Thema: Gottes überraschende Gnade
Prediger: Andreas Dück
Datum: 09.11.2025
Die letzten Worte des Alten Testaments
Am Ende des Alten Testaments, wo Gott über mehrere hundert Jahre durch Propheten zum Volk gesprochen hat, finden wir das Buch Maleachi. Es ist in unserer Zählung das letzte Buch der Bibel des Alten Testaments. Wir sehen hier die letzten Worte, die an das Volk überliefert worden sind. Sie lauten wie folgt: „Gedenkt an das Gesetz Moses, meines Knechtes, das ich ihm auf dem Horeb für ganz Israel befohlen habe, an die Satzungen und Rechte. Siehe, ich sende euch den Propheten Elia, ehe der große und furchtbare Tag des Herrn kommt. Und er wird das Herz der Väter den Kindern und das Herz der Kinder ihren Vätern zuwenden, damit ich bei meinem Kommen das Land nicht mit dem Bann schlagen muss.“
Mit diesen Worten wird das Buch des Alten Testaments sozusagen zugeschlagen und bleibt geschlossen für mehrere hundert Jahre. Kein Prophet, der in einer Autorität von einem Jeremia oder Hesekiel oder Hosea spricht und Gottes Worte redet, keine Erscheinung, keine Wegweisung, keine Ermahnung. Israel lebt, so gut es kann, mehr schlecht als recht sein Leben als Volk Gottes.
Der Beginn des Lukasevangeliums
Wenn Lukas nun die Geschichte von Jesus erzählen will – und wir sind ja jetzt in einer Predigtreihe durch das Lukasevangelium gestartet – dann sehen wir: Er will über Jesus reden, aber er fängt mit einem ganz anderen Menschen an. Es ist ein alter Priester mit Namen Zacharias.
Letztes Mal haben wir gehört, dass Lukas sein Evangelium an einen Mann namens Theophilus schreibt, und er wünscht sich, dass Theophilus in dem, was er glaubt und glauben soll, an Gott wirklich eine Klarheit und Festigkeit hat, eine Zuversicht, die es ihm möglich macht, Jesus zu vertrauen. Das, was wir auch heute hören werden aus dem Lukasevangelium, soll genau dazu dienen. Egal, wo du gerade unterwegs bist mit Gott, ob du mit Gott schon sehr lange lebst oder ob du gerade dabei bist, Gott kennenzulernen – Lukas möchte dir und mir in diesem Text heute zeigen, wie Gott wirkt, wie Gott eingreift in das Leben der Menschen, auch in dein und mein Leben, und dass Gott vertrauenswürdig ist.
Ein altes, kinderloses Ehepaar
In den Tagen des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester mit Namen Zacharias aus der Abteilung Abija, und seine Frau war von den Töchtern Aarons, und ihr Name war Elisabeth. Sie waren aber beide gerecht vor Gott und wandelten untadelig in allen Geboten und Rechtsbestimmungen des Herrn, und sie hatten kein Kind, weil Elisabeth unfruchtbar war, und beide waren in fortgeschrittenem Alter.
Theophilus, der Mann, dem dieses Lukasevangelium gewidmet ist, liest nun die Geschichte über Jesus und das Erste, was er liest – es fängt ja nicht mit Jesus an – es fängt mit einer Person an, die ganz anders ist: ein alter Priester, der Zacharias heißt. Wir wollen ihn und seine Frau mal ein bisschen kennenlernen.
Wir haben also vor uns ein altes, kinderloses Paar. Kinderlosigkeit ist ein Phänomen zu allen Zeiten der Menschheit gewesen, bis heute. Früher war das ein echtes Manko, wenn man keine Kinder hatte. Das war für die Frau immer eine Schande. Es war wirtschaftlich ein Problem – es gab ja keine Rentenversicherung. Die Kinder haben die Eltern versorgt, bis sie dann gestorben sind, und wenn man keine Kinder hatte, dann konnte es ganz schön elendig werden, wenn man alt war.
Im Reich Gottes sehen wir besonders im Neuen Testament, dass nicht nur das Kinderbekommen eigentlich irrelevant ist, sondern sogar, ob man verheiratet ist oder nicht, ob man als Single lebt oder nicht. Paulus ruft sogar aktiv dazu auf, dass Menschen Singles bleiben sollen, um Gott mehr dienen zu können. Wir haben also eine andere Wertevorstellung, als es in der damaligen Zeit der Fall war.
Biblische Muster erkennen
Theophilus wird wahrscheinlich als jemand, der das Alte Testament kennt, sich daran erinnern: Da gibt es aber auch noch andere Paare in der Bibel, denen es ähnlich ging wie diesen beiden. Zum Beispiel Abraham und Sara – die waren auch recht alt und hatten kein Kind. Dann ist es später auch bei Isaak und Rebekka so gewesen, und bei Jakob und Rahel war das auch so.
Das Spannende ist, was hier anklingen könnte bei dir und bei mir, wenn wir die Bibel ein bisschen kennen: Immer wenn Gott in das Leben der Menschheit eingreift und in die Welt kommt, braucht es ein übernatürliches Eingreifen. Wir denken ja so: Ja, Gott ist immer da, wir können immer zu Gott kommen, und es ist immer ein Weg von uns zu Gott. Aber das stimmt gar nicht. Eigentlich war das schon immer so, dass die Menschen ohne Gott degenerieren und es braucht immer einen Durchbruch von Gott, dass er wieder in das Zentrum der menschlichen Wahrnehmung kommt.
Hier haben wir das auch wieder in der Form eines Paares, das keine Kinder bekommen kann, und nun tut Gott ein Wunder, um zu zeigen: Ich breche jetzt wieder in die Menschheitsgeschichte rein und ab jetzt wird wieder etwas Entscheidendes passieren.
Gerecht vor Gott
Wir sehen, dass die beiden gerecht sind vor Gott, so heißt es hier, und wandelten untadelig in allen Geboten und Rechtsbestimmungen des Herrn. Da könnte man meinen: Waren das jetzt Menschen, die sündlos waren? Es gibt keine Menschen, die keine Fehler hatten und nicht sündigen, aber was wir hier sehen ist: Die beiden sind Menschen, die sehr integer leben, die ein Leben führen, das zwar nicht vollkommen ist, aber sie streben danach, für Menschen ein Segen zu sein und Gott wohlzugefallen.
Wie sieht es im Volk aus in dieser Zeit? Es war eine gemischte Stimmung. Wir haben hier das Volk Israel, und es gibt Menschen, die suchen nach Gott – so wie diese beiden auch. Lukas wird später einige beschreiben wie Simeon und Hanna, die Prophetin. Aber das Volk ist im Wesentlichen weit weg von Gott. Da gibt es die Frommen, die aber nur äußerlich fromm und eigentlich Heuchler sind. Auch bei den Priestern gibt es solche, die nicht wirklich an das glauben, was sie da sagen. Das war eine Situation, wo man sagen würde: Geistlich war Israel wie eine Herde von Schafen, die keinen Hirten hat, und das schon seit langer Zeit.
Die Begegnung im Tempel
Zacharias sprach zu dem Engel: „Woran soll ich das erkennen? Denn ich bin ein alter Mann und meine Frau ist in fortgeschrittenem Alter.“ Und der Engel antwortete und sprach zu ihm: „Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt, zu dir zu reden und dir diese frohe Botschaft zu bringen. Und siehe, du wirst stumm sein und nicht reden können bis zu dem Tag, an dem dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die erfüllt werden sollen zu ihrer Zeit.“
Und das Volk wartete auf Zacharias, und sie verwunderten sich, dass er so lange im Tempel blieb. Als er aber herauskam, konnte er nicht zu ihnen reden, und sie merkten, dass er im Tempel eine Erscheinung gesehen hatte, und er winkte ihnen und blieb stumm.
Wir sehen einen Zacharias, der nicht versteht, wie ihm geschieht. Es ist eine mutige Frage, einem Engel eine Frage zu stellen: Wie soll das denn gehen? Schau mich an. Meine Frau – weißt du nicht, dass wir durch sind mit dem Thema? Diese Frage hatte damals auch Abraham gestellt, als Gott ihm sagte, dass er Vater werden wird und Sara Mutter. Gott hat damals gesagt: Du wirst es daran erkennen, dass ich einen Bund mit dir schließe, eine Art Vertrag, und du wirst sehen, ich werde ihn erfüllen.
Jetzt könnte ja Gott bei Zacharias das Gleiche machen und ihm ein schönes Zeichen schenken, aber er gibt ihm ein Zeichen, das nicht so schön ist. Es ist keine richtige Strafe, aber Zacharias, der alte Priester, der die Schriften kennt, der die Geschichten kennt, müsste wissen: Einem Engel, der mir sagt, ich werde ein Kind bekommen, muss ich nicht dagegen fragen, wie soll das denn passieren? Du kennst doch Abraham, du kennst doch Isaak und Jakob. Und der Engel sagt: Diese Frage war für ein paar Monate die letzte Frage, die du gestellt hast.
Gottes Handlungsmuster
Wir sehen hier ein Muster, wie Gott handelt. Bei Gott ist alles möglich, wenn er will, und es gibt keinen Anlass, das in Frage zu stellen. Wir sehen hier einmal das Muster der Hilflosigkeit, das man bei diesem Paar sieht: Dieses Paar kann nicht von sich aus ein Kind bekommen, aber Gott macht ein Wunder. In unserem Leben brauchen wir auch ein Wunder, wenn es darum geht, neues Leben zu bekommen. Wir brauchen das Wunder Gottes, dass Gott eingreift in unser Leben, und das geht nicht mit menschlichen Mitteln.
Wir sehen ein Muster der Treue bei Zacharias. Zacharias macht treu seinen Priesterdienst und macht einfach weiter. Gott hat gesagt, und das Letzte, was Gott gesagt hat, gilt. Das ist auch ein guter Hinweis für uns: Wenn du nicht weißt, was Gott aus deinem Leben will, mach das Letzte, was du von Gott gehört hast, und mach weiter. Schlag die Bibel auf. Heute haben wir mehr als Zacharias. Wir haben das Wort Gottes mit den Worten Jesu, mit den Worten der Apostel, mit den Worten des Heiligen Geistes in Fülle. Wenn ich nicht mehr weiß, was ich machen soll, mache ich weiter mit dem, was ich weiß, und warte auf Gott.
Warten auf Jesus
Eines der letzten Dinge, die Jesus uns gesagt hat, ist, dass wir auf ihn warten sollen. In der Offenbarung wird das gesagt, ganz zum Schluss: „Der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme, und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ Das steht auf der letzten Seite der Bibel. Das bedeutet: Solange Jesus nicht kommt, bleibt der Ruf da, zu Jesus zu gehen, zu Gott zu gehen. Dieser Ruf bleibt, bis Jesus wiederkommt.
Ganz zum Schluss heißt es: „Es spricht, der dies bezeugt: Ja, ich komme bald. Amen, ja komm, Herr Jesus.“ Das ist das, was ich dann auch bete: Ja, komm, Herr Jesus. Aber so wie damals auch, warten wir nicht untätig, sondern in dem, was Gott uns gesagt hat, können wir treu sein, wie wir das auch bei diesem alten Priester beobachten.
Eine Geschichte der Hoffnung und Freude
Und es geschah, als die Tage seines Dienstes vollendet waren, ging er heim in sein Haus. Aber nach diesen Tagen wurde seine Frau Elisabeth schwanger, und sie verbarg sich fünf Monate und sprach: „So hat der Herr an mir gehandelt in den Tagen, da er mich angesehen hat, um meine Schmach unter den Menschen hinwegzunehmen.“
Am Ende ist Freude da. Gott schreibt ganz große Geschichte, aber dieses alte Ehepaar hat Freude. Die Frau freut sich, dass sie schwanger geworden ist, und die Schande, die sie die ganze Zeit bedrückt hat, weil sie sich als nicht vollwertig gesehen hat, hat Gott weggenommen.
Diese Geschichte ist keine Anleitung dafür, wie man als altes, kinderloses Paar noch mit sechzig Jahren Kinder bekommt. Aber was wir sehen ist, dass Gott in unser Leben hineinredet und die Schwachheit durchbricht, in der wir sind – ganz andere Arten von Schwachheiten. Gott bricht immer als Erster sein Schweigen. Er macht den ersten Schritt der Kommunikation. Wenn du zu Gott redest, ist es immer schon eine Antwort, nicht das Erste. Das Erste hat immer Gott geredet.
Israel war verloren, die Welt war verloren, aber Gott sucht sein Volk, Gott sucht die Welt. Würde es nur auf uns ankommen, wir würden es nur drehen in Simulationen von Religion, Spiritualität und Emotionen. Aber wenn Gott durch die Mauer des Schweigens bricht und ein Engel im Tempel steht, dann passiert was. Das kann niemand mehr aufhalten.
Wir sehen hier am Ende eine Geschichte der Hoffnung auf Freude. Gott ist wieder da in seinem Volk. Diese Hoffnung kannst du mitnehmen auch in diesen Tagen, in die Woche. Was immer du erlebst: Gott naht sich dir. Nimm diese Schwingung der Hoffnung aus diesem Text mit in deinen Alltag. Diese Freude, die wir beobachten mit diesem persönlichen Glück dieses alten Ehepaares über ein Kind, das sie bekommen – das ist etwas, was Gott macht. Gott sieht die ganze Welt, aber Gott sieht auch dein Leben. Und dein Ziel mit deinem Leben ist am Ende, Freude zu haben. Jede Freude, die wir heute erleben, ist eine anteilige Freude. Es ist eine Anzahlung auf die Freude der Freuden überhaupt. Und während ich darüber rede, freue ich mich, dass wir sie erleben werden – mit uns allen zusammen. Das ist die Hoffnung.

