Thema: Unser ewiges Zuhause
Prediger: Rudi Tissen
Datum: 01.06.2025
Einleitung: Die Sehnsucht nach dem Licht
In einem der Herr der Ringe-Teile gibt es eine Szene, in der die Stadt der Menschen umringt ist von den Bösen, den sogenannten Orks, die furchtbar aussehen und sehr stark und furchterregend sind. In dieser Stadt ist ein kleiner Hobbit namens Pippin und er hat furchtbare Angst. Er rechnet damit, dass er in ein paar Minuten sterben wird. Zusammengekauert hinter einer Mauer weint er und sagt zu dem großen Gandalf: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so endet.“
Gandalf antwortet: „Endet? Nein, hier endet die Reise nicht. Der Tod ist nur ein weiterer Weg, einer den wir alle gehen müssen. Der graue Regenvorhang dieser Welt wird zurückgezogen und alles verwandelt sich in silbernes Glas. Und dann, dann endlich siehst du es.“ – „Was, was sehe ich?“ – „Weiße Strände. Und dahinter ein fernes grünes Land hinter einer rasch aufgehenden Sonne.“
Kennst du diese Tage aus deinem Leben, wo du dir mehr als alles andere wünschst, dass diese Sonne endlich aufgeht? Einige von euch wissen, wovon ich spreche. Einige mussten vielleicht schon in diesem Jahr an einem Grab stehen und sich von jemandem verabschieden, den sie unfassbar geliebt haben. Einige haben vielleicht in diesem Jahr schon eine Diagnose bekommen, die ihnen den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Einige sind überfordert mit der Erziehung ihrer Kinder. Andere sind überfordert mit der Situation ihrer Ehe.
Was wir uns wünschen in diesen Tagen, wo es so dunkel ist, wo der Nebel überall ist – ist, dass die Sonne endlich durchbricht und wir wieder etwas sehen. Wir wünschen uns, dass diese Sonne endlich aufgeht, die alles Dunkle, alles Schmerzvolle, alles Traurige für immer verdrängt und durch Licht und Freude ersetzt.
Es gibt ein Gefühl, das alle Menschen, ob Christen oder nicht Christen, vereint. Das Gefühl, dieses intuitive Wissen im Angesicht von Leid, von Krankheit, von Tod: Nein, das ist nicht richtig. Selbst die härtesten Atheisten haben am Grab eines lieben Menschen dieses Gefühl: Das ist nicht richtig. Und zu diesem Wissen kommt direkt auch eine Sehnsucht hinzu: Das kann doch nicht alles sein. Das darf nicht das Ende sein. So darf diese Geschichte nicht enden.
Ich darf dir heute sagen, dass diese Sehnsucht nicht unbegründet ist. Und der Grund dafür ist ein Name, der Name über allen Namen: Jesus. Der christliche Glaube antwortet genau auf diese Sehnsucht mit einer großen Hoffnung, die über Schmerz, über Krebsdiagnosen, über kaputte Ehen, über Verlusterfahrungen und über Särge hinausreicht.
Der christliche Glaube kann das, weil im Zentrum unseres Glaubens ein Mann steht, der selbst gelitten hat, der selbst gestorben ist und der am dritten Tag auferstanden ist. Wir haben vor gar nicht allzu langer Zeit die Auferstehung unseres Königs gefeiert. Wir haben gefeiert und gemeinsam verkündet, dass Jesus wahrhaftig auferstanden ist und lebt. Er ist der Erste und der Letzte. Er war tot und ist lebendig und hat die Schlüssel des Todes in seiner Hand.
Wegen ihm ist der Tod für Kinder Gottes keine unumkehrbare Realität mehr. Wegen ihm ist der Sarg nicht mehr das Ende, sondern der Anfang für den Tag, der nicht mehr endet. In einem Zuhause, das wir nicht mehr verlieren können, bei einem König, der sehnsüchtig auf uns wartet.
Gewissheit im Sterben: Vom Zelt zum Haus
Paulus beginnt in Vers 1 mit dem, was wir als Kinder Gottes wissen. Das ist so wichtig: Bei allen Fragen und Zweifeln, die uns als Christen gerade in Grenzerfahrungen beschäftigen, müssen wir uns an das klammern, was wir wissen – über unseren Gott, über sein Wesen, über seine Verheißungen.
Paulus schreibt in Vers 1: „Denn wir wissen, dass wenn unser irdisches Zelthaus zerstört wird, wir einen Bau von Gott haben, ein nicht mit Händen gemachtes ewiges Haus in den Himmeln.“ Der erste Vers unseres Textes ist die Begründung für die letzte Aussage aus Kapitel 4. Dort hat Paulus geschrieben, dass wir als Christen nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare schauen. Warum tun wir das? Weil wir wissen, dass wenn unser irdisches Leben zu Ende geht, wir ein ewiges Zuhause, ein unzerstörbares Zuhause bei Gott haben.
Paulus stellt hier das Leben auf der Erde dem Leben bei Gott gegenüber. Er gebraucht dazu zwei Bilder: auf der einen Seite das Bild von einem Zelt und auf der anderen Seite das Bild eines Hauses. Auf der einen Seite ist da ein Zelt, das nicht wirklich stabil ist und nicht viel Sicherheit gegen Kälte, Hitze, Sturm oder gefährliche Tiere bietet. Auf der anderen Seite ist da ein Haus, das für Sicherheit, für Beständigkeit und Wärme steht.
Das Zelt ist im Normalfall nur eine vorübergehende Bleibe. Selbst die Freaks unter uns werden nicht länger als ein, zwei Wochen zelten. Aber ein Haus ist eine bleibende, kontinuierliche Heimat. Der Apostel malt einen Kontrast zwischen dem Leben hier und dem Leben, das auf uns wartet. Und der Kontrast ist gewaltig. Das Leben, das auf uns wartet, hat eine unendlich höhere Qualität.
Es ist eine ganz andere Kategorie von Leben. Es ist das Leben in Fülle, wie Gott es von Anfang an für uns Menschen gedacht hat. Es ist das Leben, das wir hier in den schönsten Momenten unseres Lebens erahnen und in den schlimmsten Momenten unseres Lebens ersehnen. Voller Glück, ungetrübte Freude und Zufriedenheit. Es ist das echte Leben, das eigentliche Leben, das durch nichts mehr zerstört werden kann.
Unser Leben hier auf dieser Erde ist wie ein instabiles, leicht zerstörbares Zelt. Ein Bild, das wir richtig gut nachempfinden können. Hier erleben wir Schmerz, Verlust, Zerbruch, Trauer, Angst, Zwänge, Traumata, Wunden, Verletzungen, Krankheit. Hier erleben wir, wie ein einziger Anruf, eine Diagnose, ein einziger Moment einfach alles in Stücke reißen kann, was wir uns über Jahre aufgebaut haben.
Nirgendwo spüren wir die Zerbrechlichkeit dieses Lebens so sehr wie in den Momenten, wenn der Tod eine riesige Lücke in unser Leben, in unsere Herzen reißt, wenn von einem Tag auf den anderen eine Stimme, die wir geliebt haben, nicht mehr zu hören ist. Wenn ein Platz am Tisch ab jetzt immer leer bleibt. Das ist das Zelt.
Aber dort, sagt Paulus, wartet ein Zuhause, das dir nicht mehr genommen werden kann. Dort warten Frieden und Glück, die nicht mehr angegriffen werden können. Dort warten Beziehungen und Freundschaften, die nicht mehr kaputtgehen können. Dort wartet Ruhe, die nicht mehr gestört werden kann. Dort wartet ein verherrlichter Körper, der keine Schmerzen, keine Krankheiten, keinen Krebs mehr kennt.
Darum schreibt Paulus in Philipper 3, dass Jesus, wenn er wiederkommt, unseren sterblichen Körper nehmen und umgestalten wird in einen verherrlichten Körper. Aus dem Zelt wird ein Haus. Und hast du gemerkt, mit was für einer Gewissheit Paulus hier spricht? Er formuliert das alles mit so einer großen Sicherheit und absichtlich in der Gegenwartsform: Wir wissen, dass wir einen Bau bei Gott haben – nicht bekommen, haben. Wir sehen unser Zuhause noch nicht, aber wir haben es schon. Es gehört uns schon, weil wir Kinder Gottes sind – jetzt schon.
Plus Ultra: Es gibt mehr als dieses Leben
Im 15. Jahrhundert war die spanische Großmacht die dominierende politische und militärische Macht in Europa und weltweit. Die spanische Großmacht ging davon aus, dass sie alles entdeckt hat, was es zu entdecken gibt in dieser Welt. Ganz stolz ließen sie Münzen prägen, auf denen der Satz stand: „Nec plus ultra“ – Es gibt nichts mehr. Es gibt nichts mehr zu entdecken.
Das Jahr 1492 kam und ein gewisser Kolumbus entdeckte Amerika. Kurzerhand nahm man die Münzen wieder zurück und prägte „Plus Ultra“ hinein: Es gab doch mehr. Für unsere säkularen, nicht christlichen Freunde gibt es nicht mehr als dieses Leben – ein Leben mit vielen schönen Seiten, aber auch mit ganz viel Leid, Dunkelheit und Schatten.
Aber unsere Hoffnung und unsere Gewissheit als Christen geht über dieses Leben hinaus. Wir werden eines Tages einen verherrlichten Körper ohne irgendeinen Fehler, ohne Einschränkungen, ohne chronische Schmerzen haben. Wir werden eine Psyche haben, die frei ist von jeglicher Belastung und Druck, und ein Herz, das keine Angst mehr kennt.
In unseren verherrlichten Körpern und mit unserem befreiten Herzen werden wir eine Ewigkeit lang größte Freude erleben – und vor allem größte Freude daran haben, Jesus zu sehen und Jesus anzubeten, wie wir es noch nie getan haben. Der Himmel wird eine niemals endende Entdeckungsreise von Gottes Schönheit sein und seiner unfassbaren Liebe zu dir und mir. Eine Entdeckungsreise, die zu mehr und noch mehr Freude führen wird Tag für Tag.
Wir werden tiefer und tiefer in die Berge seiner Schönheit gehen und immer mehr Dinge entdecken, die uns noch mehr Freude machen werden. Unsere Freude endet nicht am Sterbebett, unsere Hoffnung endet nicht mit einer Diagnose, unsere Geschichte endet nicht im Sarg.
Eines Tages wird der Vorhang zur Seite geschoben werden, eines Tages wird sich der Nebel der gefallenen Schöpfung verziehen und die Sonne der Herrlichkeit und Freude unseres Gottes wird erstrahlen – und zwar für immer. Alle unsere Geschwister, die bereits gegangen sind, dürfen jetzt schon den Morgen dieses Tages sehen. Sie sehen das Land schon, das wir noch nicht sehen. Aber das ist unsere Gewissheit: Die Sonne kommt.
Seufzen weit weg von zu Hause
Tatsache ist: Wir sind noch hier. Wir leiden immer noch. Wir erleben immer noch Schmerz, der real ist und der wehtut und manchmal unfassbar untragbar ist. Es gibt Schmerz in dieser Welt, der zu groß ist für ein menschliches Herz. Wir erleben immer noch Leid, das zu gewaltig ist für unsere Herzen. Leid ist die Realität, deren Existenz man nicht verteidigen muss. Jeder, ob Christ oder nicht Christ, glaubt an die Existenz von Leid, weil wir sie früher oder später erleben.
Die Bibel verschweigt das nicht. Sie redet die Herausforderungen auf dieser Seite unserer Existenz nicht weg. Die Bibel gibt dir keine rosarote Brille für das menschliche Leben. In 2. Korinther 4 spricht Paulus davon, dass wir als Christen Dinge erleben, die uns bedrängen, schier erdrücken und überfordern. Er schreibt dort, dass wir zerbrechliche Gefäße sind und dass wir immer wieder in Situationen kommen, wo es keinen Ausweg mehr zu geben scheint.
Paulus greift diesen Gedanken in Vers 2 auf und schreibt, dass wir noch nicht zu Hause sind, sondern immer noch in diesem Zelt. Und aus diesem Umstand heraus wachsen in unseren Herzen zwei Dinge: Seufzen und Sehnsucht. Seufzen und Sehnsucht sind die christliche Antwort auf eine gefallene Schöpfung.
Paulus spricht in Römer 8 davon, dass die ganze Schöpfung seufzt und stöhnt und sich danach ausstreckt, vom Fluch der Vergänglichkeit und vom Fluch der Sünde befreit zu werden. Der Schatten des Todes soll endlich weggehen. Kinder Gottes gehören zu Gottes neuer Schöpfung und deshalb steigen sie in dieses Seufzen mit hinein. Weil wir schon zu dieser neuen Schöpfung gehören, die noch nicht da ist. Weil wir mehr als alle anderen spüren, dass diese Welt nicht okay ist.
Paulus sehnte sich nach diesem Moment, in einem verherrlichten Körper vor Jesus zu stehen und endlich zu Hause zu sein. Das meint er, wenn er von Überkleiden spricht. Der alte sterbliche Körper wird, wenn Jesus alles neu macht, sozusagen überkleidet von dem neuen Körper. Paulus sehnte sich danach zu erleben, wie Jesus erscheint, Gottes neue Schöpfung anbricht und alle Dinge wiederhergestellt werden.
Die große Sehnsucht nach der neuen Schöpfung
Kinder Gottes, die sterben, haben noch keinen verherrlichten neuen Körper. Sie sind entkleidet, wie Paulus hier schreibt. Aber sie erleben jetzt schon vollkommen bewusst und persönlich die Gegenwart Gottes, mehr als wir es tun. Dieser Zustand ist weitaus besser als das, was wir erleben. Deswegen sagt Paulus in Philipper 1, Vers 23: „Ich will bei Jesus sein. Das ist besser als alles hier auf dieser Erde.“
Aber Paulus will mehr. Seine große Sehnsucht hier in 2. Korinther 5 geht darüber hinaus. Er will nicht nur selbst zu Jesus in den Himmel. Paulus will, dass der Himmel herabkommt und endlich alles verändert. Danach sehnt er sich: nach dem Ende der Vergänglichkeit und des Sterbens, nach dem Ende von Leid und Tod, nach dem Ende von Traurigkeit und Verzweiflung.
Paulus wünschte sich von ganzem Herzen, dass Jesus wiederkommt und alles neu macht. Er wollte erleben, wie Jesus seinen sterblichen Körper nimmt und neu macht. Er wollte sehen, wie der Himmel diese Erde ein für alle Mal verwandelt. Er sehnte sich nach diesem Moment, wenn der Himmel aufreißt, wenn Jesus für alle Menschen sichtbar erscheint und der Schöpfer in seiner Macht und Autorität sagt: „Siehe, ich mache alles neu.“
Natürlich wollte Paulus bei Jesus sein, aber was er noch mehr wollte, war die Erfüllung dieser großen Sehnsucht: Gott wohnt wieder bei den Menschen. Sichtbar, spürbar. Denn erst dann wird sich das erfüllen, was wir in Offenbarung 21 lesen: „Gott wird in ihrer Mitte wohnen. Sie werden sein Volk sein. Er selbst, ihr Gott, wird für immer bei ihnen sein.“ Und als Folge der Gegenwart Gottes bei seinem Volk: Es gibt keine Tränen mehr, keinen Tod mehr, kein Leid mehr, kein Geschrei mehr.
Deswegen seufzt sein Herz in dieser Welt. Denn solange Jesus nicht wiederkommt, wird Menschsein immer verbunden sein mit Leid. Es wird immer wieder Wunden geben, auch im Leben von Kindern Gottes, die unsere Herzen zerreißen. Und deshalb seufzen auch wir.
Im gewissen Sinne bedeutet Christsein, in dieser Welt mit einem großen Schmerz zu leben – mit einem Schmerz, den Nichtchristen nicht kennen. Weil sie nicht zu der neuen Schöpfung gehören. Mit einem Schmerz, der deshalb existiert, weil unsere Herzen durch Gottes Geist für das Dunkel um uns herum erwacht sind. Wir nehmen es viel mehr wahr. Weil wir als Kinder Gottes mit jeder Faser spüren, dass wir eben nicht zu Hause sind.
Dieser Schmerz ist wie ein gewaltiges Heimweh. Ein Heimweh, das diese Welt nicht kennt. Und dieser Schmerz ist ein Zeichen dafür, dass wir leben, dass wir zu Gottes neuer Schöpfung gehören. Deswegen hat Jesus in der Bergpredigt jene für glücklich erklärt, die trauern, die weinen, die nach Gerechtigkeit dürsten. Jesus war der am meisten leidende Mensch, den es jemals gab, weil er den Zerbruch der gefallenen Schöpfung mehr gespürt hat als jeder Mensch jemals zuvor.
Deshalb seufzen Christen in dieser Welt, weil sie eine bessere Welt, ihre ewige Heimat erwarten und weil sie zu einem König gehören, der selbst am Grab weint. Wir sind die Seufzenden. Und wir strecken uns gemeinsam mit anderen Christen sehnsüchtig aus nach dem Tag, wenn unser König wiederkommt und das Sterbliche vom Leben verschlungen wird.
Ich will uns ermutigen, gerade in unserer Umgebung, unserer Kultur, wo wir alles haben und es uns unfassbar gut geht: Lasst uns diese Sehnsucht und dieses Heimweh wachhalten. Das hier ist nicht unser Zuhause. Unser Zuhause wartet. Und wir müssen häufiger beten: „Maranata, Jesus, komme bald.“ Lasst uns dagegen kämpfen, dass dieses Heimweh betäubt wird durch Ablenkung, durch Wohlstand, durch Komfort. Unser Seufzen ist bedeutungsvoll. Es ist wie ein Echo aus dem Zuhause, das noch kommt. Und dieses Seufzen wird eines Tages zu Singen, wenn wir dann bei ihm sind.
Garantie auf Herrlichkeit: Der Geist als Anzahlung
Paulus betont in Vers 5 nochmal, dass wir absolut sicher darüber sein können, was uns nach dem Tod erwartet: ein Leben bei Gott. Er schreibt: „Der uns aber hierzu bereitet hat, ist Gott, der uns die Anzahlung des Geistes gegeben hat.“
Er weiß, dass der Glaube von Christen unter dem Druck von Leid immer wieder herausgefordert wird. Dass wir Zweifel bekommen können, auch wenn wir daran glauben. Paulus verrät uns hier, dass Gott noch mehr tut, als uns einfach nur den Ausblick auf diese Zukunft zu geben. Er gibt uns jetzt schon etwas, um uns zuzusichern: „Mein liebes Kind, ich bringe dich nach Hause.“ Und was er uns gibt, ist sich selbst. Er gibt uns seinen Geist.
Gott gibt seinen Kindern seinen Geist als Anzahlung, durch die er uns sagt: „Ich bringe dich nach Hause.“ Gott garantiert uns, dass unsere Erlösung eines Tages sichtbar und vollkommen sein wird. Und er garantiert es mit sich selbst. Was Gott hier sagt ist: „Mein liebes Kind, ich mache dich jetzt schon in diesem Leben zu meinem Zuhause, ich wohne in dir – und damit garantiere ich dir, dass ich dich nach Hause bringen werde.“
Gottes Geist in Gottes Kindern ist Gottes Garantie, dass sie Gottes Herrlichkeit sehen werden. Auf uns selbst geworfen, würden wir nicht nach Hause kommen. Deswegen ist eines der besten Bilder für den christlichen Glauben das Bild vom suchenden Hirten, der sein Schäfchen findet, das weggelaufen ist – und dann was tut? Er treibt es nach Hause? Nein, er nimmt es auf seine Schultern und trägt es nach Hause.
Wenn du ein Bild über den christlichen Glauben mitnehmen willst, dann das: Christsein bedeutet getragen werden nach Hause. Er wird dich tragen, bis du bei ihm bist. Dann wird er dich herunternehmen und sagen: „Schön, dass du da bist.“
Guten Mutes trotz allem
Aus dieser Garantie folgt die Konsequenz in Vers 6 und 7: „So sind wir nun allezeit guten Mutes und wissen, dass wir, während einheimisch im Leib, wir ausheimisch vom Herrn sind. Denn wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen. Wir sind aber guten Mutes und möchten lieber ausheimisch vom Leib und einheimisch beim Herrn sein.“
Wir sind guten Mutes, sagt Paulus, und zwar allezeit, unabhängig von den Umständen. Weil der lebendige Gott uns durch seinen Geist als sein wertvolles Eigentum versiegelt hat, das er festhält, beschützt und sicher nach Hause bringt.
Die Erfahrungen von Leid und Tod können uns richtig hart treffen. Sie können dazu führen, dass wir entmutigt werden, dass wir anfangen, an Gottes Gutsein zu zweifeln. Und es kann dazu führen, dass wir uns in Verzweiflung und Bitterkeit zurückziehen. Weil wir in diesen Momenten versucht sind, nur noch auf das zu schauen, was wir erleben, was wir in unserem Körper spüren, oder was wir sehen, was andere, die wir lieben, erleben müssen. Was wiederum dazu führt, dass wir blind werden für Gottes Zusagen und seine Verheißungen.
Paulus zeigt uns hier, warum wir im Angesicht von Sterben und Tod nicht den Mut verlieren müssen, warum nicht Angst und Bitterkeit siegen müssen. Der Grund ist, weil Gott uns mit dem Geist die feste, unumstößliche Zusicherung gegeben hat, dass er uns in seine Heimat bringt.
Das ist der Grund, warum Paulus kurz vor dem Tod so mutig sein konnte. Das ist der Grund, warum Märtyrer auf dem Weg zur Hinrichtung singen. Und das ist der Grund, warum Geschwister aus unseren Gemeinden, gezeichnet von Krankheit und Tod, dem Tod ins Auge blicken und immer noch mutig sind, immer noch Freude empfinden. Sie wissen, dass Jesus sie in seiner Hand hält.
Selbst der Tod ist für uns wegen Jesus nicht mehr die Trennung von allem, was uns lieb und teuer ist. Wegen Jesus ist der Tod für mich die Tür in maximale Freude hinein. Weder Krankheit noch Tod sind Täler, durch die uns der Vater nicht hindurchtragen wird. Nein, der Tod ist nichts Schönes. Aber weil Jesus für mich gestorben und auferstanden ist, hat der Tod über mich die Macht verloren.
Der Tod ist wegen Jesus für mich als Kind Gottes keine Gefahr mehr. Auch wenn er absolut schrecklich und furchterregend aussieht, ist der Tod wegen meinem Jesus zu einer Tür geworden – in die größte Freude hinein. Tim Keller hat so schön gesagt: Alles, was der Tod mir antun kann als Kind Gottes, ist mein Leben hundertfach, millionenfach besser machen.
Wir dürfen mit den Reformatoren bekennen: Ich gehöre ihm – im Leben und im Sterben. Wir dürfen voller Zuversicht sein, weil der Gott, der nicht lügen kann, uns mit seinem Geist versprochen hat, uns nach Hause zu bringen. Deswegen singen wir zurecht: „Mit ihm werde ich auferstehen. Christus hält mich fest. Ihn mit meinen Augen sehen, wenn er wiederkommt.“ Warum werde ich ihn mit meinen Augen sehen? Weil ich so gut und stark geglaubt habe? Nein. Weil ich niemals an seiner Liebe gezweifelt habe? Nein. Sondern weil er mich festhält. Und weil er versprochen hat, mich niemals loszulassen.
Leben für den Himmel, der bleibt
In Vers 9 zieht Paulus eine Schlussfolgerung: „Deshalb setzen wir auch unsere Ehre darein, ob wir sterben oder weiterleben, ihm wohlgefällig zu sein.“ Paulus hat gerade geschrieben, dass er lieber bei Jesus wäre als auf dieser Erde, und daraus zieht er eine Konsequenz: Ich will jetzt für Jesus leben. Ich will so leben, dass mein Gott dadurch großgemacht wird. Ich will jetzt schon für den Gott leben, mit dem ich die Ewigkeit verbringen werde.
Paulus wusste: Es ist nicht egal, wie ich lebe. Ich werde eines Tages vor Jesus stehen. Es ist nicht egal, wie ich meine Zeit, die Gott mir geschenkt hat, einsetze. Deswegen war sein Herz mit dieser großen Leidenschaft erfüllt: Ich will jetzt schon für den Gott leben, der ein Zuhause für mich vorbereitet hat.
Jeder Mensch lebt für einen Himmel. Entweder für Gottes Himmel oder für seinen eigenen. Jeder hat eine Definition von Himmel, was für ihn Himmel bedeutet. Entweder du lebst für den Himmel, den Gott vorbereitet hat, oder du lebst für den Himmel, den du dir selbst ausdenkst.
Die Frage, die der Text nun stellt: Wofür lebst du gerade? Für deinen eigenen persönlichen Himmel auf dieser Erde oder für den Himmel Gottes, der noch kommt? Lebst du für dieses Zelt, das wenn es hochkommt, 80 oder 90 Jahre stehen wird? Oder für das Haus, das bleiben wird?
Jeder von uns hat eine bestimmte Anzahl an Jahren bekommen, die wir hier verbringen werden. Es können 88 Jahre werden. Es können 38 Jahre werden. Jeder von uns kommt Tag für Tag diesem einen Moment näher, wo wir zum letzten Mal atmen werden. Und jeder von uns steht vor der Entscheidung, wie wir diese Zeit, die Gott uns gegeben hat, einsetzen.
Gott ruft dir und mir heute zu: Lebe so, dass klar wird, dass mein Zuhause, das ich für dich vorbereitet habe, dein Himmel ist – und nicht dieses Leben. Ich musste vor einigen Wochen eine 38-jährige Frau begraben. Wer rechnet damit, dass er nur 38 wird?
Ihr jungen Leute, ich möchte euch wirklich zurufen: Lebt für den Himmel, der bleibt. Bitte lebt für den Himmel, der bleibt. Rechnet nicht damit, dass ihr 50, 60, 70, 80 Jahre alt werdet. Lebt jetzt für Jesus. Lebt nicht für Dinge, die ihr nicht halten könnt. Lebt nicht für Dinge, die 10, 20 Jahre da sind und dann weg. Lebt für den Himmel.
Egal ob jung oder alt: Lasst uns für den einzigen Himmel leben, der bleiben wird. Lasst uns unsere Energie, Kraft, Zeit und Liebe noch entschiedener in das eine Reich stecken, das bleiben wird – nämlich das Reich Jesu. Bis wir eines Tages vor ihm stehen und er zu uns sagen wird: „Komm her zu mir, mein guter und treuer Knecht. Gehe ein in die Ruhe deines Herrn.“
Schluss: Die Sonne kommt
„Ich hätte nicht gedacht, dass es so endet.“ – „Endet? Nein, hier endet die Reise nicht. Der Tod ist nur ein weiterer Weg, einer den wir alle gehen müssen. Der graue Regenvorhang dieser Welt wird zurückgezogen und alles verwandelt sich in silbernes Glas. Und dann, dann endlich siehst du es.“ – „Was sehe ich?“ – „Weiße Strände. Und dahinter ein fernes grünes Land, hinter einer rasch aufgehenden Sonne.“
Nein, Schicksalsschläge, Krankheit und Tod sind nicht das Ende für uns. Auch wenn sie uns unfassbar wehtun – sie sind nicht das Ende. Christus ist der Erste und der Letzte. Er wird am Ende siegreich und triumphierend über dem Staub dieser gefallenen Schöpfung stehen. Sein Kreuz und sein leeres Grab rufen uns zu, gerade denen, die heute leiden: Die Sonne kommt. Die Sonne kommt.
Und eines Tages wird aus unserem Weinen Lachen, aus unserem Humpeln Tanzen, aus unserem Seufzen Singen. Maranata, Jesus, komme bald. Amen.

