesagt worden ist.“
Maria braucht jemanden zum Reden
Als Maria vom Engel hört, dass sie jetzt schwanger wird und sie den Messias zur Welt bringen soll, dann macht sie das, was wahrscheinlich jeder Mensch und auch Frauen machen würden: Ich muss mit jemandem drüber reden, aber mit wem? Mit Josef ist vielleicht noch nicht dran, weil wer weiß, wenn der Engel auch nicht zu ihm gekommen ist, dann wie wird er das verstehen? Die Familie – wir wissen nichts über Marias Familie in dieser Zeit – aber sie weiß, da ist die Elisabeth und sie hat etwas Ähnliches erlebt. Und auch in ihrem Leben ist ein Wunder passiert, das mit ihrem verknüpft ist. Und so geht sie, so schnell sie kann, zu der Elisabeth, zu ihr nach Hause.
Und jetzt kommt sie zur Tür herein und wahrscheinlich sagt sie das, was man damals so sagte – nicht „Hallo“, sondern man sagte damals eher „Friede sei mit dir“ – und schon spürt Elisabeth bei der Stimme eine Reaktion in ihrem Bauch. Ihr Baby, von dem sie weiß, dass es Johannes heißen wird, hat diesen Gruß ebenfalls gehört.
Das Baby im Bauch – bereits eine Person
Wir sehen hier: Dieses Baby ist schon eine Persönlichkeit, eine Person. Das ist nicht etwas, was zu einer Person wird, sondern ist es schon im Bauch. Und es reagiert auf die Worte von Maria. Und dieses Baby hat von klein auf den Heiligen Geist, so haben wir es gelesen in den vorigen Texten. Und in Marias Bauch ist gerade ein Baby entstanden, das durch den Heiligen Geist gezeugt ist. Also wir haben hier eine Menge Heiligen Geist in dieser Situation.
Und nun reagiert das Baby Johannes auf das göttliche Baby in Marias Bauch. 30 Jahre später ungefähr wird er diesem Mann einen Weg vorbereiten, indem er Menschen zur Buße führt, damit sie ihn anerkennen, dass das, was er ist, der König der Könige. Und durch den Heiligen Geist fängt sein Dienst jetzt schon an, als Baby im Bauch. Reden kann er noch nicht. Also macht er Trampolinsprünge, damit seine Mama weiß: Hey, es ist soweit, der Messias ist gekommen. Noch ganz, ganz, ganz klein, vielleicht einige Tage alt im Bauch dieser jungen Frau, die gerade zur Tür hereingekommen ist.
Der Heilige Geist erfüllt Elisabeth
Und die Botschaft kommt bei seiner Mama an und sie wird selbst voll mit dem Heiligen Geist erfüllt. Es ist ein normales Haus. Es sind zwei Frauen und zwei ungeborene Babys und Gott der Heilige Geist ist da und durchtränkt diese kleine Gemeinschaft und führt dazu, dass beide Frauen in einen Lobpreis ausbrechen. Die junge Frau, eine Jungfrau, die ein Baby bekommt, und diese ältere Frau, die eigentlich nie ein Kind bekommen würde, jetzt ein Baby bekommt – und beide brechen aus in einen Lob Gottes.
Lobpreis als Reaktion auf Gottes Handeln
Was führt sie in den Lobpreis? Warum loben sie Gott? Sie loben Gott, weil Gott gehandelt hat. Weil Gott aktiv geworden ist. Schaut mal, bei ihnen ist es nicht so, dass der Lobpreis das Mittel ist und durch den Lobpreis kommen sie zu Gott, sondern Lobpreis ist das Mittel der Reaktion, weil Gott gekommen ist. Deswegen reagiere ich mit Lobpreis. So ist es bei ihnen.
Es ist nicht der Weg, um Gottes Arm zu bewegen, sondern Lobpreis ist die Bewunderung, dass Gott seinen Arm bewegt hat. Die Lobpreisstimmung kommt auf, weil sie Gottes Taten erleben, sehen und wahrnehmen. Und das ist ein Lobpreis, der von Herzen eine Resonanz ist zu dem, was Gott tut. Gott wird aktiv. Wir sehen, was Gott gemacht hat. Wir erleben, was Gott gemacht hat. Wir ordnen es ein, dass es Gott ist, der das gemacht hat. Und die Reaktion darauf ist: Gepriesen sei Gott.
Elisabeth erweist Maria Ehre
Wir sehen, wie Elisabeth sich bei dem, was Maria dann sagt, fast überschlägt. Traditionellerweise müsste eigentlich Maria als die Jüngere der Älteren Ehre erweisen. Aber diese ältere Elisabeth, die versteht durch den Heiligen Geist: Diese junge Frau – sie wird vielleicht 16, 18, 20 Jahre alt gewesen sein – hat üblicherweise in der Zeit eine größere Gnade empfangen als ich. Einen größeren Segen als ich. Und das will ich zu ihrer Ehre ausdrücken, weil Gott hat es ihr gegeben.
Den Segen des anderen anerkennen
Wie ist das übrigens bei uns, wenn wir einander kennenlernen und wenn wir erleben, was Gott dem anderen geschenkt hat, egal wie wir vom Status sind, vom gesellschaftlichen Status her oder auch von unserem Stand in der Gemeinde – fällt es uns denn leicht anzuerkennen, wenn Gott dem anderen einen größeren Segen gegeben hat, dass wir Gott dafür danken können? Oder ist der größere Segen beim anderen eher so ein Trigger für uns, drüber nachzudenken: Boah, eigentlich müsste ich so viel Segen haben. Gönne ich dem eigentlich gar nicht.
Hier haben wir eine Elisabeth, die den Segen Gottes in Maria sieht. Elisabeth, wenn man so will, als wenn man das als Wettbewerb sehen will, Elisabeth bringt einen Propheten zur Welt. Das ist super. Aber Maria bringt den Messias zur Welt. Das ist noch größer. Und jetzt könnte man in so einen Wettbewerb reingehen, wie wir den oft auch unter uns beobachten. Wer hat den größeren Einfluss, die größere Wirkung, den besseren Stand?
Aber wenn wir verstehen: Gott ist der, der das gibt. Gott verteilt so, wie er das möchte. Und so ist es gut so. Können wir voller Dank sein, voller Lobpreis für das, was er mir gegeben hat und was er dir gegeben hat.
Elisabeths Ausruf der Freude
Und laut ruft sie: „Maria, was bist du für eine gesegnete Frau!“ Segen ist das, was Gott geschenkt hat. Segen ist etwas, was man sich nicht verdient, sondern das ist das Gute, was das Leben schön macht und voll macht. „Und wie sehr ist dein Baby gesegnet! Was für eine unfassbare Fülle an Gnade hat dich getroffen!“ Und da hören wir, wenn wir jetzt in diesem Haus wären neben Elisabeth, dann würden wir vielleicht auch ein bisschen Ohrenschmerzen bekommen, weil sie das so laut sagt. Sie ist so begeistert von dem, was sie da erlebt im Heiligen Geist.
Der Herr im Bauch von Maria
Und Elisabeth begegnet jetzt schon dem Baby in Marias Bauch, das vielleicht einige Stunden oder wenige Tage alt ist, mit dem Respekt einer Magd zu einem Herrn. Wenn ihr die Bibel aufgeschlagen habt, dann schaut doch mal bitte einmal kurz in Vers 45. Da spricht Elisabeth vom Herrn, der zu Maria geredet hat und das Versprochene erfüllen wird. Das ist niemand anderes als Gott. Gott ist der Herr, der durch einen Engel zu Maria gesprochen hat.
Aber wenn sie dann zu Vers 43 geht, dann spricht sie von Maria als Mutter des Herrn. Also der Herr hatte gerade einen Engel gesandt, und der Herr ist jetzt auch irgendwie in Marias Bauch. Versteht ihr? Der Herr ist der Vater und der Herr ist der Sohn. Sie bezeugt das, was die Heilige Schrift uns über Gott erzählt, dass Gott der Vater ist, Gott ist der Sohn und Gott ist der Heilige Geist. Und wenn man so will, sind hier alle in diesem Haus versammelt.
Maria erhält Bestätigung
Es ist so schön zu sehen, wie Maria durch die Reaktion der Elisabeth eine totale Bestätigung von der Wahrheit bekommt, die sie eben gehört hat. Sie hatte Zweifel gehabt, das ist ein Teil der Geschichte, wir haben nur das Ende vom Text gelesen. Aber da gibt es diese Zweifel: Ich bin eine Jungfrau, wie kann das sein? Und der Engel hatte ihr gesagt: Schau mal, die alte Elisabeth, die kann niemals ein Baby haben und ist aber schwanger. Wenn Gott das kann, dann kann er auch das für dich tun. Und jetzt sieht sie, dass das Zeichen, was Gott ihr gegeben hat, wirklich wahr ist.
Und jetzt kommt nicht nur, dass Gott aktiv ist in ihrem Leben, sondern auch Elisabeth sagt: „Du wirst es erleben, was Gott dir versprochen hat.“ Könnt ihr euch vorstellen, wie ermutigt Maria nach Hause geht? Und etwas, das vorher vielleicht noch schockierend war – ich werde ein Baby bekommen, ich bin eine Jungfrau, was werden die Leute in meinem Dorf denken – das verwandelt sich gerade in eine tiefe Überzeugung: Gott tut das. Gott hat mich gesehen und Gott macht das gerade.
Der Lobgesang Marias (Lukas 1,46-55)
Und jetzt in Vers 46 kommt dieser wunderschöne Teil, das ist der Lobgesang Mariens, dieses Lied. Es ist auch als „Magnificat“ bekannt, als eines der schönsten Loblieder der Bibel. Und wir schauen jetzt gemeinsam den Text an: „Und Maria sprach: Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist hat gejubelt über Gott, meinen Retter, weil er angesehen hat die Niedrigkeit seiner Magd. Denn siehe, von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan, und heilig ist sein Name. Und seine Barmherzigkeit gilt von Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten. Er hat Macht geübt mit seinem Arm. Er hat zerstreut, die hochmütig sind in der Gesinnung ihres Herzens. Er hat Mächtige von Thronen herabgesetzt und Niedrige erhöht. Hungrige hat er mit Gütern erfüllt und Reiche leer weggeschickt. Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen, um der Barmherzigkeit zu gedenken, wie er zu unseren Vätern geredet hat, gegenüber Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit.“
Gott sieht die Niedrigen
Das ist so ein schöner Text! Und wenn wir uns das anschauen, dann hören wir: Marias ganze Seele und ihr Herz ist jetzt in einem Lobpreis, sie ist bereit loszulegen. Sie jubelt förmlich. Sie ist total begeistert. Es beginnt damit, dass Gott sie angesehen hat. Damit wir das richtig verstehen: Maria war eine normale Frau. Sie ist keine Mitmittlerin zu Gott. Sie ist nicht sündenlos. Sie ist nicht göttlich. Sie ist keine, die wir anbeten. Aber sie ist ein Mensch, den Gott geliebt hat. Ein Mensch, den Gott ausgewählt hat. Ein Mensch, mit dem Gott eine Geschichte hat.
Und sie sagt: „Ich bin nichts Besonderes.“ Aber aus Gottes Perspektive war es so, dass er sie angeschaut hat. Wenn wir das hören „Gott hat mich angesehen“, denken wir: Na ja, er ist ja überall, er sieht ja alles. Aber das Wort bedeutet mehr als einfach hinschauen. Sondern Gott hat hingeschaut mit Interesse, mit Liebe. Gott hat sie wahrgenommen und angeschaut als diese junge Frau. Und dann sagt sie: „Ich war niedrig.“ Das ist eine Selbsteinschätzung von Maria über ihr Leben, über ihre Herkunft, über ihre Situation. „Aber Gott hat gerade mich gesehen.“
Das ist ähnlich wie Petrus, der später sagen wird: „Gehe weg von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch.“ Hier haben wir eine Maria, die sagt: „Ich bin eine arme, niedrige Magd.“ Das ist nicht ein falsches Selbstbewusstsein, sondern das ist eine ehrliche Einschätzung. Und sie sagt: „Aber gerade mich hat er gesehen und mir diese Gnade gegeben.“
Gott erhöht die Niedrigen
Und wisst ihr was? Das ist das Prinzip, wie Gott arbeitet. Gott schaut nicht auf die, die groß sind, sondern Gott schaut auf die, die klein sind. Gott sucht nicht die Erfolgreichen, sondern die Schwachen. Gott wählt nicht die Starken aus, sondern die, die wissen: Ohne Gott bin ich nichts. Das ist so schön zu sehen.
Und dann sagt sie: „Von nun an werden mich glückselig preisen alle Geschlechter.“ Das ist keine Arroganz. Das ist keine Selbsterhöhung. Sondern das ist Prophetie. Maria sagt voraus: Was Gott an mir getan hat, wird so groß sein, dass die Menschen sich daran erinnern werden. Und wisst ihr was? Es ist eingetroffen. 2000 Jahre später sprechen wir immer noch über Maria. Nicht weil sie so toll war, sondern weil Gott Großes an ihr getan hat.
Der Mächtige hat Großes getan
„Denn der Mächtige hat Großes an mir getan.“ Hier spricht sie von Gott als dem Mächtigen. Gott ist der, der die Macht hat. Gott ist der, der tun kann, was unmöglich ist. Gott ist der, der eine Jungfrau schwanger werden lassen kann. Gott ist der, der den Messias in diese Welt bringen kann. Und sie sagt: „Und heilig ist sein Name.“ Heilig bedeutet: Er ist anders. Er ist getrennt. Er ist vollkommen. Er ist rein. Er ist gerecht.
Und dann kommt dieser wunderschöne Vers: „Und seine Barmherzigkeit gilt von Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten.“ Maria sieht: Was Gott an mir tut, ist nicht nur für mich. Das ist Teil einer größeren Geschichte. Das ist Teil von Gottes Plan mit der Menschheit. Das ist Teil von Gottes Barmherzigkeit, die von Generation zu Generation weitergeht.
Gott setzt die Mächtigen ab
Und dann kommt dieser krasse Teil: „Er hat Macht geübt mit seinem Arm. Er hat zerstreut, die hochmütig sind in der Gesinnung ihres Herzens. Er hat Mächtige von Thronen herabgesetzt und Niedrige erhöht.“ Das ist revolutionär. Das ist radikal. Maria sagt: Gott arbeitet anders als die Welt. Die Welt sagt: Wer stark ist, wer mächtig ist, wer reich ist, der kommt nach oben. Aber Gott sagt: Ich setze die Hochmütigen ab. Ich erhöhe die Niedrigen.
Das ist das Prinzip des Evangeliums. Das ist das Prinzip des Kreuzes. Jesus selbst, der König der Könige, kommt nicht als mächtiger Herrscher, sondern als Baby in einer Krippe. Er kommt nicht mit Macht und Gewalt, sondern in Schwachheit und Demut. Und Maria sieht das. Sie versteht: Gott arbeitet anders.
Gott sieht die Ungerechtigkeit
„Hungrige hat er mit Gütern erfüllt und Reiche leer weggeschickt.“ Gott sieht die Ungerechtigkeit in dieser Welt. Gott sieht, dass es Menschen gibt, die hungern. Gott sieht, dass es Menschen gibt, die reich sind und ihr Herz verschließen. Und Gott sagt: Ich werde das umkehren. Ich werde Gerechtigkeit schaffen. Das ist so wichtig zu verstehen.
Wenn wir in einer Welt leben, wo wir so viel Ungerechtigkeit sehen, wo wir so viel Leid sehen, wo wir so viel Armut sehen, dann können wir uns manchmal fragen: Wo ist Gott? Warum tut er nichts? Und Maria sagt: Gott sieht das. Gott wird handeln. Gott wird Gerechtigkeit schaffen. Das ist Teil seiner Geschichte.
Gott ist seinem Volk treu
Und dann kommt der letzte Teil: „Er hat sich Israels, seines Knechtes, angenommen, um der Barmherzigkeit zu gedenken, wie er zu unseren Vätern geredet hat, gegenüber Abraham und seinen Nachkommen in Ewigkeit.“ Maria sieht: Was jetzt gerade passiert, ist nicht ein Zufall. Das ist nicht einfach etwas Spontanes. Sondern das ist die Erfüllung von Gottes Versprechen.
Gott hat Abraham versprochen: Durch deine Nachkommen werden alle Völker gesegnet werden. Und jetzt sagt Maria: Gott nimmt sich seines Knechtes Israel an. Maria weiß: Jetzt gerade bin ich hier in einem Dorf mit einem Baby im Bauch, das noch nicht geboren ist, aber das ist das Zeichen, dass Gott sich nicht nur mir angenommen hat – mein ganzes Volk wird jetzt gerettet werden. Es ist kein Glücksfall. Es ist nicht das Ergebnis einer Bewerbung, dass Völker eine Bewerbung geschickt haben: „Nein, zu uns! Nein, zu uns!“ Sondern es ist das Ergebnis eines Versprechens. Gott hat es versprochen, und jetzt ist es soweit, dass er es machen wird.
Das große Bild unserer Geschichte
Diese junge Frau sieht: Gott kümmert sich um sein Volk. Gott ist treu. Wie ordnen wir eigentlich die Dinge ein in unserem Leben? Wollen wir in unserer Geschichte denken. Was ist denn das große Bild von unserer Geschichte? Warum passieren die Dinge, die uns passieren? Wer kriegt die Arbeit, die Arbeitslosigkeit, der Umzug, die Kinderlosigkeit? Was ist das große Bild von deiner Geschichte, von meiner Geschichte?
Ich will an eine Sache erinnern, die Gott uns gesagt hat, ein Versprechen, das wir auch haben, wenn wir Jesu Nachfolger sind und das, was Jesus gesagt hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit.“ Maria hat eine Landkarte und das sieht so aus, dass sie versteht, wie Gott sich auf dieser Landkarte bewegt und sie ist ein Teil davon. Wir haben auch eine Landkarte und wissen, wie Gott sich im Großen mit uns bewegen wird. Und wir warten darauf, dass Jesus wiederkommt, aber wir können jetzt schon wissen, und egal, was wir erleben und was wir so durchmachen, können wir festhalten und sagen: Jesus hat gesagt, er ist alle Tage bei uns.
Gleich in einer Stunde, in zwei Stunden, wenn du zu Hause bist, alleine für dich, wird Jesus nicht hier geblieben sein, sondern er wird bei dir sein, weil er es versprochen hat. Und bei dem, was du in der kommenden Woche erleben wirst, kannst du sicher sein: Jesus wird bei dir sein, weil er es versprochen hat. Maria ist hier, weil sie weiß: Gott ist aktiv in meinem Leben. Und das ist ein Riesentrost in ihrem Denken.
Maria kennt die Bibel
Wir haben also gesehen, wie Maria Gott erlebt in ihrem Leben. Gott sieht sie. Gott sieht die Reichen und die Armen und die Ungerechtigkeit und wird Gerechtigkeit schaffen. Gott sieht das große Bild. Er sieht die Heilsgeschichte und er ist unterwegs. Aber wir sehen auch, welcher Art Mensch Maria ist. Und damit will ich schließen.
Wenn wir uns das ganze Lied anschauen – ich habe mal markiert, welche Worte von Maria Bibelzitate sind. Und das sind viele. Also fast alle Worte sind Bibelzitate. Was wir daraus sehen können ist: Maria, diese junge Frau, kennt die Bibel, ihre Bibel, das Alte Testament, durchgehend. Und wenn sie dann ihre Freude kanalisiert, macht sie das mit den Worten Gottes. Im Prinzip ist das eine Aneinanderreihung von Zitaten aus der Bibel. Und das hat mich total bewegt, das zu sehen.
Ihr seid Theologen
Das ist so ergreifend. Das hat mich übrigens an die letzte Frauenkonferenz erinnert. Ladies, ihr seid Theologen. Und das nicht erst mit 50 oder mit 60, sondern als junge Mädchen und Frauen seid ihr Theologen. Das, was ihr über Gott denkt, das, wovon ihr überzeugt seid, das wird in das reinfließen, was aus euch herausfließt als Reaktion auf das, was passiert. Das geht natürlich nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer. Aber es ist beeindruckend zu sehen, dass in der damaligen Zeit, wo sie wahrscheinlich nicht eine eigene Kopie der Bibel hatte – das war unfassbar teuer – sondern sie hat die Worte in der Synagoge gehört und immer wiederholt, dass sie sich so fest eingeprägt haben.
Und wir glauben, dass es wirklich auch Gottes Wort ist. Es hat nicht später jemand so zusammengesetzt oder Lukas hat gedacht: Ich mache jetzt mal eine schöne Komposition des Liedes. Das ursprüngliche Lied von Maria war nicht so toll. Ich mache das mal schön geistlich. Sondern wir glauben, dass es wirklich das Lied war, das Maria gesungen hat. Das floss aus ihrem Herzen, weil das getränkt war in Gottes Wort.
Abschluss
Maria ist nicht sündenlos. Maria ist nicht Gott. Maria ist keine Mittlerin zu Gott. Aber zusammen mit Elisabeth sind diese beiden Frauen hier ein Paar, das wir uns gerne anschauen. Und es macht unser Herz warm, wenn wir sehen, wie sie sich an Gott erfreuen. Wir sind beeindruckt zu sehen, wie der Heilige Geist ihr Leben erfüllt und wie sie auf das, was Gott tut, mit Lobpreis reagieren.
Es ist schön zu sehen, dass dieses große Bild in dieser Hütte auf dem Bergland in Judäa diese beiden Frauen begeistert. Wie Gott der Mächtige, der Herr und der Retter in ihre Geschichte eingreift. Und so macht er das auch in meine und in deine Geschichte. Ein Gott, an dem wir uns erfreuen können und ein Gott, dem wir vertrauen können.

