Thema: Joel 1 als Bild der Klage
Prediger: Declan McMahon
Datum: 17. August 2025
Der Albtraum der Heuschreckenplage
Neben unserer Wohnung steht ein Feld und da hat der Bauer dieses Jahr Weizen angebaut. Für die Kinder war das dann ganz toll, als er kam mit seinem Mähdrescher und alles abgeerntet hat. Ich kam dann an dem Tag nach der Arbeit nach Hause und das Feld war einfach leer. Es war alles weg und das ist in der Erntezeit eigentlich gut, wenn man das selber gemacht hat als Bauer. Aber ich will euch heute mit hineinnehmen in einen absoluten Albtraum mit dem Propheten Joel, wo es den Bauern so ging: Sie kommen nach Hause oder gucken aus dem Fenster und ihr Feld ist leer, aber sie waren es nicht. Das war die Heuschrecke, eine Heuschreckenplage, die das Volk Israel heimgesucht und traumatisiert und mit Albträumen erfüllt hat.
Wer eine Bibel dabei hat, kann gerne Joel 1 aufschlagen. Wir starten heute eine kurze Predigtreihe durch das Buch Joel. Das ist ein prophetisches Buch und Propheten haben nicht hauptsächlich die Zukunft vorausgesagt – das würde man vielleicht denken – sondern sie hatten eine viel wichtigere Aufgabe, nämlich an den Bund mit Gott zu erinnern, an die Beziehung zu Gott, und dem Volk immer wieder zu sagen: Das, was ihr erlebt, das ist kein Zufall, sondern das müsst ihr mit Gott in Verbindung bringen.
Der Bund Gottes mit Israel
Gott hat einen Bund mit dem Volk Israel geschlossen, also eine Art Ehe, die er eingegangen ist. Er ist der Mann, Israel ist so etwas wie die Braut und der Punkt ist Treue, wie bei einer Ehe. Gott wird treu sein und bei ihm sein und zu ihm stehen und sie nicht verlassen. Und sie sollen auch Gott treu sein und ihn nicht verlassen, indem sie seine Gebote erfüllen. Der Bund wird schriftlich fixiert, es gibt eine richtige ordentliche Abmachung. Teil dieser Abmachung ist, was passieren wird, wenn das Volk Israel den Bund bricht, wenn sie nicht treu sind, wenn sie Gott verlassen. Dann heißt es, würde Gott Israel schlagen, wie er Ägypten geschlagen hat – so wie die ägyptischen Plagen, unter anderem auch Heuschrecken wird er senden. Das steht in 5. Mose 28. Wenn du ein gruseliges Kapitel der Bibel lesen möchtest, dann empfehle ich dir das, da geht es auch um den Effekt, den solche Plagen auf die Seele der Menschen haben werden.
Joels Aufgabe dabei ist, daran zu erinnern als Prophet und zu sagen: Leute, wir sind in einem Bund, in einer Beziehung mit einem heiligen Gott und haben ihm geschworen, zu ihm zu gehören und ihm gehorsam zu sein. Und dann auch das Leid, das Israel erlebt – unter anderem diese Heuschreckenplage – einzuordnen als Gericht Gottes, nicht als Zufall, nicht als etwas, das einfach so irgendwie passiert, sondern etwas, das mit ihrem Bund, mit ihrem Bundesbruch zusammenhängt. Sie sind weit weg von Gott, das zeigt die Heuschrecke, und sie müssen nach Hause kommen und umkehren zu ihm.
Joel 1: Die Verwüstung beschreiben
Ich lese jetzt mal vor aus Joel 1, der erste Vers: „Das ist Wort des Herrn, das an Joel, den Sohn Petuels, erging.“ Wir wissen nicht, wann Joel gelebt hat oder gewirkt hat, es ist auch nicht wichtig für die Auslegung, weil das so allgemeingültig ist, was er uns beschreibt. Wenn wir das jetzt lesen, achte darauf: Wie ist das für ihn, mit dieser Tatsache umzugehen? Gott ist ein Richter und er hat uns gerichtet. Was macht das mit ihm?
Er sagt in Vers 2 bis 4: „Hört das, ihr Ältesten, und achtet darauf, alle Bewohner des Landes. Ist so etwas jemals in euren Tagen oder in den Tagen eurer Väter geschehen? Erzählt davon euren Kindern und euren Kindern ihren Kindern und deren Kinder dem künftigen Geschlecht. Was der Nager übrig ließ, das hat die Heuschrecke gefressen, und was die Heuschrecke überließ, das hat der Fresser verzehrt, und was der Fresser verschonte, das hat der Verwüster aufgefressen.“
Joel sagt: Hört zu! Er spricht Leute direkt an und sagt, es gab eine Heuschreckenplage bei uns. Er will, dass seine Zuhörer darüber nachdenken, was das bedeutet, dass das ihm passiert ist. Es ist ein Wunder – oder ein Antiwunder eigentlich – was da geschehen ist, ein Gericht Gottes. Und wenn er sagt, erzählt das euren Kindern und die sollen es den Enkeln erzählen und den Urenkeln, dann stellt Joel dieses Geschehen praktisch auf eine Stufe mit dem Auszug aus Ägypten. Das war das andere, das die Israeliten von Generation zu Generation weitererzählen sollten. Das, was Gott den Ägyptern angetan hat, das sollte man den nachfolgenden Generationen erzählen, und jetzt sagt er: Gott hat uns etwas angetan und das muss weitererzählt werden. Er nennt dabei vier Arten von Heuschrecken oder auch vier Lebensphasen der Heuschrecke – das weiß man halt nicht so genau von der Sprache her. Die steht ihm im Mittelpunkt.
Die Trinker und der verlorene Wohlstand
Joel weckt jetzt eine Bevölkerungsgruppe nach der anderen quasi auf und er fängt mit den Trinkern an, mit der Partygruppe. „Wacht auf, ihr Trunkenen, und weint. Und jammert, ihr Weintrinker alle, wegen des Mosts, weil er euch vom Mund weggenommen ist. Denn ein Volk hat mein Land überzogen, das ist mächtig und ohne Zahl. Es hat Zähne wie Löwenzähne und ein Gebiss wie eine Löwin. Mein Weinstock hat es verwüstet und mein Feigenbaum kahl gefressen. Sogar die Rinde hat es vollständig abgeschält und weggeworfen. Weiß geworden sind seine Zweige.“
Joel geht auf die Party und klatscht das Bier aus der Hand von dem Mund der Trinker und sagt: Das ist alles weg! Das ist das letzte Glas Bier, das ist der letzte Krug Wein. Der Weinberg ist weg. Haben die alles aufgegessen. Und das sind Bilder für Wohlstand im Alten Testament: der Weinberg, der Feigenbaum. Die sind teuer und die bringen viel Einnahmen. Der Wohlstand ist weg. Verarmung der Gesellschaft als Gericht von Gott. Kommst du klar damit? Das ist, was Joel uns heute fragen würde. Oder widerspricht das deiner Vorstellung von Gott, deiner Theologie? Und er benutzt ein starkes Bild für die Heuschrecken. Er sagt, sie sind wie Löwen. Er will deine Aufmerksamkeit. Stell dir vor, hier wäre jetzt ein Löwe. Alle würden den angucken und dann zur Tür gucken. Das ist, was er hier machen will.
Die Braut in Trauerkleidung
Jetzt spricht er alle an in Vers 8: „Klage wie eine Jungfrau, die mit Sacktuch umgürtet ist wegen des Bräutigams ihrer Jugend. Speisopfer und Trankopfer sind im Haus des Herrn entzogen. Es trauern die Priester, die Diener des Herrn. Das Feld ist verheert, der Acker trauert, denn das Korn ist verwüstet, das Obst ist verdorrt, die Ölbäume sind verwelkt.“
Der Gottesdienst kann nicht passieren. Für den Gottesdienst haben sie diese Agrarprodukte gebraucht. Um ein Trankopfer zu bringen, brauchst du Wein. Um ein Speisopfer zu bringen, brauchst du die Feldfrüchte. Das heißt, hier ist ein Eingriff in den Gottesdienst und Joel sagt, das ist ein Gericht Gottes. Die richtige Haltung hier, die richtige Reaktion, die er wünscht, ist Gottesfurcht. Sie ist nicht politisch. Die schimpfen nicht über das Klima, sondern – vielleicht tun sie das – aber Joel will, dass sie sagen: Das ist ein Gericht über uns, dass wir jetzt keinen Gottesdienst feiern können, wie wir es kennen und wie Gott es vorgegeben hat.
Hier ist ein ganz starkes Bild: eine Braut, die ihr Brautkleid eintauscht gegen ein Trauergewand. Das war aus schwarzem Ziegenhaar. Warum? Im Bild gesprochen: Ihr Bräutigam ist gestorben. Anstelle der Hochzeit gibt es eine Beerdigung. So fühlt es sich für Israel an, was passiert ist. So fühlt es sich für Joel an, zu sehen, wie seine Gesellschaft jetzt den Bach untergehen wird. Das kann man nicht machen, ein Jahr ohne Essen. Das wird auf Jahrzehnte, auf Generationen Folgen haben. Das sind Existenzen verschwunden und die kehren nicht einfach wieder.
Die Bauern, Winzer und Priester
Auch die Priester sind betroffen, weil sie nicht Felder bestellen, sondern im Tempel arbeiten. Die kriegen den Zehnten normalerweise zur Erntezeit, nicht in Form von Bargeld unbedingt, sondern in Form von diesen Agrarprodukten, die sie dann essen bzw. verkaufen können. Das wäre vergleichbar damit: Stell dir vor, man kann seinen Pastor nicht bezahlen. Der verhungert, weil wir alle verhungern. Das ist hier, um was es für uns heute gehen würde.
Als Nächstes sind die Bauern und Winzer dran. „Die Bauern sind enttäuscht, die Winzer jammern wegen des Weizens und der Gerste, denn die Ernte des Feldes ist verloren, der Weinstock ist verdorrt, der Feigenbaum verwelkt. Granatbäume, Palmen, Apfelbäume, alle Bäume des Feldes sind verdorrt. Ja, den Menschenkindern ist die Freude vergangen.“ Er nennt da sieben Feldfrüchte in der Reihenfolge, in der sie normalerweise geerntet werden. Die ganze Ernte ist hin, sagt er.
Zum Schluss spricht er noch mal die Priester an: „Umgürtet euch und klagt, ihr Priester. Jammert, ihr Diener des Altars. Kommt her und verbringt die Nacht im Sacktuch, ihr Diener meines Gottes. Denn Speisopfer und Trankopfer sind im Haus eures Gottes entzogen. Heiligt ein Fasten, beruft eine allgemeine Versammlung. Versammelt die Ältesten, alle Bewohner des Landes zum Haus des Herrn eures Gottes und schreit zum Herrn.“
Gottesdienst geht nicht mehr, die Pastoren können nicht arbeiten. Sie sollen nicht in den Urlaub fliegen, sagt er, weil es gerade nicht funktioniert, sondern sie sollen in Sack und Asche kommen und alle anderen auch. Er sagt, sie sollen sich als Volk versammeln, sie sollen zusammenkommen, beten und fasten und zu Gott schreien. Vielleicht hört er und lässt nach und sorgt dafür, dass das Gericht ein Ende nimmt.
Der kommende Tag des Herrn
Dann klagt er selber noch, das sind die letzten Verse aus Joel für heute. Er weiß nämlich, es kommt noch mehr. Die Heuschrecken waren nur der Anfang. Es kommt der Tag des Herrn, ein Tag, an dem Gott richten wird und zwar nicht nur seine Feinde, sondern auch sein Volk Israel. Und davor graut es Joel. Es gibt zwei Arten von Tag des Herrn. Die eine Art ist das, was ständig passiert und ständig passieren kann: eine Heuschreckenplage, andere Katastrophen, alles Mögliche eigentlich. Alles, was nicht Segen ist, kann ein Tag des Herrn sein, wenn es sozusagen weit genug ausufert. Und dann gibt es den Tag des Herrn, das ist das letzte Mal, wo Gott richten wird. So ein Tag kommt noch im Buch Joel.
„Ach, was für ein Tag! Ja, der Tag des Herrn ist nah, er kommt als eine Verwüstung vom Allmächtigen. Ist nicht vor unseren Augen die Nahrung weggenommen worden, Freude und Frohlocken vom Haus unseres Gottes? Verdorben sind die Samenkörner unter den Schollen, die Speicher stehen leer, die Scheunen zerfallen, ja das Korn ist verwelkt. Oh, wie seufzt das Vieh, wie sind die Rinderherden zerstört, weil sie keine Weide haben. Auch die Schafherden gehen zugrunde.“
„Zu dir, oh Herr, will ich rufen. Denn das Feuer hat die Auen der Steppe verzehrt und die Flamme hat alle Bäume des offenen Feldes versenkt. Auch die Tiere des Feldes lechzen nach dir, weil die Wasserbäche vertrocknet sind und das Feuer die Auen der Steppe verzehrt hat.“
Wegen der Sünde des Menschen, wegen der Sünde des Bundesvolkes, wegen der Sünde der Menschen, die zu Gott gehören, leidet hier die Schöpfung, die Natur. Das ist wie schon beim Sündenfall: Die Menschen Gottes, Adam und Eva, sündigen, die Natur leidet. Es gibt keine Blumen mehr, die sie schmücken, sondern Dornen. Die Sünde stürzt die geordnete gute Schöpfung und auch die Gesellschaft ins Chaos zurück wie vor der Schöpfung. Israel ist jetzt wüst und leer.
Was ist die Anwendung für uns?
Ich glaube, es wird Zeit, mal zu gucken: Was ist hier eigentlich die Anwendung? Was hat das mit uns zu tun und was mit unserem Herrn Jesus? Was will Joel hier eigentlich in diesem ersten Kapitel? Er will eine Reaktion. Er will, dass, wenn wir so etwas erleben würden wie eine Heuschreckenplage, dass wir das einordnen und gottesfürchtig darauf reagieren.
Er gibt viele Befehle hier: Hört, achtet darauf, erzählt, wacht auf, weint, jammert, klage, umgürtet euch, klagt, jammert, kommt her, verbringt die Nacht im Sacktuch, heiligt ein Fasten, beruft eine allgemeine Versammlung, versammelt euch zum Haus des Herrn, schreit zum Herrn. Das sollen alle machen. Das heißt auch die, die nichts falsch gemacht haben. Das Gericht betrifft nämlich alle. Auch der Frömmste hat seine Ernte verloren. Da ist ja kein Hinweis darauf, dass die Heuschrecken irgendwie wählerisch sind und nur zu den Gottlosen fliegen.
Und so ist es hier auch: Selbst wenn jemand tatsächlich nichts falsch gemacht hat, selbst er – gerade er – soll zu dieser Versammlung kommen und Buße tun und um Hilfe zu Gott schreien. Gerade die, die dem Herrn treu geblieben sind, weil die anderen kommen wahrscheinlich nicht, die sitzen bei sich zu Hause und fluchen Gott.
Stellvertretende Buße als Reaktion
Und hier ist also als Reaktion: Wie reagieren wir, wenn etwas Schlimmes passiert? Wenn wir auch denken, wir wissen ungefähr, wer schuld ist? Hier ist nicht mal Fremdschämen angesagt, sagt Joel über seine Gesellschaft. Die Frommen sollen nicht da sitzen und denken: Also die weltlichen Leute schon wieder. Und jetzt baden wir hier das Gericht aus, weil die den Bund gebrochen haben. Sondern Fremdbuße ist die Reaktion, die er sich wünscht. Wir sagen: Wir tun Buße für die anderen, weil sie es nicht tun. Und vielleicht bringt es etwas.
Gibt es so etwas auch heute noch? Ein Gericht von Gott über eine ganze Gesellschaft, vielleicht über unsere Gesellschaft – gibt es so etwas noch? Ist das, wie wir schlimme Dinge einordnen sollen? Oder ist das irgendwie eine theologische Ausnahme, weil es Israel ist? Und wenn es so etwas noch gibt, ist Buße – auch Fremdbuße und Kollektivbuße – immer noch die angemessene Reaktion darauf. Und ich will in der Zeit, die wir noch haben, zeigen: Die Antwort auf beide Fragen ist Ja. Ja, die schlimmen Dinge, die in unseren Gesellschaften passieren, kommen von Gott. Und ja, wir sollten nicht in den Bunker gehen und abstumpfen über die anderen, sondern mit Buße reagieren.
Jesus als König und Richter
Schlag mal Offenbarung 5 auf. Da geht es um Jesus nach seiner Himmelfahrt. Nach seinem Tod am Kreuz und nach seiner Auferstehung ist Jesus in den Himmel gefahren. Dort hat er sich zur Rechten Gottes auf den Thron gesetzt, um zu regieren über alles, was auf diesem Planeten geschieht. Der Unterschied zu vorher ist: Natürlich war Gott der Sohn immer schon König des Universums, aber jetzt ist er das auch als Mensch. Ein Mensch aus einer Kleinstadt in einer römischen Provinz ist jetzt König des Universums.
Und das – vielleicht denken wir zu selten darüber nach – was machen Könige eigentlich? Die sitzen nicht rum und warten. Sie treffen Entscheidungen. Sie richten Menschen. Sie belohnen Menschen. Sie tun Dinge. Was tut Jesus eigentlich jetzt im Himmel?
In Offenbarung 5, Vers 1, heißt es: „Ich sah im Himmel in der Rechten dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, innen und außen beschrieben, mit sieben Siegeln versiegelt.“ Also hier sitzt Gott auf seinem Thron, in seiner Hand ist ein Buch. Es ist versiegelt – was ist da drin? Der Rest der Offenbarung ist da drin. Das ist der Plan Gottes für den Rest der Menschheitsgeschichte bis zum Tag des Herrn. In diesem Buch – man könnte das so sagen – das sind lauter Tage des Herrn drin und auch der allerletzte, der große. Das, was im Laufe der Menschheitsgeschichte passieren soll, ist kein Zufall, sondern etwas, das Gott vorher geschrieben hat – ja, dafür steht ein Buch – und in seiner Hand festhält.
Wer ist würdig, das Buch zu öffnen?
Und jetzt ist die Frage in Vers 2: Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen? Vers 3: Niemand. Vers 5: „Siehe, es hat überwunden der Löwe, der aus dem Stamm Juda ist, um das Buch zu öffnen und seine sieben Siegel zu brechen.“
Also, wer ist würdig, das Buch zu öffnen, heißt: Wer ist würdig zu richten? Wer ist würdig? Welcher Mensch ist würdig zu sagen: Ich schicke jetzt ein paar Tage des Herrn – dieses Volk, diese Gesellschaft, diese Gruppe, dieser Landstrich – die richte ich jetzt? Antwort: Niemand. Niemand ist würdig. Keiner von uns darf der Richter sein, weil wir die Schuldigen sind, nicht der Richter. Kein Mensch ist würdig zu richten, außer einer. Und das ist dieser Löwe. Der Löwe kann und soll die Siegel öffnen – das ist Jesus, das Lamm, das den Tod überwunden hat per Auferstehung.
Das heißt dann in Vers 6: „Und ich sah in der Mitte des Thrones ein Lamm, wie geschlachtet. Und es kam und nahm das Buch aus der Rechten dessen, der auf dem Thron saß.“ Und sie sangen ein neues Lied, in dem sie sprachen, Vers 9: „Du bist würdig, das Buch zu nehmen und seine Siegel zu öffnen.“ Und dann noch Kapitel 6, Vers 1: „Und ich sah, wie das Lamm eines von den Siegeln öffnete. Und ich sah, und siehe, Vers 2, ein weißes Pferd, und der, der auch saß, hatte einen Bogen.“
Also was hier geschieht ist: Jesus ist im Himmel, er sitzt auf dem Thron als König, und jetzt schickt er aus dem Himmel ein Gericht. Er schickt es vom Himmel auf die Erde und auf der Erde geschieht dann etwas. Jesus öffnet das Buch im Himmel und ein Gericht Gottes geschieht auf Erden. Und alles, was im Buch Offenbarung noch passiert, funktioniert nach dieser Logik. Es ist etwas von Jesus aus dem Himmel auf die Erde Gesandtes. Jedes einzelne Gericht – die sieben Siegel, die sieben Posaunen, die sieben Schalen, das Endgericht selbst – er ist derjenige, der es schickt. Jesus Christus ist der Gott des Himmels, der die Heuschrecken nach Israel gesandt hat im Buch Joel.
Die Heuschrecken Christi in Offenbarung 9
Und was man beim Buch Offenbarung am meisten verstehen muss, ist: Da geht es nicht um Dinge, die irgendwann am Ende geschehen. Da geht es um alles, was geschieht. Deswegen ist das Buch für alle Christen aller Zeiten relevant. Sonst müssten wir sagen, die Bibel ist nicht relevant für uns. Aber das kann nicht sein, die ist für uns alle relevant. Diese Dinge geschehen jeden Tag. Seitdem Jesus in den Himmel aufgestiegen ist, geschehen sie durch ihn. Es ist sein Lohn für seinen Tod. Er ist jetzt König. Er hat die Welt geerbt. Gott regiert die Welt durch seinen Sohn, durch die Gerichte, die sein Sohn schickt. Das ist, was Jesus meinte, als er sagte: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.“ Oder was Paulus meinte, wenn er in Römer 1, Vers 18, sagt: „Denn es wird geoffenbart der Zorn Gottes vom Himmel über alle Gottlosigkeit.“
Als Christen dürfen wir wissen und vertrauen: Gott sorgt für Recht zu seiner Zeit und mit seinen Mitteln. Wir wissen nicht genau genug wie, um jetzt immer mit dem Finger zu zeigen und zu sagen: Aha, das war ein Gericht. Das ist nicht, was man hier machen sollte. Aber wir können als Christen auch nicht so blauäugig sein und sagen, Gott hat nichts mit nichts zu tun. Der Jesus sitzt da oben und dreht Däumchen, bis er wieder kommt. Nein, er regiert, bis er wieder kommt.
Schickt er also auch heute noch Heuschreckenplagen? Blätter mal weiter in Offenbarung bis Offenbarung 9. Da geht es um die Heuschrecken Christi. In Offenbarung 9 fällt ein Stern vom Himmel auf die Erde. Das steht für einen gefallenen Engel. Das symbolisiert einen Engel, einen bösen Engel oder einen Dämon. Der öffnet einen Abgrund. Also er hat einen Schlüssel bekommen vom Himmel, von Jesus – die Autorität, einen Abgrund zu öffnen auf der Erde. Und aus diesem Abgrund steigt Rauch hervor. Offenbarung 9, Vers 2, und dann Vers 3: „Aus dem Rauch kamen Heuschrecken auf die Erde.“
Und dann heißt es: „Die Gestalten der Heuschrecken glichen Pferden, die zum Kampf gerüstet sind. Und auf ihren Köpfen trugen sie etwas wie Kronen, dem Gold gleich, und ihre Angesichter waren wie menschliche Angesichter. Und sie hatten Haare wie Frauenhaare und ihre Zähne waren wie die der Löwen. Und sie hatten Panzer wie eiserne Panzer und das Getöse ihrer Flügel war wie das Getöse vieler Wagen und die Pferde, die zur Schlacht eilen. Und sie haben als König über sich einen Engel, den Engel des Abgrunds. Sein Name ist auf Hebräisch Abaddon.“
Die dämonischen Heuschrecken sind schlimmer
Also das ist hier eine der gruseligsten Stellen in der Offenbarung. Was Johannes hier macht, ist: Er vergleicht diese Heuschrecken mit den Heuschrecken Joels. Joel hat auch gesagt: Meine Heuschrecken sind wie Pferde und wie Löwen, sie sind unglaublich laut. So, das sagt er auch alles. Und was Johannes hier macht – was Gott macht in der Vision, die er ihm gibt – ist, er sagt: Wenn ihr dachtet, die Heuschrecken Joels wären schlimm gewesen, dann werdet ihr noch staunen. Ihr werdet ohnmächtig hinfallen vor den gruseligen Heuschrecken meines Sohnes. Die haben einen dämonischen Anführer, den Abaddon.
Jesu Heuschrecken sind also dämonisch angehaucht. Die sind viel schlimmer als die natürlichen und wörtlich gemeinten Heuschrecken von Joel. Das, was Jesus als Gericht schickt, ist schlimmer als das, was Joel erlebt in Israel. Also, wenn wir zu Joels Zeiten mit Buße reagieren sollen auf Gericht, dann sollen wir das jetzt noch viel mehr, weil es unser Herr Jesus ist, der richtet.
Jesu Heuschrecken sind symbolisch gemeint. Das hier, es geht ja nicht um irgendwelche genmanipulierten Monsterheuschrecken oder so etwas, sondern hier – wie im sonstigen Buch der Offenbarung – stehen sie für dämonische Aktivität, die von Jesus erlaubt ist. Er gibt den Schlüssel für den Abgrund diesem Engel, damit er diese dämonisch angehauchten Wesen befreit.
Dämonische Aktivität als Gericht
Was das im Klartext bedeutet, ist unter anderem: Jesus richtet Gesellschaften heute, indem er den Dämonen freien Lauf schenkt. Und das ist eine gute Art, auf unsere Gesellschaft zu blicken. Dann verstehst du, warum der Okkultismus so stark wird oder warum es so viele falsche Religionen gibt in der Welt und dass sie immer weiter aufsteigen. Die ganzen Filme, Serien und Spiele, die okkulte Dinge propagieren, die Sexualisierung unserer Gesellschaft, die Abtreibung in unserer Gesellschaft, das ganze Thema mit Gender und so weiter, Drogensucht, Konsumsucht, die postmoderne Rebellion gegen jede Art von Autorität. Diese Dinge sind in der Bibel quasi dämonisch angehaucht.
Der Gedanke ist: Die Menschen sind schon böse, aber Gott übergibt sie ihrer Bosheit – in Römer 1 – und in Offenbarung, indem die Dämonen das noch weiter treiben lassen, bis ins Extrem. Deshalb gibt es Christenverfolgung in 78 Ländern auf dieser Welt. Deshalb gibt es Besessenheit in vielen Ländern und extrem hohe Selbstmordraten in anderen Ländern. Wer profitiert davon, kann man sich immer wieder fragen.
Die gottesfürchtige Reaktion
Was ist unsere Reaktion auf solche Dinge in unserer Gesellschaft und in unserer Welt? Was ist die gottesfürchtige Reaktion, die Joel gesucht hat in Israel? Heute ist ja typisch für Christen, besonders für uns Konservativere: Augenrollen, Entrüstung – die da, schon wieder, immer dieselben, die anderen. Oder eine Bunkermentalität: Wir müssen uns jetzt, wir können nicht mehr, wir müssen uns jetzt verbergen, das ist zu schlimm, was da draußen ist. Abgestumpftheit – das wird ja auch bestärkt durch die Medialisierung all dieser Dinge. Das ist einfach, ach, ein Herbst, noch ein Krieg, noch eine Plage irgendwo, ich kann nicht mehr. Oder Zynismus auch. Es ist ganz oft etwas, wo Christen hineinfallen können.
Aber wo ist die Buße darüber, dass unser Herr unsere Gesellschaft, unsere Welt, unsere Zivilisation so richtet? Wo ist der Schmerz darüber, den Joel empfindet und zu dem er auffordert? Wir sind nicht neutral. Das ist Gottes Schöpfung, die den Bach runtergeht, und seine Ebenbilder, die bis zur Unkenntlichkeit entstellt werden und Dämonen ausgeliefert sind. Natürlich steht er darüber als souveräner Herrscher seiner ganzen Schöpfung. Aber das macht es ja nicht nicht schlimm, was passiert.
Also eigentlich sollten wir heute genauso reagieren. Und deshalb ist die Frage: Wirst du den Herrn Jesus anrufen, wie Joel es sagt in Joel 1, 19? „Zu dir, oh Herr, will ich rufen.“
Buße als Antwort auf das Gericht
Joels Heuschrecken waren ein Gericht über die ganze Gesellschaft. Es hat alle betroffen. Wenn wir so etwas erleben, was ist unsere Reaktion? Die gottesfürchtige Reaktion darauf ist Trauer und Buße und Schmerz. Nicht Fremdschämen, Ärgern, irgendwie dagegen immer nur schießen. Unser moderner Lebensstil ist schon ein Gericht. Es ist nicht so, dass Jesus im Himmel sitzt und über das westliche Leben nachdenkt und sagt, ich glaube, ich müsste das mal richten. Das ist schon das Gericht, dass er uns Menschen so leben lässt, wie wir es tun, dass er dem Ganzen kein Einhalt gebietet.
Und die gottesfürchtige Reaktion auf all diese Übel unserer Zeit und auf jede Naturkatastrophe ist Umkehr, Umkehr zu Gott. „Zu dir, oh Herr, will ich rufen“, sagt Joel. Und wir dürfen als Christen einfach nie abstumpfen für diese Themen, sondern müssen uns bewegen lassen wie Joel. Fühle diesen Propheten und rufe deinen Herrn Jesus an wegen all dem Chaos, das seine Schöpfung versinken lässt.
Unser Bund durch Jesus
Wir sind ja auch in einem Bund. Also die gleiche Art, Beziehung zu führen und zu strukturieren, wie Gott mit Israel hatte – ein Bund, eine Ehe – hat er auch mit uns. Jesus hat mit seinem Blut einen Bund für uns mit Gott geschlossen. Zwischen dir und Gott, deine Beziehung zu ihm, das kommt von ihm. Das ist nicht deine Idee gewesen. Du hast das irgendwie entdeckt oder hast im Internet Predigten gehört und dann alles erkannt oder bist hierher gekommen, dich entschieden. Das hast du ja alles gemacht. Aber das wäre nichts gewesen, wenn Jesus nicht gesagt hätte: Ich bereite das vor, ich schaffe das.
Wir haben einen Bund, eine Beziehung mit Gott durch Jesus. Und wir brechen diesen Bund auch dauernd, genau wie das Volk Israel. Lass dich von Joel an deinen Bund mit Gott erinnern, dass du zurückkommst zu dieser Beziehung immer wieder.
Das Gebot der Liebe
Das Gebot, nach dem unser Bund strukturiert ist: Also Israel hatte ganz viele Gebote, die sie halten sollten. Wenn sie die brechen, brechen sie den Bund, zerstören sie die Beziehung mit Gott. Jesus hat für unseren Bund ein Gebot, mit dem er alles zusammenfasst. Und das ist das Gebot der Liebe: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele, mit deinem ganzen Denken, mit deiner ganzen Kraft – und deinen Nächsten wie dich selbst.“
Wo haben wir diesen Bund der Liebe, dieses Gebot der Liebe nicht gelebt? Wer hat es überhaupt jemals erfüllt, könnte ich fragen. Oder kannst du sagen, dass du Gott jeden Tag deines Lebens so geliebt hast, mit all deiner Kraft und deinem ganzen Herzen, mit all deinem Denken? Und deinen Nächsten mit all der Gewalt, mit der du dich selbst liebst? Das ist ja wie ein schwarzes Loch für unser Leben, die Liebe zu uns selbst. Alles dreht sich um diesen Trichter und fällt hinein zu mir. Mein ganzes Leben ist auf mich ausgerichtet. Aber es müsste auf dich ausgerichtet sein, auf euch. Komplett andersherum.
Ausblick: Umkehr
Nächste Woche geht es um Umkehr. Joel hat heute das Gericht ausgebreitet und gezeigt, wie schlimm es ist, wie man emotional darauf reagieren soll. Und nächste Woche wird es praktisch. Da geht es um Umkehr, um Buße, um das Zurückkommen zu Gott und zu seinem Gebot. Und da will ich dir Mut machen, wenn das Wort dich schon triggert – Buße oder Umkehr – weil du dann negative Erfahrungen gemacht hast in anderen Gemeinden oder auch bei uns oder in deiner Familie. Dann will ich dir Mut machen: Lass dich auf das ein, wie Joel es beschreibt. Er ist als Prophet besonders dafür da. Das war sein Auftrag, dieses Thema Umkehr zu Gott zu vermitteln.

