Thema: Weihnachtspredigt
Prediger: Andreas Dück
Datum: 24.12.2025
Einleitung: Der Endgegner
Ich mochte diese Spiele auf den Konsolen, diese Jump-and-Run-Spiele, wo man von einem Level zum nächsten kämpfen muss. Dann hat man Gegner, die muss man besiegen. Und ganz zum Schluss kommt so ein Endgegner. Spiele wie Super Sonic oder Shinobi – das war in meiner Zeit, Mann, ist das lange her. Und ich weiß noch, beim Endgegner habe ich immer versagt. Ich habe dann meinen Freund gefragt: „Kannst du das mal für mich erledigen?“ Und dann hat er das auch gemacht. Er hatte die ganzen Tricks drauf, wie man den Endgegner besiegt.
Heute ist Weihnachten und die christliche Welt feiert die Geburt ihres Retters. Heute tauchen wir in eine Geschichte ein, die eigentlich sehr freimachend ist: der Beginn eines Menschen, der auch ganz Gott war, und der den Endgegner fertig gemacht hat. Aber alles der Reihe nach. Ich will euch mitnehmen in die Geschichte, wie sie uns Lukas erzählt in seinem Buch über Jesus. Ich werde vier Passagen durchgehen und euch mitnehmen.
Die Welt, in die Jesus hineingeboren wurde
Ich lese die ersten Verse: „Es begab sich aber in jenen Tagen, dass ein Befehl ausging von dem Kaiser Augustus, dass der ganze Erdkreis sich erfassen lassen sollte. Und diese Erfassung war die erste und geschah, als Quirinius Statthalter in Syrien war. Und es zogen alle aus, um sich erfassen zu lassen, jeder in seine eigene Stadt.“
„In jenen Tagen“ – Lukas war ein Historiker, der möchte das ganz genau erzählen, was hier passiert. Er möchte erzählen, dass Jesus geboren wird, aber nicht nur, dass er geboren ist, sondern: Wie war es denn damals, als er geboren wurde? Das ist so eine damalige Art, wie man datiert hat. Man wusste ungefähr, wann diese Leute geherrscht haben, und konnte dann auch klarkriegen, wann Jesus gelebt hat. Aber wie war die Welt, als Jesus geboren wurde? Das möchte er uns erzählen.
Ich habe mich gefragt: Wie wird man eigentlich über unsere Welt heute in fünfzig Jahren sprechen? Was wird man sagen über die Zeit heute – die Zeit nach Corona, oder die Zeit, als Friedrich Merz Kanzler war, oder als Trump in den USA Präsident war? Wird man von diesem fürchterlichen Krieg erzählen, oder die Zeit, als alles mit der KI anfing, und als man noch im Sauerland Skifahren konnte? Wird man von der guten alten Zeit sprechen oder von der Zeit, die endlich vorbei ist?
Als Augustus Kaiser des Römischen Reiches war, herrschte im Reich eine relative Stabilität. Doch der römische Friede wurde mit harter Hand durchgedrückt, was die Völker damals nicht wirklich glücklich machte. Diese Volkszählung, von der wir hier sprechen, war nicht für eine schöne Statistik gedacht, sondern diente dazu, die Steuerzahler und die zukünftigen Soldaten zu erfassen. Es ging darum, Kontrolle über das Geld und über die Menschen auszuüben.
Was Menschen an diesen Geschichten oft ärgert, ist, dass das Unrecht nur so gestreift wird. Der Gerechtigkeitssinn verlangt, dass man hier stehen bleibt und den Scheinwerfer so richtig auf das Unrecht lenkt: die korrupten Zöllner, die harte römische Herrschaft, das Leid der Massen – um dann zu sagen: Hier brauchen wir einen echten Retter! Wir warten auf einen Helden, der sich dem Unrecht mutig widersetzt. Wir lieben dieses kleine, unbeugsame gallische Dorf, das nicht aufhört, dem Eindringling Widerstand zu leisten.
Stattdessen lesen wir, dass Josef seine hochschwangere Frau nimmt und dann den ganzen Weg aus dem nördlichen Nazareth in das südliche Bethlehem macht, um dem Erlass des Kaisers in Rom zu folgen. Josef und Maria ziehen also nach Bethlehem, weil der Kaiser in Rom es so will.
Die Geburt Jesu in Bethlehem
Wir lesen das in den folgenden Versen: „Es ging aber auch Josef von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt, weil er aus dem Haus und Geschlecht Davids war, um sich erfassen zu lassen mit Maria, seiner ihm angetrauten Frau, die schwanger war. Es geschah aber, während sie dort waren, da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen, und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in die Krippe, weil für sie kein Raum war in der Herberge.“
Josef zieht also nach Bethlehem, weil das wahrscheinlich organisatorisch am einfachsten war. Es gab ja nicht so ein Einwohnermeldeamt wie heute mit den Registern. Da ging jeder dorthin, wo er herkam – war für die Verwaltungsmenschen wohl der einfachste Weg. Und weil er aus Bethlehem stammte, musste er mit seiner Frau und dem Kind im Bauch dorthin. Und dort wurde dieses Kind geboren.
Da liegt es nun, dieses frisch geborene Baby, gewickelt in Windeln, in der Futterkrippe eines Tieres. Was wir sehen, ist ein echter Mensch – kein Halbgott, sondern jemand, der wirklich alle Phasen des Menschseins durchbuchstabiert, angefangen mit der Geburt.
Was bedeutet es eigentlich, Baby zu sein? Könnt ihr euch noch erinnern, wie das war? Ich hoffe nicht. Aber ihr habt das bei anderen gesehen. Ein Baby ist komplett abhängig. Es muss gefüttert werden, es muss gewickelt werden. Es wird dann größer und weiß, was es bedeutet, Kind von Eltern zu sein, die fehlerhaft sind, und in Systemen zu leben, die Leid verursachen. Das macht Jesus als ganzer Mensch durch.
Jetzt ist er noch ein Baby, und noch ist alles unspektakulär. Gott wird zwar Mensch, aber nichts Ungewöhnliches passiert – keine Fanfarenklänge, kein Feuerwerk, kein Lamettatregen.
Die Botschaft der Engel an die Hirten
Aber jetzt machen wir einen Szenenwechsel und wir lesen den nächsten Abschnitt: „Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Feld, die bewachten ihre Herde in der Nacht. Und siehe, ein Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umleuchtete sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch große Freude, die dem ganzen Volk widerfahren soll. Denn euch ist heute in der Stadt Davids der Retter geboren, welcher ist Christus, der Herr. Und das sei für euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln gewickelt, in der Krippe liegend. Und plötzlich war bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Herrlichkeit ist bei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und unter den Menschen Gottes Wohlgefallen.“
Eine typische Situation am Anfang – nachher wird es untypisch. Eine Tierherde, bewacht von Hirten, um sie vor Dieben oder bösen Tieren zu schützen. Die Menschen, die sie bewachen, sind keine reichen Bauern, das sind in der Regel Hungerlöhner, die für wenig Geld ihre Arbeit tun.
Und jetzt wird Lukas, der Historiker, ganz aufgeregt: „Und siehe“, schreibt er. Wenn wir heute eine Theateraufführung haben und man möchte eine Szene besonders hervorheben, was macht man dann? Spot an und Lichtkegel genau auf diese Szene. Das gab es damals nicht, aber wenn er sagt „siehe“, dann ist das genau das Gleiche. Er sagt: Schaut mal, gleich wird hier was passieren!
Tatsächlich bekommen diese Hirten eine krasse Vorstellung. Sie haben auf einmal einen Engel Gottes bei ihnen, der zu ihnen redet. Lukas hat in den Vorgeschichten schon erzählt, dass dieser Engel bei dem alten Mann Zacharias zu Besuch war, der dann später Vater geworden ist, dann hatte er Maria besucht, um ihr zu sagen, dass sie schwanger ist. Und jetzt ist er hier bei den Hirten. Sie sind zwar Menschen der unteren Schicht, aber sie stehen für das Volk, zu dem der Engel die Botschaft sagen möchte, damit sie dort ankommt.
Wie immer, wenn ein Engel auftritt in der Bibel, musste man erst mal die Menschen beruhigen. Er sagt ja auch zu diesen Hirten: „Fürchtet euch nicht.“ Warum muss ein Engel das sagen? Wenn ich so Engel-Darstellungen von heute sehe, dann sind das oft sehr niedliche Puttchen mit Flügeln. Dann denkt man: Wie kann man vor so etwas Angst haben, als erwachsener Mann? Aber das ist sehr romantisiert. In Wirklichkeit waren die Engel Boten Gottes, die in der Autorität und in der Herrlichkeit von Gott auftreten. Es ist zwar nicht Gott selbst, der da erscheint, aber die Vertretung ist so eindrucksvoll, dass die Menschen regelmäßig Angst bekommen, wenn sie Engeln begegnen.
Gott zu begegnen, wenn man Gott zum Feind hat, das ist nicht gut – das ist ganz und gar nicht gut. Der erste Engel, den die Menschen überhaupt je zu Gesicht bekommen haben, war der Engel, der am Paradies stand, vor dem Garten Eden, und ihn bewachte, damit sie nach der Rebellion, wo Gott sie vertrieben hatte, nicht wieder zurückkehren konnten in diesen Garten. Vor Engeln hatte man Angst.
Unsere Furcht heute
Unsere Furcht heute hat in der Regel nichts mit Engeln zu tun. Wir haben oft auch gar nicht Furcht vor Gott, sondern wir haben mehr Furcht vor den Dingen, die in der Welt passieren, die Gott gemacht hat. Die Furcht hat mehr mit den Menschen zu tun, die in dieser Welt leben. Die Furcht hat mehr mit der Zukunft zu tun.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber Nachrichten lesen macht ja schon länger nicht mehr wirklich Spaß. Wie es mit unserem Wohlstand weitergehen soll, wie es mit der Sicherheit in unserem Land weitergehen soll, mit unserer Art zu leben, die wir so lieb gewonnen haben – all die vielen Stimmen reden oft von einer dunklen Zukunft. Und das scheint für uns alle die relevante Furcht zu sein, aus der wir gerne herausgerettet werden wollen.
Aber gehen wir nochmal zurück zu den Hirten. Der Engel fängt an zu sprechen und sagt: Habt keine Sorge, es ist alles okay. Ich komme nicht, um euch zu vernichten, sondern ich komme, um euch eine Freude zu verkünden. Ich möchte euch etwas Schönes sagen, was allen Menschen gilt. In Bethlehem, in der Stadt, wo David herkommt, dem großen König, ist gerade ein Kind geboren. Dieses Kind ist der Retter.
Und damit sie ihm glauben, sagt der Engel: Ihr werdet das Kind finden, wenn ihr in diese Stadt geht, und es dort in Windeln in einer Futterkrippe liegen sehen werdet. Dann gibt es ein außergewöhnliches Konzert. Dabei habe ich gedacht: Schade, dass es Mikrofon und Kamera so spät gab! Sonst hätte man draufgehalten, und noch lange wären das die Highlights in unseren Playlists gewesen.
Aber die Engel, die dann kommen und Gottes Lob singen, sie machen Gottes Namen groß und zeigen: Gott ist der Herr der ganzen Welt. Und Gott wird dafür sorgen, dass Frieden auf Erden kommt für alle Menschen, die Gott suchen.
Die Reaktion der Hirten
Dann kommt der letzte Szenenwechsel, und wir lesen, was es mit den Hirten gemacht hat: „Und es geschah, als die Engel von ihnen weg in den Himmel zurückgekehrt waren, da sprachen die Hirten zueinander: Lasst uns doch bis nach Bethlehem gehen und die Sache sehen, die geschehen ist, die der Herr uns verkündet hat. Und sie gingen eilends und fanden Maria und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegend. Nachdem sie es aber gesehen hatten, machten sie überall das Wort bekannt, das ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, verwunderten sich über das, was ihnen von den Hirten gesagt wurde. Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen. Und die Hirten kehrten wieder um und priesen und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es ihnen gesagt worden war.“
Es hört alles wieder auf, und die Dunkelheit breitet sich wieder über den Hügeln von Bethlehem aus. Ich kann es mir vorstellen, wie die Hirten sich einander anschauen und sagen: Was ist jetzt eigentlich passiert? Haben wir alle zusammen was genommen oder so? Was war das gerade? In deinem Gesicht – ich habe es gesehen, du hast es auch gesehen, du hast es auch gesehen, du hast es auch gesehen! Leute, wenn das wirklich passiert ist, dann wollen wir das auch sehen! Die Engel waren toll, aber das reicht ihnen nicht. Sie wollen dieses Kind sehen.
Was sie dann tun: So schnell wie möglich gehen sie nach Bethlehem. Sie lassen die Herde dort, wo sie ist. Der Besitzer wird das nicht gut gefunden haben, aber das war in dem Moment egal, um dieses Kind zu sehen, von dem sie gerade gehört hatten. Und dann sehen sie es in der Futterkrippe, genau wie der Engel es gesagt hatte.
Die Engel waren der Hammer, aber das Kind hat das nochmal getoppt. Eigentlich war das ein ganz normales Kind – ein durchschnittliches Kind, nicht irgendwie einen Meter groß oder so, es hatte keinen Leuchtschweif um den Kopf, es hat keine Wunder getan und auch nicht geredet. Das war einfach nur ein kleines Baby, das gerade geboren war und dort in seinen Windeln in dieser Futterkrippe lag. Vielleicht wurde es gerade sauber gemacht oder musste gleich sauber gemacht werden.
Aber die Botschaft der Engel zusammen mit diesem Kind, das sie sahen – das machte deutlich: Das ist jetzt Gott in unserem Leben. Das hat die Herzen dieser Hirtengesellen überfüllt und froh gemacht. Ihre Furcht war ja schon weg, aber nun kam Freude dazu.
Die Reaktion in zwei Richtungen
Wir lesen von ihrer Reaktion. Genau genommen sind das zwei Richtungen ihrer Reaktion. Das eine ist: Sie erzählen es allen Menschen, denn sie können das nicht für sich behalten. Das ist so überwältigend, dass sie das unbedingt teilen müssen. So geht es uns auch, wenn wir Gott erleben, wie Gott in unser Leben reinwirkt und wir merken, was es heißt, dass Gott real ist – dann können wir nicht mehr nichts drüber sagen.
Das andere ist: Sie reden zu Gott. Sie loben Gott und preisen ihn, dass er in ihr Leben hineingekommen ist. Sie sprechen und singen und jubeln es raus.
Dann habe ich mich gefragt: Was passiert denn danach für sie? Wie war das am nächsten Tag, in der nächsten Woche, in den nächsten Jahren? Haben die alles hingeschmissen und sind Influencer geworden? Nein, für sie persönlich ging das Leben genauso weiter wie vorher auch. Die Zöllner trieben die überhöhten Steuern ein, Augustus blieb Kaiser, die Herde musste gehütet werden, die Nächte waren kalt und die Hyänen waren immer noch da. Das Baby blieb zunächst einfach nur ein Baby, und ungefähr dreißig Jahre passierte nichts.
Vorwärts scrollen zu Ostern
Warum die meisten von uns lieber einen Film streamen, als ihn im Fernsehen zu schauen, ist die Möglichkeit, dass man nach vorne scrollen kann – und auch zurück, wenn man das will. Wenn man eine Szene überspringen will oder wenn es langweilig ist, dann geht man einfach weiter.
Als Christen scrollen wir auch im Jahreskalender ein Stückchen weiter Richtung Ostern, Richtung Karfreitag. Und wir blicken dort auf einen Kampf, der da ausgefochten wurde, und erkennen: Hier kämpft das erwachsen gewordene ehemalige Baby gegen den Endgegner. Er stirbt für die Sünden, um den Tod zu besiegen, und dann steht er von den Toten auf, weil er den Tod besiegt hat.
Vorwärts scrollen in die Ewigkeit
Lasst uns doch mal gedanklich in unserem Leben ein bisschen weiter scrollen – vielleicht fünfzig, vielleicht hundert Jahre oder vielleicht auch tausend, irgendwo in die Zukunft hinein. Was wir dort sehen, ist nicht ein Nichts, sondern wir sehen: Da ist der Schöpfer. Der Schöpfer, der diese Welt geschaffen hat, der uns geschaffen hat.
Und das Schöne ist: Alles Unrecht, das wir erlebt haben, ist dort ausgebreitet, und dort geschieht Gerechtigkeit. Und das wird uns alle zufriedenstellen und keine Sorgen mehr machen, weil Gott Gerechtigkeit schaffen wird.
Schwieriger wird das für uns mit dem Unrecht, das bei uns liegt. Was wird dann aus uns, wenn der Schöpfer sein Geschöpf bewertet? Und hier kommt die Rettung so ganz und gar zum Tragen. Die Verantwortung für mein Unrecht, die Verantwortung für dein Unrecht – wenn man Jesus glaubt, hat er sie auf sich genommen. Jesus übernimmt die Verantwortung dafür, dass wir nicht gerecht waren. Er gibt uns seine Gerechtigkeit und nimmt uns unsere Schuld.
Zurück zu dem Baby vor 2000 Jahren
Dann scrollen wir zurück zu diesem Baby vor zweitausend Jahren im verschlafenen Dorf südlich von Jerusalem. Und wir sehen: Dieses Baby wird nicht die Welt auf den Kopf stellen, sondern die Ewigkeit auf den Kopf stellen – und zwar für alle, die ihm vertrauen.
Unser Leben hier mag achtzig Jahre sein, manchmal sind es auch nur zehn oder hundertvierzig. Und dann kommt die Ewigkeit, deren Jahre unzählbar sind. Wisst ihr, die Rettung ist am meisten relevant, wenn sie für die Ewigkeit relevant ist.
Und wenn für uns der Endgegner geklärt und die Ewigkeit hoffnungsvoll ist, dann ist uns das Leid und der Schmerz in dieser Welt nicht egal. Noch leben wir nicht in der Ewigkeit, sondern in der Zeit. Aber es ist einfacher, in dieser Zeit zu leben, wenn unsere Wurzeln in der Ewigkeit verankert sind.
Mit den Füßen im Himmel gegründet
Wenn wir diese Welt zu einem besseren Ort machen wollen, während wir mit unseren Füßen auf dieser Welt stehen und von ihr abhängig sind, dann führt das zu Stress und Panik und Druck. Denn wenn diese Welt, auf die wir uns stützen, kaputtgeht, gehen wir auch mit kaputt.
Wenn wir aber in diese Welt hineinwirken, während unsere Füße sozusagen im Himmel gegründet sind, dann werden wir nicht weltentriickt leben, denn Gott liebt diese Welt, und wir wollen diese Welt lieben, wie er sie liebt. Wir geben, was wir können, um Not zu lindern. Wo es geht, schaffen wir Gerechtigkeit, wenn wir es in der Hand haben. Und wenn es uns gelingt, Liebe zu geben, wollen wir es tun, wo immer wir sind.
Aber die große Entlastung ist: Wir hängen nicht an dieser Welt. Unsere Existenz hängt nicht an dieser Welt – äußerlich schon. Wir können verarmen, wir können krank werden, wir könnten gefoltert werden, wie es übrigens gerade auch einigen Christen passiert, die verfolgt werden, weil sie an Jesus glauben. Wir könnten durch Raketen sterben, was heute leider auch passiert. Wir könnten auch sonst sterben, wenn wir alt im Bett liegen. Für uns wäre das ein großes Leid, aber es wird nicht das Ende unserer Existenz sein oder unserer Zukunft.
Die Freude von Weihnachten
Wenn wir auf der Zeitleiste der Weltgeschichte scrollen, können wir als jesusgläubige Menschen jedes Jahr zum Beginn unserer Zeitrechnung zurückgehen. Und dann sehen wir wieder dieses Dorf, wir sehen Bethlehem, wir sehen dieses Haus, diesen Stall – wir wissen nicht genau, was es war –, wo dieses Kind da liegt in dieser Krippe.
Jedes Jahr stellen wir uns zu den Hirten und sind immer mit ein bisschen erschrocken: Da ist wieder der Engel! Und dann sind wir gleichzeitig wieder froh, weil der Engel sagt, wir sollen uns nicht fürchten. Und dann gehen wir mit ihnen zusammen zu diesem Kind, und wir schauen es an, und wir wissen: Das ist der Retter der Welt.
Und dann wissen wir, dass es später zwar ein Grab geben wird, aber es wird leer sein. Es gibt ein Kreuz, aber es ist nicht das Ende. Es gibt Leid, aber es gibt auch Herrlichkeit. Es wird Furcht geben, aber auch Freude.
Und wenn wir unsere Zeitleiste jetzt mal nach vorne scrollen, was sehen wir dann? Zunächst einmal schwarz, schwarz, schwarz – keine Ahnung, was kommt in den nächsten Jahren oder im nächsten Jahr. Aber irgendwann ist das Schwarze durchbrochen, und wir sehen eine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit bei Gott, weil wir diesem Kind vertrauen, das nicht Kind geblieben ist, sondern Retter der Welt geworden ist.
Und das ist die Freude, die wir Weihnachten erleben: diesen Moment der Hoffnung und diese Atmosphäre des Glücks, die wir erspüren in einer Zeit, die damals nicht einfach war und heute auch nicht ist. Eine Freude, die wir haben können, weil sie in Jesus verwurzelt ist, im Himmel verwurzelt ist und nicht in dieser Welt – um in diese Welt hinein zu strahlen. Und eine Freude, die von Furcht befreit ist und echt ist.

