Thema: Grenzenloser Gott
Prediger: Emil Grundmann
Datum: 06.07.2025
Das Evangelium überschreitet alle Grenzen
Apostelgeschichte, Kapitel 8, Vers 26 bis 40 aus der Elberfelder: Ein Engel des Herrn aber redete zu Philippus und sprach: Steh auf und geh nach Süden auf den Weg, der von Jerusalem nach Gaza hinabführt. Der ist öde. Und er stand auf und ging hin. Und siehe, ein Äthiopier, ein Kämmerer, ein Gewaltiger der Kandake, der Königin der Äthiopier, der über ihren ganzen Schatz gesetzt war, war gekommen, um zu Jerusalem anzubeten. Und er war auf der Rückkehr und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Der Geist aber sprach zu Philippus: Tritt hinzu und schließe dich diesem Wagen an. Philippus aber lief hinzu und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen und sprach: Verstehst du auch, was du liest? Er aber sprach: Wie könnte ich, wenn mich nicht einer anleitet? Und er bat Philippus, dass er aufsteige und sich zu ihm setze.
Die Stelle der Schrift aber, die er las, war diese: Er wurde wie ein Schaf zur Schlachtung geführt, und wie ein Lamm stumm ist vor seinem Scherer, so tut er seinen Mund nicht auf. In seiner Erniedrigung wurde sein Gericht weggenommen. Wer aber wird sein Geschlecht beschreiben? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen. Der Kämmerer aber antwortete dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet dies, von sich selbst oder von einem anderen? Philippus aber tat seinen Mund auf und fing mit dieser Schrift an und verkündigte ihm das Evangelium von Jesus.
Als sie aber auf dem Weg hinabzogen, kamen sie an ein Wasser. Und der Kämmerer sprach: Siehe, da ist Wasser, was hindert mich, getauft zu werden? Und er befahl den Wagen anzuhalten, und sie stiegen beide in das Wasser hinab, sowohl Philippus als auch der Kämmerer, und er taufte ihn. Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus, und der Kämmerer sah ihn nicht mehr, denn er zog seinen Weg mit Freuden. Philippus aber fand man in Aschdod, und er zog hindurch und verkündigte das Evangelium allen Städten, bis er nach Cäsarea kam.
Ist das Christentum eine westliche Religion?
Einige würden sagen, ja. Araber sind Muslime, sagen einige, Inder sind Hinduisten und Europäer, Nordamerikaner sind Christen. So sagt man. Na ja, das Christentum ist ja die Religion des weißen Mannes, so sagen einige. Jesus war schließlich weiß, nicht wahr? Das ist natürlich Quatsch. Jesus war nicht weiß. Jesus ist in Israel aufgewachsen, wahrscheinlich deutlich dunkler. Es ist nicht nur historisch falsch zu sagen, dass das Christentum westlich ist, sondern es ist auch sehr diskriminierend, wenn wir über all die Christen in der ganzen Welt nachdenken. Das Christentum ist die weitverbreitetste Religion in allen Erdteilen der Welt. Historisch gesehen wissen wir, dass das Christentum nicht hier in Warendorf angefangen hat, sondern tatsächlich in Jerusalem in Israel. Und von dort hat es sich dann ausgebreitet in die ganze Welt.
Die Botschaft von Jesus, die gute Nachricht von Jesus, das Evangelium, war von Anfang an so angelegt, dass es Menschen aus allen Ländern, allen Kulturen, allen Sprachen, allen Hautfarben erreichen sollte. Es sollte Kontinente sprengen, es sollte Kulturen sprengen und Sprachen sprengen. Und hier in diesem Text, den wir gerade gehört haben aus Apostelgeschichte 8, da sehen wir, wie das Evangelium das erste Mal einen Afrikaner erreicht – übrigens bevor das Evangelium jemals europäischen Boden betreten hat. Und hier sehen wir, wie Gott diesen Menschen rettet, diesen Afrikaner aus Äthiopien. Hier in diesem Text begegnen wir einem Gott, der keine Grenzen hat, einem grenzenlosen Gott.
Wessen Gott ist es eigentlich?
Es ist spannend bei dieser Geschichte, wie dieser Mann aus Afrika zum Glauben kommt. Er kommt nach Jerusalem in der Hoffnung und Erwartung, dass er in Jerusalem, der heiligen Stadt, im Tempel diesem lebendigen Gott begegnen würde. Aber was für ein Schock und was für eine Enttäuschung! Er kommt nach Jerusalem, an den Ort, wo man erwarten würde, wenn man Gott begegnen kann, dann natürlich in Jerusalem – aber dort begegnet er Gott nicht. Und enttäuscht geht er zurück, zieht Richtung Afrika. Und an einem Ort in der Wüste, wo man Gott nicht erwarten würde, lernt er diesen lebendigen Gott kennen.
Ganz am Anfang, nach Jesu Auferstehung und kurz vor der Himmelfahrt, sammelt Jesus seine Jünger zu sich und gibt ihnen einen Auftrag. Er sagt: Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis ans Ende der Erde. Wenn du diesen Auftrag nochmal hörst, ist dir vielleicht schon mal aufgefallen, dass es mehr als ein Auftrag ist. Das ist nämlich eine Verheißung. Nicht „ihr sollt“, sondern „ihr werdet“ meine Zeugen sein, nachdem der Heilige Geist auf euch gekommen ist. Eine Verheißung, nicht nur ein Auftrag.
Dann sehen wir tatsächlich auch in diesem ersten Drittel der Apostelgeschichte, wie das Evangelium sich immer mehr in Kreisen ausbreitet. In Jerusalem bei Pfingsten erklingt auf einmal das Evangelium in Sprachen, in denen es vorher noch nie erklungen ist. In Kapitel 5 sehen wir, dass in Judäa Menschen erreicht werden. In Kapitel 6 sehen wir eine Gemeinde, wo zwar nur Juden drin sind, aber griechisch-sprechende und aramäisch-sprechende Juden. Kapitel 7: Stephanus wird gesteinigt und alle denken, das ist das Ende des Evangeliums. Jetzt ist es vorbei. Aber das führt dazu, dass die Christen sich verstreuen und weiterhin Zeugen überall sind. Und dann in Kapitel 8: Philippus ist in Samarien und dann haben wir unsere Geschichte, wo der erste Afrikaner erreicht wird.
Gott ist der wirkliche Missionar
Was ich hier unterstreichen will, ist, dass das Evangelium, die Botschaft von Jesus, von Gott so gedacht war, dass sie nicht an einem Ort bleibt. Dass sie nicht in Jerusalem bleibt oder in Warendorf bleibt, sondern dass diese Botschaft bis ans Ende der Erde getragen wird. Weil Gott Menschen retten will, die sehr unterschiedlich sind. Und Menschen, die sehr unterschiedlich sind, in seine Familie hinein berufen will. Wenn wir das Alte Testament lesen, dann sehen wir, dass Gott von Anfang an diese Perspektive hat. Schon allein mit der Berufung Abrams: Er und seine Nachkommen sollen ein Segen sein für die ganze Welt. Schon da hatte Gott diesen Plan gehabt, Menschen zu erreichen, die sehr unterschiedlich sind.
Wenn wir diese Geschichte lesen, sehen wir immer wieder, wie Gott sehr übernatürlich eingreift, damit dieser Mann das Evangelium hört. In Vers 26 bringt ein Engel Philippus auf diese Wüstenstraße. In Vers 29 sagt der Geist, dass Philippus in den Wagen steigen soll. In Vers 32 liest der Mann den perfekten Text: Jesaja 53. Wenn du das Alte Testament ein bisschen kennst, dann weißt du, Jesaja 53 ist wahrscheinlich die klarste Verheißung von Jesu Tod am Kreuz. Was für eine Steilvorlage für Philippus, um zu Jesus zu springen. Und dann natürlich: Wasser in der Wüste? Genug Wasser für eine Taufe, für ein Untertauchen. Und am Ende der Geschichte wird Philippus vom Geist entrückt und woanders hingeführt.
Wenn wir diesen Text lesen, dürfen wir nicht übersehen, dass nicht Philippus nur ein Anliegen hat für diesen Mann oder dass Philippus dieser Evangelist ist, der Missionar, der diesen Mann erreicht, sondern der Allmächtige Gott selber. Gott hat ein Herz für diesen Menschen. Und Gott will, dass dieser Mensch nicht nur das Evangelium hört, sondern dass dieser Mensch darauf reagiert und Teil seiner Familie wird. Gott ist der wirkliche Missionar, der ein Anliegen für Menschen hat. Philippus bekommt diesen Auftrag von Gott. Und er ist erstmal sehr kurz und nicht so klar: Geh auf die Straße nach Gaza. Mehr bekommt er gar nicht zu hören. Nicht „dort wirst du einen Mann treffen, der gerade die Bibel liest und er braucht deine Erklärung“, sondern: Geh auf die Straße nach Gaza und dann mal gucken, was passiert. Und Philippus ist gehorsam.
Der Mann aus Äthiopien – ein Suchender mit verschlossenen Türen
Was wissen wir über diesen Mann? Er wird hier als Äthiopier bezeichnet. Damals war das das Nubische Reich, also vielleicht Sudan, Äthiopien war damals etwas größer. Er wird je nach Übersetzung als Eunuch oder Kämmerer bezeichnet. In den meisten deutschen Übersetzungen wurde das Wort Eunuch vermieden. Eunuch heißt so viel wie jemand, der kastriert wurde. Fünfmal in diesem Text, eigentlich immer wenn dieser Mann bezeichnet oder genannt wird, steht im griechischen Text Eunuch. Es klingt so, als ob es den Übersetzern fast zu peinlich ist, das immer wieder zu betonen. Aber es ist ganz wichtig, dass dieser Text ihn als Eunuch bezeichnet.
Er ist ein Beamter der Kandake. Das heißt, er war am Hof der Königin oder der Königsmutter angestellt mit einer ganz wichtigen Position: Er war für die Finanzen verantwortlich, sozusagen der Finanzminister. Diese Position hat ihn sehr, sehr viel gekostet. Er hat es echt zu etwas gebracht auf der Karriereleiter. Und man fragt sich: Was sucht dieser Mann in Jerusalem, obwohl er eigentlich schon so viel hat, was seine Position angeht?
In Vers 27 heißt es: Er war gekommen, um zu Jerusalem anzubeten. Und er war auf der Rückkehr und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Wenn du diesen Halbvers liest, ist die Gefahr groß, dass du übersiehst, was für ein Schock und was für eine Ernüchterung dieser Mann durchgemacht hat, als er den ganzen Weg aus Sudan oder Äthiopien hoch nach Jerusalem gekommen ist, um diesen lebendigen Gott anzubeten. Und da heißt es nur: Er war auf der Rückkehr.
Wenn wir den alttestamentlichen Hintergrund haben, zum Beispiel 5. Mose 23, dann wissen wir, dass Fremde, aber auch Eunuchen, also kastrierte Männer, nicht in den Tempel gehen durften. Das heißt, das Einzige, was er in Jerusalem angetroffen hat, waren verschlossene Türen. Er kam dorthin und konnte den lebendigen Gott nicht anbeten. Er konnte keine Gemeinschaft mit ihm haben, weil er nicht zugelassen war zu Gottes Volk, zu Gottes Tempel, zu Gottes Haus.
Gott begegnet Menschen an unerwarteten Orten
Dieser Mann scheint ja sehr ernsthaft nach diesem Gott gesucht zu haben. Wir wissen nicht genau, was sein Motiv war, ob sein Job ihm nicht genug war, ob er irgendwas schon gehört hatte von diesem Gott Israels. Aber offensichtlich hatte er diesen Eindruck: Es fehlt mir was. Ich möchte diesen lebendigen Gott kennenlernen. Und so ist er enttäuscht von Jerusalem wieder zurück Richtung Heimat gereist. Und das einzige, was er mitnimmt aus Jerusalem, ist Enttäuschung und eine Rolle des Propheten Jesaja. Damals muss man sich vorstellen, es war kein Buch, sondern wirklich eine Rolle. Und er ist jetzt auf dieser Wüstenstraße, und Philippus wird in demselben Moment von Gott auf diese Straße geschickt.
Er kommt irgendwann neben diese Kutsche, wahrscheinlich weil die Kutsche relativ langsam fuhr, und Philippus fragt ihn: Hey, verstehst du eigentlich, was du da liest? Die Antwort ist natürlich: Nein, wie soll ich Jesaja verstehen? An dem Ort, wo man es gar nicht erwarten würde, in der Wüste, kommt Philippus direkt neben die Kutsche und erklärt ihm, was Jesaja bedeutet.
Zu oft glauben wir, dass man diesen lebendigen Gott nur an sakralen Orten findet. Es muss ein besonderer Ort sein, vielleicht die Gemeinde, vielleicht ein Kirchengebäude, da ist, wo man Gott begegnen kann. Und vielleicht hoffst du, wenn du selber Christ bist und ein Anliegen hast für deine nichtchristlichen Freunde oder Nachbarn, du hoffst, dass deine Freunde an diesen sakralen Ort kommen, in den Gottesdienst oder ins Kirchengebäude. Und ich glaube, was wir hier sehen, ist, dass Gott Menschen an sehr unterschiedlichen Orten begegnet. Man muss nicht unbedingt erst in eine Kirche gehen, damit man Gott erleben darf. Sondern gerade da, wo man ihn nicht erwartet, da begegnet Gott Menschen: im Büro, auf dem Unicampus, in der Nachbarschaft, zu Hause am eigenen Küchentisch, wo man Nachbarn einlädt und ihnen von Jesus erzählt. Ganz gewöhnliche Christen, die ihr Leben und ihren Glauben mit Menschen teilen, die Jesus noch nicht kennen. Da kann Gott Menschen begegnen.
Gottes Wort und der Heilige Geist gehören zusammen
Vielleicht fragst du dich: Wie kann ich Gott wirklich erleben? Ich wünschte, Gott würde zu mir reden. Und wir sehen, dass Gott diesem Mann hier durch sein Wort, durch Jesaja begegnet. Das heißt, wenn du sagst, ich würde Gott gerne erleben wollen: Die Bibel ist Gottes Offenbarung. Durch die Bibel spricht Gott zu Menschen. Und wenn du willst, dass Gott zu dir redet, öffne dieses Buch, lies dieses Buch. Ich bin mir ganz sicher, du wirst Gottes Reden auch zu dir persönlich hören. Und was Gottes Plan mit deinem Leben ist und mit der ganzen Welt.
Vielleicht hast du es schon mal gehört, es gibt so zwei Camps, so zwei Lager von Christen. Die einen lieben die Bibel und lesen die Bibel. Und man sagt, die anderen sind diejenigen, die vom Geist geleitet sind. Und man versucht das immer gegeneinander auszuspielen. Diese Gemeinde ist vom Geist geleitet, aber diese Gemeinde liebt die Bibel. Und ich finde es schön, wie hier bei Philippus wir beides sehen: Er ist offen für das Leiten des Geistes in seinem Leben, und er liebt die Bibel über alles. Er erklärt Jesaja, eine schwierige Stelle. Also das widerspricht sich überhaupt nicht, für Gottes Leitung offen zu sein und gleichzeitig die Bibel zu lieben und zu lesen und weiterzugeben.
Wer ist der Gottesknecht aus Jesaja 53?
Philippus steigt jetzt in diese Kutsche und sie reden gemeinsam. Man muss sich vorstellen, wie dieser Finanzminister diese große Rolle von Jesaja hat und so durch diese Rolle scrollt und irgendwann zu Jesaja 53 kommt. In Vers 32 wird zitiert: Er wurde wie ein Schaf zur Schlachtung geführt, und wie ein Lamm stumm ist vor seinem Scherer, so tut er seinen Mund nicht auf. In seiner Erniedrigung wurde sein Gericht weggenommen. Wer aber wird sein Geschlecht beschreiben? Denn sein Leben wird von der Erde weggenommen.
Kurz davor, in Jesaja 53, Vers 4 und 5, steht: Jedoch unsere Leiden, er hat sie getragen, und unsere Schmerzen, er hat sie auf sich geladen. Wir aber, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserem Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen eigenen Weg. Aber der Herr ließ ihn treffen unser aller Schuld.
Sie lesen diese Stelle und dieser Mann aus Äthiopien, dieser Eunuch, hat absolut keine Ahnung, wovon Jesaja spricht. Aber er hört, dass da jemand ist, der für andere Strafe und Schuld trägt. Er hört, dass da jemand ist, den Jesaja als Gottesknecht bezeichnet, der stellvertretend für andere leidet, wie ein Lamm geschlachtet wird. Jemand, der bereit ist, sich selber zu demütigen und gedemütigt zu werden, für andere, damit andere Frieden bekommen. Und es heißt auch: Wer aber wird seine Nachkommen beschreiben? Dieser Gottesknecht, von dem Jesaja spricht, wird keine Nachkommen haben. In der damaligen Zeit war es ganz wichtig, dass du Familie hast mit Nachkommen. Deine Nachkommen würden sozusagen dein Erbe und deinen Namen weitertragen.
Jetzt hört dieser Eunuch, dieser kastrierte Mann davon: Da ist jemand, der ist bereit, seine Zukunft aufzugeben. Da ist jemand, der ist bereit, sich erniedrigen zu lassen – für andere. Und dieser Eunuch denkt sich: Wer ist das? Ich will diesen Mann kennenlernen. Man muss sich vorstellen, wie seine Augen aufgerissen und die Ohren aufgerissen waren in dem Moment, weil er unbedingt wissen wollte, was das zu bedeuten hat. Philippus erklärt ihm: Es geht hier um Jesus. Du weißt, dass Jesaja 53 von Jesus handelt, aber dieser Eunuch hatte keine Ahnung. Und er hört das und denkt sich: Wer ist das? Wer ist für meine Schuld gestorben? Wer war bereit, für mich Erniedrigung auf sich zu nehmen, damit ich Frieden habe mit Gott?
Durch Jesus ist die Tür zu Gott weit offen
Das ist gewaltig für diesen Mann, was er hier erlebt und hört von Philippus. Er war getrennt von Gott, kein Zugang zu Gott, kein Zugang zum Haus Gottes. Aber jetzt in diesem Moment hört er von Jesus und dass er durch Jesus Zugang zu Gott dem Vater bekommt. Deine und meine Situation ist nicht so anders. Jeder von uns ist von Natur aus getrennt von Gott. Jeder von uns hat kein Recht, in Gottes Gegenwart zu treten, mit Gott Gemeinschaft zu haben, Teil von Gottes Familie zu sein. Aber Gott lädt dich durch Jesus Christus ein, zu ihm zu kommen, Frieden zu erleben, Beziehung zu Gott zu haben, Heilung zu erleben.
Der Vorhang, der für diesen Eunuchen zu war, die Türen und die Tore, die zu waren im Tempel, werden jetzt auf einmal aufgerissen durch Jesus Christus. Der Vorhang ist zerrissen durch Jesus, weil Jesus am Kreuz für dich und mich gestorben ist.
Spannend ist, dass dieser Mann mit Philippus wahrscheinlich noch weiter gelesen hat in Jesaja. Schaut mal in Jesaja 56, Vers 4 und 5: Den Eunuchen, die meine Sabbate bewahren und das erwählen, woran ich Gefallen habe, und festhalten an meinem Bund, denen gebe ich in meinem Haus und in meinen Mauern einen Platz und einen Namen, besser als Söhne und Töchter. Einen ewigen Namen werde ich ihnen geben, der nicht ausgelöscht werden soll.
Ist das nicht faszinierend? Er durfte nicht in den Tempel rein, und hier in Jesaja, 700 bis 800 Jahre vor Jesus, wird verheißen, dass Fremde und Eunuchen einen Platz im Haus Gottes bekommen. Einen Platz in den Mauern Gottes und einen Namen, der deutlich besser ist als eigene Kinder zu haben und damit eine eigene Zukunft zu haben. Was für ein Gott, der Menschen einlädt, zu ihm zu kommen und Teil seiner Familie zu werden. Wenn du noch nicht an diesen Jesus glaubst, dann gilt die Einladung auch dir heute. Jesus ist am Kreuz gestorben, damit die Tür weit offen ist zu Gott dem Vater. Dass du Gott erleben darfst und in seine Gegenwart treten darfst. Was für eine Gnade, was für ein Geschenk durch Jesus Christus.
Was machen wir mit diesem grenzenlosen Gott?
Das führt uns zur letzten Frage: Was machen wir jetzt eigentlich mit diesem Gott? Diesem grenzenlosen Gott. Das Evangelium von Jesus erwartet immer eine Reaktion. Also wenn du das Evangelium vielleicht heute zum ersten Mal hörst, dann darf deine Reaktion nicht einfach sein, zu sagen: Das hört sich sehr schön an. Sondern du musst dich entscheiden. Willst du diesem Jesus vertrauen und glauben? Oder will ich auf ewig getrennt sein von Gott? Will ich Teil von Gottes Familie sein? Oder will ich lieber alleine ohne Jesus leben und auf ewig getrennt sein von Gott?
Dieser Mann, der so eine Enttäuschung erlebt hat, als er nach Jerusalem gekommen ist, kann es kaum abwarten zu reagieren. In Vers 36 heißt es: Als sie aber auf dem Weg hinabzogen, kamen sie an ein Wasser. Und der Kämmerer sprach: Was hindert mich, getauft zu werden? Die Taufe hier als eine Reaktion, ein Symbol dafür, dass wir mit Jesus gestorben sind und auferstanden sind zu einem neuen Leben. Die Taufe als ein Symbol dafür, dass Gott uns durch Jesu Tod und Auferstehung gerettet hat. Und dieser Mann kann nicht abwarten zu reagieren.
Was für eine Freude hat dieser Mann hier erlebt? Morgens noch getrennt von Gott und jetzt in der Wüste ist er in Beziehung zu Gott. Er war schon längst weg, weg von Jerusalem, weg vom Tempel. Er hatte gar nicht mehr damit gerechnet, dass dieser lebendige Gott ihm begegnen würde. Und dann gilt die Botschaft ihm und Gott lädt ihn ein in seine Familie. Und wir nehmen an, und davon gibt es Zeugnisse, dass er der erste Missionar in Afrika war.
Was wir von Philippus lernen können
Philippus, so schnell wie er gekommen ist, ist er auch wieder verschwunden. Er wird vom Geist entrückt nach Aschdod, das liegt 30 Kilometer nördlich von Gaza. Am Ende dieser Predigt können wir sehr viel lernen darüber, wie ich, wie du Zeuge sein kannst für diesen Jesus, morgen und in den nächsten Wochen, aber auch darüber hinaus. Hier finde ich mindestens fünf Dinge, die wir lernen können:
Das Erste: Vertraue Gottes Leitung. Manchmal haben wir den Eindruck, dass wir ein Anliegen haben für Menschen, aber vergessen dabei, dass eigentlich Gott dieses Herzensanliegen hat, Menschen zu retten aus ihrer Verlorenheit. Gott will Menschen retten. Vertraue darauf, dass er dich auch gebrauchen wird und leiten wird zu den richtigen Menschen.
Das Zweite: Nutze Gelegenheiten. Warte nicht auf den perfekten Zeitpunkt oder den perfekten Ort. Vielleicht denkst du, beim Gemeindejubiläum in drei Jahren lade ich meinen Nachbarn ein. Super, macht es. Aber wie wär’s, wenn du Gelegenheiten morgen nutzt oder am Mittwoch, wenn du wieder deinen Studienkollegen siehst? Nutze Gelegenheiten, die Gott dir gibt. Morgen vielleicht fragt dich jemand: Was hast du am Wochenende getan? Und du sagst ganz mutig: Ich war im Gottesdienst. Was für ein guter Anlass, ins Gespräch zu kommen.
Das Dritte: Stelle Fragen. Philippus kommt nicht zur Kutsche und sagt dann direkt: Lass mich dir das Evangelium erzählen, ich habe vier Punkte für dich. Nein, er stellt eine Frage. Das sehen wir auch bei Jesus, dass er immer wieder Fragen gestellt hat, um Menschen herauszufordern, zum Nachdenken zu bringen. Stelle gute Fragen.
Das Vierte: Gebrauche Gottes Wort. Glaube nicht, dass du mit deiner Weisheit Menschen überzeugen musst. Vielleicht denkst du, ich muss erstmal ganz viel Apologetik wissen, damit ich Menschen zum Glauben führen kann. Es ist super hilfreich, das zu kennen. Aber am Ende hoffst du und glaubst daran, dass das hier Kraft hat und nicht deine Weisheit. Also nutze ganz schnell in deinen Gesprächen auch die Bibel. Vielleicht hast du zwei Minuten Gespräch mit jemandem und dann sagst du: Wie wär’s, wenn du mal das Markus-Evangelium liest? Und dann gibst du ihm das Markus-Evangelium und guckst mal, was Gott daraus macht.
Das Letzte: Sprich über Jesus. Die gute Botschaft, die wir haben, dreht sich um Jesus Christus. Das heißt, du musst dich nicht in Randdebatten verlieren. Vielleicht die Frage von Evolution und Schöpfung. Das sind wichtige Fragen. Oder Gender. Das sind wichtige Fragen. Aber die Botschaft, die wir haben, ist Jesus Christus. Deswegen versuche, wenn du gerade auch kurze Gespräche hast, über Jesus zu sprechen, anstatt direkt in Randdebatten einzusteigen, die an diesem Ort und diesem Zeitpunkt nicht angemessen sind.
Die Einladung gilt auch dir
Jesus, dieser Gott der Bibel, der lebendige Gott, ist grenzenlos. Ungeachtet von Kultur, Sprache, Hintergrund und Biografie. Glaubst du das? Wenn ja, dann bete darum, dass Gott dich gebraucht in den nächsten Wochen. Wenn du heute hier bist und sagst, ich bin mir noch gar nicht so sicher, ich glaube noch nicht an diesen Jesus, dann will ich dich heute ermutigen: Dieser Jesus lädt alle Menschen ein. Er lädt auch dich heute Morgen ein.

