Thema: Perspektiven – Wechsel
Prediger: Waldemar Fitz
Datum: 2025-09-07
Eine Geschichte, die erschüttert
Ich möchte euch heute eine Geschichte mitbringen, und bevor wir in den Text aus dem Alten Testament einsteigen, möchte ich euch noch eine andere Geschichte erzählen. Es ist ein paar Jährchen her, es war im Mai 2018. Da habe ich eine Nachricht über das Radio mitbekommen, die mich ein Stück weit erschüttert hat. Das war im Kreis Schloss-Holte Stukenbrock. Dort wurde ein Mitarbeiter einer Firma festgenommen. Man hatte nämlich durch Videoaufnahmen festgestellt, dass er heimlich auf die Pausenbrote seiner Kollegen irgendetwas draufgestreut hatte. Es war ein Pulver, eine Blei- und Cadmiumverbindung – und letztendlich sehr giftig.
So hat er nach und nach, weil er es immer wieder gemacht hat über einen längeren Zeitraum, seine Kollegen vergiftet. Es fiel zunächst gar nicht auf. Man hat aber später, weil eine Kamera installiert wurde, das überprüfen und feststellen können, dass er es war. Und da war es für einige bereits zu spät. Ein Kollege hatte schwerste Hirnschäden, fiel ins Wachkoma und ist auch verstorben. Zwei weitere Kollegen haben schwere Nierenschäden davongetragen und sind bis heute Dialyse-Patienten.
Als ich das gehört habe, war ich ein Stück weit schockiert. Was mich am meisten schockiert hat, war die Frage: Wozu sind wir Menschen eigentlich in der Lage? Es gab keinen Streit. Es gab nichts, was nach außen auffiel, warum er diese Tat begangen hat. Bis heute spekuliert man über die Motive. Es war scheinbar alles in Ordnung untereinander. Aber es war ein unscheinbares Pulver, das ins Essen gemischt wurde, und es vergiftete nach und nach den ganzen Körper. Eine tragische Geschichte, die einmal mehr zeigt, wozu der Mensch alles fähig ist.
Der Kontext: Das Volk Israel in der Wüste
Ich möchte uns heute genauso in eine andere tragische Geschichte hineinnehmen aus dem Alten Testament. Auch da geht es um Gift, es geht um Tod und es geht um Menschen. Bevor wir in den Text aus 4. Mose einsteigen, möchte ich etwas zum Kontext sagen, weil er wichtig zu verstehen ist.
Es geht um das Volk Israel. Sie waren aus der Sklaverei, aus Ägypten ausgezogen, und Gott hatte seine schützende Hand immer wieder über das Volk gehalten. Er war da in der Nacht und am Tage. Er versorgte sie mit Manna, mit Wasser, mit Wachteln. Und doch passiert es immer wieder, dass das Volk anfängt zu murren.
Ein negativer Höhepunkt war dann, als die zwölf Kundschafter in das Land Kanaan geschickt werden und wieder zurückkommen. Sie berichten, es ist ein ganz tolles Land, wo Milch und Honig fließt. Aber zehn von den zwölfen verbreiten Angst über die militärische Stärke der Einwohner. Nur zwei – Kaleb und Josua – sind voller Zuversicht und Vertrauen, dass sie es mit Gottes Hilfe einnehmen werden. Aber was macht das Volk? Sie hören auf diese zehn und nicht auf diese zwei und lehnen sich schon wieder gegen Gott auf. Das wird in den Kapiteln 13 bis 14 in 4. Mose beschrieben.
Gott bestraft sie dann. Er bestraft sie, indem er sie noch 40 weitere Jahre in der Wüste bleiben lässt. Letztendlich muss eine neue Generation heranwachsen, deren Herzen nicht so hart und widerspenstig gegenüber Gott sind. Die Bibel berichtet uns kaum etwas über diese lange Verlängerungszeit. Das Volk wandert hin und her und eine neue Generation wächst heran.
Der Bibeltext: 4. Mose 21,4-9
„Da zogen sie vom Berg Hor weg auf dem Weg zum Roten Meer, um das Land der Edomiter zu umgehen. Aber das Volk wurde ungeduldig auf dem Weg, und das Volk redete gegen Gott und gegen Mose: Warum habt ihr uns aus Ägypten heraufgeführt, damit wir in der Wüste sterben? Denn hier gibt es weder Brot noch Wasser, und unsere Seele hat einen Ekel vor dieser elenden Speise. Da sandte der Herr Seraphschlangen unter das Volk. Die bissen das Volk, sodass viel Volk in Israel starb. Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir gegen den Herrn und gegen dich geredet haben. Bitte den Herrn, dass er die Schlangen von uns wegnimmt. Und Mose bat für das Volk. Da sprach der Herr zu Mose: Mache dir eine Seraphschlange und befestige sie an einem Feldzeichen, und es soll geschehen: Wer gebissen worden ist und sie ansieht, der soll am Leben bleiben. Da machte Mose eine eherne Schlange und befestigte sie an dem Feldzeichen, und es geschah: Wenn eine Schlange jemand biss und er die eherne Schlange anschaute, so blieb er am Leben.“
Der Umweg und die Rebellion
Das Volk Israel ist am Berg Hor, und kurz zuvor stirbt Aaron. Sein Sohn Eleasar wird als Nachfolger eingesetzt. Sie sind auf dem Weg und wollen durch das Gebiet der Edomiter. Die Edomiter waren die Nachkommen von Esau, also irgendwo auch ein Brudervolk, Verwandte des Volkes Israel. Mose wollte keinen Krieg und erbat vom König der Edomiter, dass sie einfach nur das Land durchqueren, ganz friedlich. Aber der König verweigerte das.
So sind die Israeliten gezwungen, einen großen Umweg zu machen. Das führt dazu, dass Frust entsteht beim Volk Israel. Das Volk wird ungeduldig und sie fangen an, gegen Mose und letztendlich auch gegen Gott zu rebellieren. Was in ihnen drin ist, das kommt raus. Der Frust kommt raus und sie rebellieren. Hitze und Kälte in der Wüste, das Leben als Nomaden, ein Leben auf der Durchreise – heute hier, morgen dort, so kurz vorm Ziel, aber doch irgendwie nicht zum Greifen nah.
War das Murren eigentlich berechtigt? Eigentlich nicht, denn Gott hat das Volk die ganze Zeit versorgt. Ja, das Essen war vielleicht etwas eintönig, aber sie mussten nichts dafür tun. Sie mussten es nur einsammeln, es lag da. Kein Aussäen, kein Düngen, kein Bewässern – nur einsammeln. Trotzdem glaube ich, dass aus menschlicher Sicht der Frust ein Stück weit nachvollziehbar ist. Aber entscheidend ist der Umgang damit. Wie gehe ich damit um? Eine Rebellion, wie sie hier stattfindet, das war definitiv nicht richtig, das war falsch.
Die gleichen Probleme wie bei den Vätern
Es ist eine neue Generation herangewachsen, aber die Probleme sind die gleichen. Es sind die gleichen Probleme wie bei ihren Vätern. Die Anschuldigungen sind die gleichen, der Tonfall ist der gleiche. „Ach, wären wir doch in Ägypten geblieben“, sagen sie. „Da ging es uns besser.“ Sie denken an das Gute in Ägypten zurück, aber das Schlechte blenden sie aus. Und da gab es viel Schlechtes.
Welche Sünden beging das Volk hier eigentlich? Wir finden im Psalm 78, den Asaf geschrieben hat, eine gute Zusammenfassung dessen, was das Volk hier falsch macht. Es ist ein längerer Psalm, und Asaf beschreibt diese Geschichte. Da heißt es: „Sie bewahrten den Bund Gottes nicht und weigerten sich, nach dem Gesetz zu wandeln. Und sie vergaßen seine Taten und seine Wunder, die er sie hatte sehen lassen. Vor ihren Vätern hatte er Wunder getan im Land Ägypten. Er spaltete das Meer und führte sie hindurch. Er leitete sie bei Tag mit einer Wolke und mit dem Licht eines Feuers durch die ganze Nacht. Er spaltete Felsen in der Wüste und tränkte sie wie mit großen Fluten.“
„Dennoch fuhren sie fort, gegen ihn zu sündigen und den Höchsten zu erzürnen in der Wüste. Und sie versuchten Gott in ihrem Herzen, indem sie Speise forderten für ihr Gelüste. Und sie redeten gegen Gott und sprachen: Kann Gott uns wohl einen Tisch bereiten in der Wüste? Darum, als der Herr das hörte, da wurde er zornig, weil sie Gott nicht glaubten und nicht auf seine Rettung vertrauten.“
Gott versorgt sein Volk. Er hat es treu gemacht. Wir wissen, dass das Volk Israel eine große Gruppe von schätzungsweise über 2 Millionen Menschen war in der Wüste, und Gott versorgt sie täglich. Er war immer für sie da, er hat sie bewahrt. Wir kennen die Geschichten, die Wunder, die dort passieren – allein die zehn Plagen, wo alles anfing. Und was macht das Volk? Es wendet sich gegen Gott, gegen den, der sie versorgt und beschützt.
Gott sendet die Schlangen
Was macht Gott? Gott wird zornig und Gott schickt Giftschlangen. Und diesen Gedanken finde ich so spannend: Habt ihr euch mal die Frage gestellt, woher die Schlangen kommen? Waren sie auf einmal alle da übermäßig? Das mag vielleicht sein. Aber ich glaube, die meisten Schlangen waren vorher schon da. In der Wüste gibt es nun mal Schlangen. Man hebt einen Stein auf und vielleicht ist eine Schlange darunter. Es müssen ja nicht große Schlangen sein, aber das Gift reicht, um Menschen zu töten.
Ich glaube, die meisten Schlangen waren schon da. Aber Gott hat sie in Schach gehalten. Gott hat das Volk Israel vor Schlangenbissen bewahrt. Und da sehen wir auch wieder die Fürsorge Gottes. Hier nimmt er seine Fürsorge für eine kurze Zeit weg und es passiert ein großes Ungemach. Es kommen Schlangen und sie beißen die Menschen. Es war nicht einfach nur irgendein Biss – er hatte drastische Folgen. Wenn die Schlangen beißen, dann ist es ein Nervengift. Es verbreitet sich über die Blutbahn im Körper ganz schnell und führt zu Schwellungen, Rötungen, Blutungen. Der Tod ist ein schmerzvoller, qualvoller.
Im Text heißt es, dass dort Seraphschlangen waren. Auf Hebräisch bedeutet das Wort „der Brennende“. Es waren Schlangen, deren Biss wie Feuer brannte und der letztendlich schnell zum Tod führte.
Das Gift, das schon vorher da war
Was können wir daraus festhalten? Das Herz des Volkes Israel war schon vorher vergiftet. Es war vor dem Biss der Schlangen schon vergiftet. Das Gift der Undankbarkeit, das Gift des Vergessens der Wunder Gottes, das Gift des Misstrauens gegenüber Gottes Versprechen – es war schon vorher da. Es war so, als ob die Menschen einfach den Blick immer nach unten gerichtet haben. Sie schauen nur auf das Negative und sehen alles andere nicht. Sie sehen nicht das Ganze, sie sehen nur das Schlechte.
Meine Frage an dich ist auch heute: Mit welcher Ausrichtung gehst du durch den Tag, durch die Woche? Schaust du auch nur so nach unten? Siehst du nur deine Sorgen und Probleme? Klagst du vielleicht Gott deswegen sogar an? Siehst du nur das Negative in unserer Gesellschaft, in der Politik, vielleicht sogar in der Gemeinde?
Du wirst immer etwas finden, was negativ ist und was dich runterziehen kann. Sei es die weltpolitische Lage mit Krieg, sei es die wirtschaftliche Lage gerade in Deutschland – vielleicht ist da gerade ein Arbeitsplatz bedroht und die Prognosen werden auch nicht besser. Sei es die gesellschaftlichen Probleme: Politik, Migration, Gewalt. Es gibt so viele Dinge, die uns Angst machen, die uns runterziehen können. Aber es können auch persönliche Sorgen sein: Sorgen um die Gesundheit, Sorgen um die Zukunft. Vielleicht erlebst du gerade Krankheit und einige von euch erleben auch viel Leid und Trauer.
Es sind Dinge, die uns nach unten ziehen, die uns den Blick verwehren. Und da brauchen wir einen Perspektivwechsel. Ich glaube, auch in unserer heutigen Zeit kann so ein Gift uns ein Stück weit lähmen, weil es nach und nach alles durchdringt – genauso wie beim Volk Israel damals. Es lähmt dich, es nimmt dir die Lebensfreude.
Da möchte ich uns einen Vers aus Sprüche 4,25 weitergeben: „Blicke stets nach vorn, richte deine Augen auf das, was vor dir liegt.“ Wir sollen nicht nach unten schauen. Wir sollen unseren Blick verändern, einen Perspektivwechsel haben. Eine falsche Ausrichtung kann sehr gefährlich werden. Sie kann uns nach unten ziehen, sie kann für uns giftig sein, toxisch sein. Was wir in so einer Situation brauchen, ist ein Perspektivwechsel – eine Veränderung der Blickrichtung.
Erkenntnis, Bekenntnis und Perspektivwechsel
Das finden wir hier ein Stück weit auch beim Volk Israel. In Vers 7 heißt es: „Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir gegen den Herrn und gegen dich geredet haben. Bitte den Herrn, dass er die Schlangen von uns wegnimmt. Und Mose bat für das Volk.“
Der erste Schritt beim Perspektivwechsel ist der Mut zur Einsicht, zur Selbsterkenntnis, aber dann auch die Bereitschaft zur Veränderung. Das Volk erkennt hier, dass es einen Fehler gemacht hat, dass sie falsch gehandelt haben. Sie laufen zu Mose und sagen: „Mose, wir haben gesündigt, wir haben Schuld auf uns geladen.“ Sie wissen, wer Schuld daran ist, und das ist nicht Gott. Auch Mose hatte keine Schuld.
Was wir hier sehen ist, dass das Murren ein Ende hat, denn auf einmal haben sie ganz andere Sorgen und Probleme. Was wir hier sehen ist Erkenntnis, Bekenntnis und ein Perspektivwechsel. Sie bitten Mose, dass er im Gebet für sie einsteht.
Wie reagiert hier Mose, der Führer des Volkes, der immer wieder mit ihrem Nörgeln, mit ihrem Murren zu tun hatte, was ihn sicherlich auch runtergezogen hat, was es nicht leicht gemacht hat, ein Volk zu führen? Er hätte wirklich allen Grund, das Volk zu tadeln und zu sagen: „Wisst ihr, das ist die Strafe für euer Murren. Ihr seid selber schuld, euer Problem. Das ist die gerechte Strafe für euer Handeln. Wer nicht hören will, der muss fühlen.“ Nein, aber keine Anschuldigungen dergleichen kommen aus seinem Mund. Er betet für das Volk. Mose ist hier nicht nachtragend, hier geht es um Leben und Tod. Mose bittet stellvertretend für das Volk.
Mich begeistert, dass wir heute gar keinen Stellvertreter brauchen, sondern wir können direkt mit Gott reden. Wir können direkt zu Gott kommen und im Gebet das zum Ausdruck bringen, was gerade in unserem Herzen vorgeht. Selbst wenn wir vielleicht mit Dingen nicht zufrieden waren, die uns auch runtergezogen haben – das können wir im Gebet vor Gott bringen. Aber die Frage ist: Erkennst du deine eigenen Fehler oder schiebst du die Schuld immer auf jemand anderen? Alles andere ist falsch, die anderen machen Fehler – nur ich nicht? Hier beim Volk sehen wir: Sie wissen sofort, wer Schuld hat. Sie sagen: „Wir haben Schuld auf uns geladen.“ Wir dürfen vom Volk Israel lernen, dass wir eigene Schuld eingestehen und damit zu Gott kommen – und das dann auch mit Menschen bereinigen.
Der Blick nach oben – auf das Rettungszeichen
Also, was wir brauchen, ist ein Perspektivwechsel. Aber wohin sollen wir schauen? Man muss nicht mehr nach unten schauen, man kann den Blick emporheben – aber wo genau schauen wir hin? Denn man kann auch in viele Richtungen schauen.
Lass uns die letzten beiden Verse lesen, Vers 8 und 9: „Da sprach der Herr zu Mose: Mache dir eine Seraphschlange und befestige sie an einem Feldzeichen. Und es soll geschehen: Wer gebissen worden ist und sie ansieht, der soll am Leben bleiben. Da machte Mose eine eherne Schlange und befestigte sie an dem Feldzeichen, und es geschah: Wenn eine Schlange jemand biss und er die eherne Schlange anschaute, so blieb er am Leben.“
Wir brauchen einen Perspektivwechsel nach oben hin, aufwärts hin. Gott bestraft hier – und er bestraft zu Recht – aber er schafft genau in dieser Situation auch einen Ausweg. Er befreit das Volk nicht von den Schlangen. Die Schlangen sind nicht weg. Sie sind immer noch da und sie beißen. Aber er hat ein Gegenmittel. Und die Anforderung war doch gar nicht so schwer, oder? Sie mussten ihren Blick emporheben auf die Schlange und es bewahrte sie vor dem Tod und führte zur Heilung.
Das Gift der Schlangen verlor seine Wirkung, wenn der Gebissene nicht mehr auf die Gefahr starrte, sondern – und das ist das Entscheidende – im Glauben auf das Rettungszeichen Gottes sah. Das war die eherne Schlange. Hätte Gott die Schlangen einfach verschwinden lassen, dann wäre nur das Symptom behandelt worden. Aber was war das eigentliche Problem? Was war die Wurzel des Ganzen, das Übel an dieser Geschichte?
Ich glaube, es geht gar nicht so sehr um die Schlangen. Es geht um den nicht vorhandenen Glauben an einen guten und liebenden Gott. Es war Unzufriedenheit da und es war ein Misstrauen da – kein Vertrauen, sondern Misstrauen.
Der Schatten auf das Neue Testament: Jesus am Kreuz
Diese Geschichte wirft einen Schatten auf das Neue Testament. Jesus hing auch am Kreuz, und es wird uns sogar im Johannesevangelium berichtet – dieser Bezug zu der Geschichte, die wir uns jetzt angeschaut haben. Ich möchte uns die beiden Verse aus Johannes 3 vorlesen, Vers 14 und 15. Das sind die beiden Verse direkt vor dem, ich behaupte, bekanntesten Vers der Bibel. Johannes 3,16 kennen wir alle. Aber in Vers 14 und 15 steht Folgendes:
„Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, so muss der Sohn des Menschen erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“
Ich möchte dir mal ganz bewusst eine Frage stellen: Welche Schlangen gibt es in deinem Leben? Und welche Auswirkungen haben sie? Ziehen sie dich runter? Vergiften sie dich nach und nach ein Stück weit? Machen sie dir das Leben schwer?
Ich möchte dich einladen heute, deine Perspektive zu ändern. Einen Perspektivwechsel vorzunehmen und auf Jesus zu schauen. Ja, es mag sein, dass die Probleme, die Sorgen in unserem Alltag immer noch da sind, aber die Ausrichtung ist eine andere. Die Ausrichtung ist eine andere, weil wir fokussiert sind auf den, der uns Rettung und Befreiung geben kann.
Gott schenkt Befreiung und Heilung durch Jesus Christus
Gott schenkt Befreiung und Heilung durch Jesus Christus selbst. Wir müssen heute nicht mehr auf eine Schlange schauen. Nein, wir müssen auch nicht nur symbolisch das Kreuz betrachten, sondern wir müssen an den glauben, der am Kreuz hing. Und das ist Jesus Christus selber.
Auch in Hebräer 12 finden wir zwei Verse. In Kapitel 11 werden uns viele Vorbilder des Glaubens aufgeführt und es wird klar benannt, was das Positive an ihnen war. Dann fängt Kapitel 12 mit einer Art Zusammenfassung an, und da heißt es: „Da wir nun eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, so lasst uns jede Last ablegen und die Sünde, die uns so leicht umstrickt, und lasst uns mit Ausdauer laufen in dem Kampf, der vor uns liegt, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen das Kreuz erduldete und dabei die Schande für nichts achtete und der sich zur Rechten des Thrones Gottes gesetzt hat.“
Wir wollen auch schauen auf Jesus Christus, denn er hat das alles durchgemacht. Er ist der Anfänger und Vollender des Glaubens, aber er ist nicht mehr auf der Erde, er ist in keinem Grab – nein, er ist siegreich auferstanden. Und dann heißt es am Ende von Vers 2: Jetzt sitzt er zur Rechten Gottes. Jesus ist der, auf den wir unser Vertrauen setzen dürfen, egal in welcher Situation du dich gerade befindest.
Ja, vielleicht mag das ein Stück weit wie eine Floskel klingen, aber es muss aufs Neue unser Herz immer wieder erreichen, und wir müssen uns immer wieder neu auf Jesus fokussieren. Dann, glaube ich, werden wir es erleben. Ich kann mir vorstellen, dass viele von euch aus ihrem persönlichen Leben ein Beispiel erzählen könnten, wie sie schon so etwas Ähnliches erlebt haben.
Ich möchte uns Christen neu auffordern, dass wir unseren Blick auf Jesus richten und nicht auf die Probleme, die es gibt. Ich will sie gar nicht wegreden, sie sind da und sie gehören ein Stück weit zu unserem Leben dazu, denn wir leben in einer gefallenen Welt. Aber wir dürfen anders mit ihnen umgehen. Wir dürfen Jesus bitten und unser Vertrauen auf ihn setzen, dass er es gut mit uns meint, dass er uns versorgt, auch in schwierigen Zeiten.
Dazu fällt mir Psalm 23,4 ein, und das ist so ein tröstender Vers, der mich immer wieder ermutigt. Egal in welcher Situation wir sind: Er ist da, er geht mit uns und er tröstet uns.
Eine Einladung für alle
Vielleicht gibt es hier aber auch Leute, die noch nicht diese bewusste Entscheidung für Jesus getroffen haben. Euch möchte ich Mut machen: Wirf deinen Blick auf Jesus. Mit deinen Sünden kommst du nicht alleine klar. Du brauchst dafür jemanden, der dir hilft. Sie sind zu groß und zu viele für dich. Wir werden sie nicht von alleine los. Wirf deinen Blick auf Jesus, er kann dir Heilung schenken und dich vom Gift der Sünde befreien. Du musst es im Glauben annehmen.
Ich möchte mit einem Zitat und dann einem persönlichen Zeugnis nochmal abschließen: „In sich hineinzuschauen, macht depressiv. Um sich herumzuschauen, verwirrt. Aber nach oben zu schauen, bedeutet niemand zu sehen als Jesus allein.“ Das wird unseren Alltag verändern. Dazu möchte ich dich und mich genauso ermutigen.
Ein persönliches Zeugnis: Wenn die Familie zerreißt
Ich habe es auch erlebt. Könnt ihr euch noch an die Corona-Pandemie erinnern? Das war eine Zeit, die für alle doch sehr hart war. Es war vieles eingeschränkt und man durfte viele Sachen nicht machen. Ich kann das ein Stück weit nachvollziehen, dass man damals gewisse Dinge so entscheiden musste, auch von der Regierung, von der Politik her. Ich möchte das gar nicht hier bewerten. Aber es hatte Auswirkungen auch bei uns in der Familie.
Ich habe sieben Geschwister und eigentlich war es immer ein gutes Miteinander. Fünf Brüder und zwei Schwestern. Wir Brüder halten echt gut zusammen. Wir suchen immer nur einen Anlass, damit wir uns treffen können, damit wir Zeit miteinander verbringen können. Das ist schön, wir treffen uns gerne.
Es kam dann gerade in dieser Corona-Zeit – da fing es an. Ich merkte, irgendetwas brodelt da. Die meisten von ihnen wohnen noch im Raum Detmold. Deswegen müssen wir immer ein bisschen länger hinfahren, also wir sind da auch nicht ganz jede Woche. Aber ich habe irgendwie mitbekommen: Irgendetwas brodelt da.
Letztendlich war es dann so, dass ein Teil meiner Familie sich entschieden hat auszuwandern. Ich habe Verwandtschaft in Paraguay. Meine Eltern waren schon öfter dort, die besitzen auch Land. Sie haben gesagt: „Wir wollen dorthin auswandern.“ Meine Eltern, eine Schwester, ein Bruder mit seiner Familie und ein anderer Bruder – also fast die halbe Familie.
Es hat uns irgendwo sehr getroffen, die anderen, die hier geblieben sind. Es führte wirklich zum Streit. Wir haben es nicht verstanden. Sie haben uns auch irgendwie nicht abgeholt. Ihre Angst war einfach: In Deutschland geht alles den Bach runter. In Deutschland wird alles schlecht. Sie haben ihren Blick nur noch nach unten gerichtet. Sie haben die Schlangen gesehen. Und ich glaube, durch gewisse Kanäle auf sozialen Netzwerken wurde das nur noch mehr befeuert. Es hat sie verändert. Sie haben wirklich nur noch das Schlechte gesehen. Wir konnten es nicht nachvollziehen.
Ich bin nicht dagegen gegen Auswandern. Das darf jeder gerne machen und für sich selber entscheiden. Wenn Gott dir das aufs Herz legt, irgendwohin zu gehen, weil er dich dort als Werkzeug gebrauchen kann, dann geh – geh mit Gottes Segen und führe es aus. Aber das war für mich nicht im Sinne Gottes, sondern es war für mich eine Flucht. Es war keine harte Zeit – und sie sind wirklich gegangen.
Ich weiß noch genau, als wir das letzte Mal zusammen gefrühstückt hatten und man wirklich gedacht hat: „Ich sehe meine Eltern nie wieder.“ Es war hart für uns alle. Und die, die hier in Deutschland geblieben sind – es hat uns noch enger zusammengeschweißt. Wir haben das ganz ins Gebet genommen. Wir sind für einige Tage weggefahren, haben zusammen auch das Abendmahl gefeiert, füreinander gebetet. Es hat uns viel näher zusammengebracht.
Es verging Zeit. Man hatte Kontakt, aber über 11.000 Kilometer Kontakt – dann kannst du nur Online-Kontakt haben, das ist nicht so das Wahre. Und so schlimm wurde Deutschland dann doch nicht. Letztendlich hat mein Vater sich dann entschieden und gesagt: „So wirklich überzeugt war ich davon nie. Ich habe das gemacht, weil die anderen ihn auch ein Stück weit überredet haben.“ Und er hat gesagt: „Ich komme zurück.“ Dann haben die anderen auch alle gesagt: „Wir kommen zurück.“ Ein halbes Jahr später waren sie dann auch zurück.
Wir haben uns sehr darüber gefreut, das war schön. Aber das Miteinander war noch nicht so schön. Da war auch immer was zwischen uns. Und es hat dann auch wieder ein Wochenende gebraucht, wo wir uns zusammengesetzt haben. Wir sind weggefahren fürs Wochenende und haben uns ausgesprochen. Es wurde dann wirklich Vergebung ausgesprochen.
Heute kann ich sagen: Es ist wieder alles gut. Es ist alles gut, weil wir einander vergeben haben. Ich glaube, auf beiden Seiten sind Fehler passiert. Das möchte ich gar nicht schlechtreden, dass nur die eine Seite irgendwie Schuld hat. Aber es fing damit an, dass man nur noch auf die Probleme geschaut hat, auf die Dinge, die schlecht und negativ waren. Und zum Glück schenkte Gott die Befreiung, schenkte Gott die Veränderung. Heute treffen wir uns wieder und freuen uns, dass wir einander haben. Mit Paraguay hat sich das dann auch erledigt. Gerne zum Urlaub hinfahren, kein Problem. Aber auswandern – die Container haben eine halbe Weltreise gemacht und sind wieder ungeöffnet zurückgekommen. Hat nur Geld gekostet letztendlich.
Schluss: Jesus ist unsere Hoffnung
Wir sind heute wirklich dankbar, dass alles wieder geklärt und bereinigt ist. Ich weiß nicht, vielleicht hast du ähnliche Geschichten gehört, aber mich hat das schon ein Stück weit betroffen gemacht. Es können andere Dinge sein in deinem Leben und genauso auch in meinem Leben, die uns genauso nach und nach vergiften können wie die Männer in dieser Firma in Schloss-Holte Stukenbrock.
Aber ich möchte unseren Blick nochmal ganz bewusst auf Jesus lenken, denn er ist der, der Heilung schenkt. Er ist der, der Versöhnung gibt und der unsere Hoffnung für dieses Leben und auch für das Zukünftige ist.

